Die nochmalige Abwerung des Yuans hat einen Mini-Crash an den europäischen Märkten ausgelöst. Der Schweizer Leitindex SMI verliert 2,55 Prozent. Das ist das grösste Tagesminus seit Aufgabe des Mindestkurses. Vor allem Titel mit starken China-Geschäft, darunter die beiden Uhrenfirmen Swatch und Richemont, wurden massenhaft abgestossen.

Die Schweiz steht im europäischen Vergleich aber sogar noch gut da. Der deutsche Leitindex Dax brach zum Handelsschluss um 3,27 Prozent auf 10’924,61 Punkte ein und verzeichnete damit den bislang zweithöchsten Verlust in diesem Jahr. Zeitweise notierte er am Mittwochnachmittag sogar unter 10’900 Punkten.

EuroStoxx bricht ein

Noch schlimmer erwischt hat es den Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50. Der Index schloss 3,35 Prozent tiefer bei 3484,41 Punkten. Das war der grösste Tagesverlust seit Ende Juni. Das Barometer für die 50 wichtigsten Euro-Aktien ist damit in den beiden vergangenen Handelstagen um fast 200 Punkte beziehungsweise über 5 Prozent auf den tiefsten Stand seit 5 Wochen gefallen.

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Für den Pariser Cac-40-Index ging es am Mittwoch um 3,40 Prozent auf 4925,43 Punkte auch kräftig bergab. Ausserhalb der Eurozone verlor der FTSE-100-Index in London lediglich 1,40 Prozent auf 6571,19 Punkte. Auch die griechische Börse legte nach ihrer jüngsten Erholungsbewegung mit vier Plustagen in Folge wieder den Rückwärtsgang ein: Der Leitindex Athex Composite verlor 1,93 Prozent auf 691,40 Punkte.

Furcht vor Währungskrieg

Die Nervosität der Börsianer gründet in der Furcht, dass ein Währungskrieg begonnen hat. «Es ist zwar noch zu früh, um zu beurteilen, ob dies der Beginn einer nachhaltigen Abwertung des Yuan ist», sagte Rajeev De Mello, Chef des Geschäfts mit asiatischen Anleihen beim Vermögensverwalter Schroders. «Aber andere Zentralbanken könnten sich gezwungen sehen, dem Beispiel zu folgen und in den Industrienationen eine neue Runde des Abwertungswettlaufs einzuläuten.»

Vor dem Hintergrund spekulierten einige Anleger bereits auf eine Verschiebung der von vielen für September erwarteten Zinserhöhung in den USA. Dies schob den Euro um mehr als einen US-Cent auf 1,1212 Dollar an. Zuletzt hatte er Mitte Juli so hoch notiert.

Auto- und Luxus-Titel unter den Rädern

Verkauft wurden vor allem die Aktien von Autobauern, -zulieferern und Luxusgüterherstellern. Für beide Branchen ist China ein wichtiger Absatzmarkt und viele Börsianer fürchten angesichts der wechselkursbedingten Preisaufschläge einen Einbruch der Nachfrage. In der Schweiz gab es entsprechend eine Investorenklatsche für Swatch, Richemont, Autoneum und Georg Fischer. In den Nachbarländern verloren Daimler, VW, BMW und LVMH.

Aber auch die Aktien chinesischer Unternehmen gerieten unter die Räder: In New York brachen die Titel des Amazon-Rivalen Alibaba um bis zu acht Prozent ein. Die chinesische Ikone der Internetbranche wächst so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

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(awp/reuters/ise)