Derzeit sind an den Märkten sichere Werte gefragt. Medienaktien gehören nicht zwingend dazu, dennoch rät eine Mehrheit der Analysten, Valoren des französischen Unterhaltungskonzerns Vivendi zu kaufen. Auch Walt Disney steht trotz der schlechten US-Konsumentenstimmung hoch im Kurs.

Der Optimismus überrascht. Walt Disney konnte zwar im letzten Quartal den Umsatz um beinahe 6% auf 9,45 Mrd Dollar steigern. Die Zukunftsaussichten sind jedoch eher düster. Die Buchungen für die Disney-Parks ? sie generieren 30% des Umsatzes ? sind stark rückläufig. Der wichtigste Sektor für Disney, der Bereich Media Networks (42%), hat ebenfalls Probleme: Der gute Geschäftsgang der TV-Kanäle ABC und Disney-Channel kann die Stimmung für den Unterhaltungskonzern mit einem Umsatzplus von 4% nur leicht aufhellen. Die Werbe-Etats nahmen jedoch trotz der Präsidentschafts-Wahlen ab. Der Mehraufwand für die Berichterstattung um den TV-Mega-Event erhöhte die Kosten. Der unsichere Ausblick hat sich auf den Kurs ausgewirkt, die Aktie hat in den letzten Wochen um 28% abgegeben.

Trumpfkarte Computerspiele

Die Analysten von Bernstein sehen den Medienkonzern Vivendi durch das krisenresistentere Telekom-Geschäft (60% Anteil am Konzernumsatz) besser positioniert. Der Konzern ist in den Bereichen Musik (19%), Kino (18%), Computer- und Videospiele (8%) tätig. Die 20%-Beteiligung am Fernseh-Network NBC Universal bringt zusätzliche Einnahmen.

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Obwohl Vivendi nur einen kleinen Teil des Umsatzes im Bereich Computer- und Videospiele generiert, bezeichnen die Analysten von Bernstein die Konzerntochter Activision Blizzard als die Kronjuwelen von Vivendi. Guitar Hero ist einer der wichtigsten Titel. Das Spiel lässt sich nur über einen speziellen Gitarren-Controller bedienen. Das reduziert das Risiko für Vivendi, unter Raubkopierern zu leiden. Mit dem Brand World of Warcraft (WoW) befindet sich zudem ein rentabler Online-Titel im Portefeuille der Franzosen. Vivendi generiert mit WoW nicht nur einmalige Einnahmen beim Verkauf, der Spieler muss regelmässig Gebühren entrichten, um dabei zu bleiben. Online-Titel sind zudem im Wachstumsmarkt Asien beliebt.

Musikgeschäft leidet

Der Multimedia-Konzern kann auf die geografische Diversifizierung und die regelmässigen Einnahmen aus dem Telekom- und Pay-TV-Geschäft bauen. Laut den Analysten von Bernstein hat Vivendi den Wachstumskurs der letzten Jahre dem Mediengeschäft zu verdanken (61% des Ebita-Wachstums). Dennoch ist auch Vivendi nicht gegen die abflauende Konsumentenstimmung immun. Der harte Konkurrenzkampf und mögliche Veränderungen bei den Konsumgewohnheiten sind zusätzliche Risiken für das Unternehmen.

Gerade die Musiksparte könnte leiden, da der Markt einen tiefgreifenden Wandel durchmacht. Im Bereich Telekommunikation nimmt der Preisdruck durch den härteren Wettbewerb zu. Die Analysten von Bernstein erwarten, ungeachtet ihres positiven Ausblicks, daher zukünftig ein langsameres Wachstum bei Vivendi.