Obwohl die Konjunktur der Weltwirtschaft in fragiler Verfassung ist: Zumindest in der Schweiz ist ein dünner Lichtstreifen am Horizont erkennbar. «Allen negativen Einflüssen der Finanzmarktkrise zum Trotz bleiben die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft recht positiv», sagte Thomas Jordan, Direktionsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB), jüngst vor der Zuger Wirtschaftskammer. Als Grund führte er unter anderem den robusten Arbeitsmarkt an.

Anders sieht die Situation in den USA aus: Die jüngsten Daten zur Entwicklung des privaten Häusermarktes im März fielen mit einem Rückgang von mehr als 8% im Vergleich zum Vormonat sehr schwach aus. Dies betrifft auch die konjunktursensitiven Stellenvermittler, allen voran den Weltmarktführer Adecco. Das Unternehmen mit Sitz in Glattbrugg wird am 6. Mai seine Zahlen für das 1. Quartal publizieren. «Wir erwarten bloss eine tiefe Umsatzsteigerung von 1,4%», schreibt Marco Strittmatter, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Er macht dafür die Portfoliobereinigung in Frankreich, dem mit 32% Umsatzanteil grössten Markt, geltend.

«Adecco wird Markt überflügeln»

In Nordamerika, dem zweitgrössten Markt, erwartet Strittmatter sogar – berücksichtigt man die Währungsentwicklung – einen Rückgang von 17,5%. Ungeachtet aller Widrigkeiten haben sich die Valoren des Temporärbüros seit Jahresbeginn gut gehalten: Lediglich 1,5% haben sie an Wert verloren im schwierigen Börsenumfeld.

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An der Jahresmedienkonferenz zeigte sich CEO Dieter Scheiff optimistisch für die Zukunft: Adecco will die nächsten Jahre ein durchschnittliches Umsatzwachstum von mindestens 7 bis 9% pro Jahr erzielen. Vontobel-Analyst Scott Weldon ist jedoch skeptisch: «Wir halten das angestrebte Umsatzwachstum angesichts der schwachen US-Nachfrage für derzeit nicht möglich.» Dennoch bekräftigt Weldon das «Buy»-Rating: Die Aktie werde 2008 den Markt überflügeln. Auch Strittmatter geht davon aus, dass die Börse eine Rezession einpreise, welche keineswegs gewiss sei. Ferner spricht die Bewertung für Adecco. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,6 für 2009 befindet sich der Titel auf einem historischen Tiefstand.

Die beiden Konkurrenten, die holländische Randstad und die amerikanische Manpower, haben mit den Ergebnissen des 1. Quartals bereits positiv überrascht. «Der Währungseinfluss war sogar noch günstiger als erwartet», so Helvea-Analyst Chris Burger zu den starken 1.-Quartals-Zahlen von Manpower. Der Umsatz ist – nicht währungsbereinigt um 19% auf 5386 Mio Dollar gestiegen, der Nettogewinn um 27% auf 76 Mio Dollar. Die Titel der in Milwaukee ansässigen Temporärarbeitfirma stiegen wegen der höher als erwarteten Resultate um rasante 12%. Noch im letzten Jahr mussten Manpower-Aktionäre Verluste wegstecken: Über 25% verloren die Aktien an Wert. Dieses Jahr outperformte der Titel mit gut 15%. Von 16 Analysten empfehlen 8 Manpower zum «Kaufen» und 8 zum «Halten».

Neue Nummer zwei im Markt

Randstad-Titel empfehlen sogar über 60% der Analysten zum Kauf. 22% würden die Aktie jedoch «verkaufen». An der Generalversammlung vom 23. April haben die Aktionäre die Übernahme des niederländischen Konkurrenten Vedior durch Randstad wie erwartet abgesegnet. Damit ist Randstad nach Adecco die Nummer zwei im Temporärarbeitsmarkt und lässt die bisherige Zweitplatzierte Manpower hinter sich. Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat sich der Umsatz um 6% auf 2235 Mio Euro gesteigert, der Nettogewinn stieg um 3% auf 73 Mio Euro. Der Kurs reagierte mit Zugaben. Nach den herben Kursverlusten im letzten Jahr (fast 50%) verzeichnet die Aktie seit Jahresbeginn wieder ein Plus von rund 1%.