A chten Sie besonders auf ausreichend dicke Äste und genügend Raum dazwischen, wenn Sie viel daran hängen möchten: Dieser Rat kommt nicht etwa vom Christbaumverkäufer an der Zücher Bahnhofstrasse, sondern von Mark Conelly, Analyst bei der Investment-Boutique Sterne Agee in New York, die sich auf Anlagen in die Holzwirtschaft spezialisiert hat. Das zeigt: Auch an den Finanzmärkten ist das 4. Quartal und damit die Weihnachtszeit eine besondere Saison. Auch wenn es dabei nicht zwingend um Lebkuchen und Lametta gehen muss.

Für beide Hemisphären denken

Global denkende Anleger etwa werden berücksichtigen, dass in Australien die Weihnachtszeit im Sommer liegt. «Das macht den Dezember zum wichtigsten Monat für die lokale Getränkeindustrie», sagt Citigroup-Analyst Andy Bowley, «und hier wird denn auch für Bier- und Softdrinkhersteller ein Drittel des Jahresgewinns eingespielt.» Der Weinverkauf ist demgegenüber viel weniger von den Jahreszeiten abhängig. Bowley gibt dem Getränkekonzern Coca-Cola Amatil den Vorzug gegenüber dem Konkurrenten Fosters Group - bei diesem erwartet Bowley Probleme bei der Abspaltung des Weingeschäfts. Auf der nördlichen Hemisphäre gilt der Dezember als guter Börsenmonat. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Die Öl- und Gasindustrie, die man vielleicht aufgrund der kalten Jahreszeit um Weihnachten herum mit zu den Favoriten zählen könnte, schneidet als eine der wenigen Branchen schwächer ab.

Für Luxusgüter- und Uhrenkonzerne wie Richemont, Swatch, Hermes oder Louis Vuitton hingegen sind trotz des Weihnachtsgeschäftes vorab eine globale Ausrichtung und Präsenz wichtig, weil sich die Kaufmuster in den nichtchristlichen Märkten wie China, Indien oder im enorm wichtigen Japan anders über das Jahr verteilen. Richemont und Swatch zählen zu den Favoriten von Goldman Sachs, neben weiteren Anbietern wie Bulgari oder den Sportartikelkonzernen Adidas und Puma. Flatscreen-Fernseher sowie Smartphones sind die Favoriten der Käufer in den Elektronikmärkten und Telecom-Verkaufsstellen. Allerdings tobt bei den Flatscreen-Fernsehern ein Preiskampf, und nicht alles von den Herstellern LG, Panasonic, Samsung, Sony oder Bang & Olufsen, was schön aussieht, ist auch eine Zierde für das Aktiendepot. Ungleich attraktiver ist die Marge bei Apple. Auch wenn hier die Verkäufe für iPods, die Renner der Weihnachtssaison von 2002 bis 2006, rückläufig sind, boomt das iPhone weiterhin - an Weihnachten könnte zudem ein Tablet-PC unter etlichen Christbäumen liegen.

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iPhone-Konkurrenz hats schwer

Barclays-Analyst Ben Reitzes hat seine Gewinnschätzungen für Apple leicht nach oben korrigiert, die Aktie ist indes mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27 für das laufende Jahr und 23 für das nächste Geschäftsjahr teuer. Ebenfalls etliche Kaufempfehlungen bekommt der Schweizer Zubehörhersteller Logitech.

Nicht empfehlenswert sind die Hersteller von iPhone-Konkurrenten wie Palm, Motorola oder HTC, sagen die Analysten von JP Morgan. Ganz «out» sind in diesem Jahr Computerspiele, wobei hier die Hardwareverkäufe für die drei Hersteller Nintendo, Sony und Microsoft noch stärker einbrachen als die der spezialisierten Softwarehersteller.

Auch für einige Firmensoftwarehersteller ist das 4. Quartal das Wichtigste. Grosse Unternehmen wie SAP schliessen ihr Geschäftsjahr Ende Dezember; weil potenzielle Kunden wissen, wie wichtig die Quoten für die Verkäufer sind, feilschen sie teilweise bis in den Silvesterabend um Abschlüsse.

Oracle bevorzugt

Für das laufende Quartal erwarten die Analysten von Goldman Sachs bei SAP einen Rückgang beim enorm wichtigen Neulizenzgeschäft um 30%. Sie geben deshalb dem breiter aufgestellten Konkurrenten Oracle den Vorzug. Oracle schliesst seine Bücher Ende Mai. «Unser Rat: Wenn Sie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis suchen, seien Sie offen für Neues, wenn das Übliche nicht mehr frisch aussieht.» Diesen Ratschlag gibt Mark Conelly von Sterne Agee übrigens für den Kauf von Weihnachtsbäumen. Er ist aber auch für den Aktienkauf anwendbar.

 

 


In den USA hat das Weihnachtsgeschäft begonnen. Ein Trost: Die Umsätze dürften leicht ansteigen.

Der erste Verkaufstag der Saison, der Mittwoch vor Thanksgiving, gilt in den USA als entscheidender Hinweisgeber auf das Weihnachtsgeschäft. Und so sind die Analysten der führenden Broker ausgeschwärmt, um hier gleich auch ihre ersten Schlüsse zu ziehen.

So sahen sich die Analysten der Credit Suisse, die sich bei einigen Retailern umgesehen hatten, in ihrer 1%-Umsatzplus-Prognose bestätigt. Immerhin soll die Marge besser sein als befürchtet, die Online-Verkäufe legten gleich um 15% zu. Allerdings lagen laut Com-Score, einem auf E-Commerce spezialisierten Marktforscher, nicht Amazon oder Ebay vorne, sondern Staples und Best Buy. Staples ist eine grosse US-Papeteriekette. Ganz allgemein liefen die «gewöhnlichen» Geschäfte besser als erwartet, längst nicht alle Konsumenten strömten zu den Discountern. Laut einer Umfrage von ShopperTrack, die 50 000 Geschäfte im ganzen Land abdeckt - und ShopperTrack gilt als der zuverlässigste Marktforscher in den USA -, ist derzeit Elektronik bei den Kunden am meisten gefragt. Das wiederum ist gut für die US-Retailer wie Best Buy, Radio Shack, Gamestop und HHGregg, zumal der wichtige Konkurrent Circuit City pleitegegangen ist. Sehr gut lief das Geschäft bei Apple-Stores. Bei Computern waren HP und Toshiba gesucht - das Objekt der Begierde waren separate Festplatten. Ausgerechnet bei diesem Computerzubehör hat Logitech wenig zu bieten.

Den Analysten der Credit Suisse, die sich teilweise auch in Florida umsahen, sind zudem die kleinen Lagerbestände der Retailer Target und Sams aufgefallen. Bei Wal Mart waren ehemals teure Güter mit optisch kleinen Preisen angeschrieben.

Die Analysten der Deutschen Bank riefen ihrerseits 300 Geschäfte im ganzen Land an und fragten, wie voll diese gerade seien. Fast 40% sprachen von einem «vollen Haus». Das liegt auf der Höhe der letzten Jahre. Sportgeschäfte waren besonders gut besucht. Die Favoriten sind Beyt Buy, Dick?s Sporting Goods, Family Dollar Store, Staples und Lowe?s.

Schlechter sieht es bei Geschenkkarten aus, hiess es beim Marktforscher NRF. Geschenkgutscheine erwiesen sich letzte Weihnachten oft als unzweckmässig, weil der jeweilige Retailer im Januar schon bankrott war. (mn)