Finanzkrise hin oder her - bisher haben sich Technologieaktien überproportional gut gehalten. Der Nasdaq Composite Index in New York, der wichtigste Branchenindikator, verlor seit Jahresbeginn «nur» 9%. Der Standard & Poor’s 500 Index büsste hingegen 15% ein.

Allerdings mehren sich jetzt die Anzeichen, dass auch der Technologiesektor nicht immun gegenüber der Rezession ist: So enttäuschten die grossen Computerkonzerne HP und Dell vergangene Woche. Schlecht sieht es insbesondere bei Dell aus: Der Quartalsumsatz schrumpfte im Vergleich mit dem Vorjahr um 16% auf 13,4 Mrd Dollar, mehr als alle Analystenschätzungen. Jetzt soll eine weitere Sparrunde kommen. JP-Morgan-Analyst Mark Moskowitz glaubt, dass nach zwei Jahren mit fallenden Gewinnen die Trendwende erst 2011 zu erwarten ist, und rät, die Aktie zu verkaufen. Derweil verfehlte auch Konkurrent HP die Umsatzerwartungen um 10%. Finanzchefin Cathie Lesjak weist nun darauf hin, dass das Unternehmen alles unternehme, um für das laufende Fiskaljahr das Gewinnziel von 3.76 bis 3.88 Dollar pro Aktie zu erreichen. Insbesondere bei der Servicesparte sollen noch Stellen gestrichen werden. «HP bleibt unsere bevorzugte Aktie», kommentiert Goldman-Sachs-Analyst David Bailey, «weil das Unternehmen sehr attraktiv bewertet ist und auch dann die Gewinnerwartungen erreicht, wenn der Umsatz schwach ist.»

Software spürt Zyklus später

Bei den Softwarefirmen, die an Firmenkunden verkaufen, sieht die Lage anders aus. Neben der einmalig fällig werdenden Lizenzgebühr erhalten Softwarefirmen anschliessend die Wartungsgebühren bis zur nächsten grossen Erneuerungsrunde oder einer Ablösung der Programme. Software gilt im IT-Bereich als Spätzykliker, weil die Projekte über Monate hinweg eingefädelt werden müssen. Unternehmen wie Oracle oder SAP spielen zudem aufgrund ihrer riesigen Kundenbasis den Grossteil der Umsätze mit Wartung ein.

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Treue Oracle-Kunden

Diese beiden Firmen dürften deshalb auch in einer tiefen Rezession nicht existenziell gefährdet sein. Oracle dürfte laut Adam Holt, Analyst bei Morgan Stanley, das Gewinnziel von 1.38 Dollar pro Aktie erreichen. Er hat sich bei 60 grossen Kunden von Oracle umgehört und stellt fest, dass die allermeisten ihre Wartungsverträge erneuern werden. Wo Rabatte nachgefragt wurden, wurden sie gewährt. Sie lagen mit 2% aber im üblichen Rahmen. Die Oracle-Aktie hat sich besser gehalten als der Gesamtmarkt, sie gilt bei Analysten als Favorit unter den grossen Softwarefirmen.

Liebling der Finanzbranche war bisher auch VMware. Das im Vergleich zu Oracle viel kleinere Unternehmen stellt Software für die «Virtualisierung» von Servern und PC her. Damit lassen sich die chronisch tiefen Auslastungsziffern bei Kleinservern deutlich steigern. Firmen benötigen so weniger Server für die gleiche Rechenlast. Im letzten Quartal war der Umsatz gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 25% gesteigert worden, der Gewinn pro Aktie lag mit 36 Cents 10 Cents über den Markterwartungen.

Allerdings deutet der Ausblick des Managements auf einen um 10% schrumpfenden Lizenzumsatz im laufenden Quartal hin. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 37 verrät dagegen, dass die Hoffnung bei den Anlegern noch nicht gestorben ist.