Zwar handelte es sich um einen einzigen Händler, der vor kurzem 100 Dollar für ein Barrel (159 l) Rohöl bezahlte. Um der weltweit Erste zu sein, dem diese zweifelhafte Ehre zuteil wurde, war Richard Arens bereit, einen Verlust in Kauf zu nehmen.

Freiwilliger Verlust hin oder her: Das Durchstossen der psychologischen 100-Dollar-Marke rüttelte viele Anleger auf. Gründe für den hohen Erdölpreis – 2007 hat sich der Preis um satte 60% gesteigert – gibt es einige. Da sich viele wichtige Ölförderungsfelder in Gebieten mit politischen Spannungen befinden, reagieren die Kurse sensibel. Derzeit sorgt die geopolitische Unsicherheit in Pakistan und Nigeria, aber auch die Atomdiskussion im Iran für weiteren Antrieb des Ölpreises.

Dollar treibt Ölpreis an

Auch der schwache Dollar trägt dazu bei, dem Erdöl Schub zu verleihen: Einerseits weil das schwarze Gold in dieser Währung gehandelt wird. Andererseits sichern sich die Anleger durch Anlagen in Rohstoffe wie Erdöl und Gold gegen den Wertezerfall des Greenback ab. So wird der Rohstoff zunehmend zum Spekulationsobjekt für Finanzinvestoren, die kein Interesse an der tatsächlichen Lieferung des Rohmaterials haben. Das erhöht die Volatilität des Erdölpreises zusätzlich.

Trotz der derzeitigen Preisrally rechnen viele Experten mittelfristig mit einem Rückgang des Erdölpreises. «Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis im Laufe des Jahres leicht fallen dürfte, vielleicht in die Region von 70 bis 80 Dollar pro Barrel», so Thiemo Lang, Senior Portfolio Manager bei SAM (Sustainable Asset Management). Grund dafür sei die Konjunkturabschwächung in den USA, welche zu einer Entspannung der Lagerbestandssituation führe, sowie das zu erwartende zunehmende Fördervolumen der Ölförderstaaten.

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Trotz dieser vorläufigen Entwarnung für die Wirtschaft dürfte der Erdölpreis auf lange Sicht weiter anziehen. «Das Überschreiten der 100-Dollar-Marke bestätigt den langfristigen Aufwärtstrend des Ölpreises», sagt Youri Vorobiev, Fondsmanager bei Vontobel. Dies insbesondere, weil die Nachfrage hoch bleibe und die globale Produktion nicht weiter gesteigert werden könne, erklärt Vorobiew. Die Nachfrage nach Erdöl von China und Indien wird auch in Zukunft nicht nachlassen. Auch über die Endlichkeit des Rohstoffs Öl herrscht wenig Zweifel. Darüber, wann der sogenannte Oil Peak, also der Höhepunkt der Ölfördermenge, erreicht wird, besteht jedoch Uneinigkeit in den Fachkreisen. Während die einen das baldige Ende der vorhandenen Reserven des wertvollen Gutes beschwören, mahnen andere zu mehr Gelassenheit.

UBS-Umweltberater ausgebildet

«Langfristig dürfte der Erdölpreis weiter ansteigen», ist Philippe Juilland von der UBS überzeugt. «In 30 bis 50 Jahren wird es kein Erdöl mehr geben. Die Förderungskosten werden irgendwann so hoch werden, dass sich die Aufbereitung nicht mehr lohnt», begründet er seine Prognose. Juilland absolviert derzeit als einer der wenigen aus der Finanzbranche einen von WWF durchgeführten Weiterbildungslehrgang als Umweltberater. Dort habe er sich ein Grundwissen in Umweltthemen angeeignet und sich im Bereich Management und Kommunikation weitergebildet. Anders als in Deutschland gebe es in der Schweiz bisher fast keine Möglichkeit, sich als Banker in Umweltthemen praktisch weiterzubilden. In seiner Tätigkeit als Kundenberater beobachte er seit einigen Monaten eine steigende Nachfrage nach Anlagefonds und Zertifikaten mit Umweltaktien. Auch die Performance überzeuge: «Während das Aktienjahr 2007 gar nicht gut lief, hat unser UBS-Umweltfonds 28% zugelegt.»

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Nachfrage nach Ökologie steigt

Grosses Interesse an Fonds, welche in erneuerbare Energien investieren, beobachtet auch Thiemo Lang von SAM: «Insbesondere im letzten Jahr sahen diese Fondsprodukte starke Mittelzuflüsse. Dies ist umso bemerkenswerter, als herkömmliche Aktienfonds eher mit Mittelabflüssen zu kämpfen hatten.» Die Auswirkungen des Ölpreises auf die erneuerbaren Energien sieht er wie folgt: «Mit den steigenden Ölpreisen erhöht sich die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien zu herkömmlichen Energien.» Der Ölpreis habe eine wichtige Signalfunktion für andere Energieträger wie Kohle und Erdgas. Diese wiederum konkurrierten direkt mit der Windkraft und der Solarenergie, führt er aus.

In der Tat haben die Sonnen- und Windtitel im vergangenen Jahr ein wahres Kursfeuerwerk entfacht. Trotz der daraus resultierenden stattlichen Bewertungen denkt Vorobiew, dass in diesen beiden Sektoren noch viel Potenzial steckt. Beide Energien hätten schon ein fortgeschrittenes Entwicklungsstadium erreicht, erläutert er. «In den kommenden Jahren sollten sie dank weiteren Kostenreduktionen und Effizienzsteigerungen zur preislichen Parität zum konventionellen Strom kommen», erörtert er. Lang hingegen hat hohe Erwartungen an den Photovoltaik-Sektor: «Wir trauen aussichtsreich positionierten Firmen stärkeres Umsatzwachstum bei besseren Gewinnmargen zu, als es der derzeitige Konsensus erwartet», konstatiert er.

Investoren, welche am Trend der erneuerbaren Energieträger teilhaben möchten, können aus einer Vielzahl entsprechender Investmentprodukte wählen. Ein diversifiziertes Fonds-Investment verringert dabei die einzelbetrieblichen Risiken der häufig noch jungen Firmen.

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