Trotz der zuletzt schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt bleiben Zinserhöhungen laut Fed-Chefin Janet Yellen weiter auf der Agenda. Die positiven Aspekte des Wirtschaftsausblicks überlagerten die negativen Seiten, sagte Yellen am Montag in Philadelphia.

Falls die Wirtschaft wie erhofft anziehe, seien schrittweise Anhebungen der Zinsen angemessen. Yellen wiederholte jedoch eine jüngste Formulierung nicht, wonach eine Erhöhung «in den kommenden Monaten» anstehe.

«Yellen lässt sich alle Optionen offen»

Sie gehe davon aus, dass die Konjunktur moderat zulege und sich der Arbeitsmarkt weiter verbessere. Die Mai-Daten seien zwar enttäuschend ausgefallen. Doch dürfe man einem einzelnen Bericht nicht zu grosse Bedeutung beimessen. Falls die Wirtschaft wie erhofft anziehe, seien schrittweise Anhebungen der Zinsen angemessen.

«Yellen lässt sich alle Optionen offen und manövriert sich damit nicht in eine Ecke», sagte Fed-Beobachter Michael Arone vom Beratungshaus State Street Global Advisors.

Sitzung kurz vor Brexit-Votum

Die meisten Händler rechnen nicht damit, dass die Fed schon auf ihrer nächsten Sitzung am 15. Juni den nächsten Schritt folgen lässt - auch weil die Abstimmung der Briten über einen Ausstieg aus der Europäischen Union wie ein Damoklesschwert über der Entscheidung der US-Währungshüter schwebt. Sie entscheiden nur wenige Tage vor dem am 23. Juni anstehenden Referendum.

Yellen warnte, ein Nein der Briten könne deutliche Auswirkungen auf die Konjunkturperspektiven der USA haben. Die Währungshüter hätten im Juli und damit nach dem britischen Votum Gelegenheit, eine geldpolitische Straffung vorzunehmen. Darauf hat auch der US-Währungshüter Dennis Lockhart hingewiesen.

Kein grosser Aufwand

Es sei für die Notenbank nicht mit grossem Aufwand verbunden, mindestens bis Juli mit den Überlegungen über eine Erhöhung zu warten, sagte der Chef des regionalen Fed-Ablegers Atlanta, dem Sender Bloomberg TV.

Der US-Leitzins liegt zurzeit in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Die Fed hatte ihn im Dezember auf dieses Niveau angehoben und damit das erste geldpolitische Manöver dieser Art seit rund zehn Jahren gewagt.

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(sda/awp/cfr)