Am 3. Februar verkaufte ein Adecco-Verwaltungsratsmitglied 46900 Aktien für 2,7 Mio Fr., zwei Tage zuvor hatte ein weiterer Insider bei der Zeitarbeitsfirma 156000 Aktien für 8,9 Mio Fr. verkauft. Umgekehrt erwarben in den letzten Tagen Mitglieder des Verwaltungsrats von Julius Bär zweimal Aktien aus ausgeübten Call-Optionen im Wert von 110000 Fr., wie die SIX Swiss Exchange auf ihrer Website festhält.

Es gibt Anleger, die lesen aus solchen meldepflichtigen Insider-Transaktionsdaten allerhand heraus - denn wer sollte die «wirkliche» Lage eines Unternehmens besser kennen als die Top-Manager? Wer weiss besser, ob und wann sich ein Fehlschlag bei der Entwicklung eines Medikaments oder eine Übernahme anbahnt, als die «Insider» in der Chefetage?

Mauscheleien und Seriöses

Dieses Insiderwissen zieht zuweilen Mauscheleien nach sich. Eine Untersuchung der britischen Bankenaufsicht zu Insidertransaktionen kam nach zahlreichen Fällen auf eine durchschnittliche Deliktsumme von 871000 Pfund. Dagegen sind durchschnittliche «konventionelle» Betrügereien in Banken mit 6000 Pfund viel kleiner. Medienwirksam sind aber die ganz schweren Jungs. Der aus Sri Lanka kommende Milliardär Raj Rajaratnam, der in den USA ein kleines Informationsnetz aufgebaut hatte, um solche Transaktionen besser auszunutzen, sah sich erst letzte Woche weiteren zusätzlichen Anklagepunkten ausgesetzt. Ex-Kollegen hatten wieder geplaudert, somit waren noch zwei weitere Fälle bekannt geworden. Aktenkundig ist auch der ehemalige CEO des US-Datennetzbetreibers Qwest geworden, dem 42 Fälle von Insidertransaktionen im Volumen von 100 Mio Dollar nachgewiesen worden waren.

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Sehr seriös machen hingegen Derivate-Emittenten Insider-Transaktionen den Anlegern zugänglich. Am bekanntesten ist der von der Börse Stuttgart/Euwax entwickelte S-Box-Insider-Index. Der besteht gegenwärtig aus 15 Aktien mit einem breiten Spektrum von Versorgern wie E.On und RWE und etlichen Industriewerten wie Kloeckner, Krones oder Vossloh. Rheinmetall ist am höchsten gewichtet. Es gibt auch eine Europa-Variante mit ABB als einzigem Schweizer Wert. Einschlusskriterium ist eine relativ hohe Anzahl Insider-Transaktionen im Verhältnis zur Marktkapitalisierung. Die Deutsche Bank hat je einen Tracker auf die beiden Indizes begeben. Einen Tracker auf einen US-Insider-Index, der 30 relativ klein kapitalisierte Produkte umfasst, hat auch die Credit Suisse ausstehend.

Niemand ist sicher vor der Baisse

Die Index-Produkte lassen sich gut mit den Benchmarks vergleichen und eignen sich deshalb, den Informationsgehalt von solchen Transaktionen zu prüfen. Auf Einjahresbasis hat der S-Box-Insider-Index den DAX um 30% geschlagen. Allerdings wurde damit der Rückstand, der seit Emission entstanden war, lediglich verringert, denn bis März 2009 lagen die Insider «schlechter» als der Gesamtmarkt.

Auch der CS-Insider-Strategy-Index-Tracker hat sich seit letztem Herbst etwas erholt, aber hier kann einem Anleger bei diesem in Euro denominierten Produkt auch der Dollar-Kurs einen Streich spielen. Per saldo liegt das seit mehr als drei Jahren aufliegende Produkt 25% im Minus. Das ist aber immerhin 5% besser als der S&P-500-Index, der als der am weitesten verbreitete US-Benchmark gilt.

Insiderinformationen bringen demnach lediglich in Aufschwungphasen zusätzliche Kursgewinne. Bei Baissen hilft den Top-Managern ihre intime Kenntnis der Firma aber auch nicht viel weiter.