Rezessionsängste lasten seit Monaten auf den Schweizer Industriewerten. Die Branche, die noch 2007 zu den Highflyern an der hiesigen Börse gehörte, verlor seit Anfang 2008 rund 15%, während der Gesamtmarktindex in derselben Periode einen Rückgang von knapp 10% hinnehmen musste.

Der Einbruch scheint aber übertrieben, nimmt man die bisher veröffentlichten Resultate und Prognosen als Massstab. «Die Resultate der Industrieunternehmen für das vergangene Geschäftsjahr sind insgesamt gut ausgefallen», hat Beat Füglistaller, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim, festgestellt. Bremsspuren hätten sich einzig bei jenen Firmen gezeigt, die stark vom US-Automobil- oder -Bausektor abhängig seien. Erfreulich sieht es auch bei den Prognosen für das laufende Jahr aus, insbesondere bei denjenigen Firmen, die in langfristigen Megatrends wie Energieversorgung, Rohstoffgewinnung und Infrastruktur engagiert sind.

Wenig Visibilität für 2. Halbjahr

Dass die Industrietitel im laufenden Jahr trotzdem nicht vom Fleck kommen, liegt vor allem an den eingangs erwähnten Unsicherheiten bezüglich der Konjunkturentwicklung. «Industriewerte reagieren in der Regel mit rund einem Jahr Vorsprung auf einen Abschwung», begründet Fueglistaller. Dies hänge unter anderem mit der geringen Visibilität bei den Firmen zusammen. «Eine Prognose über das 1. Semester hinaus ist zurzeit noch sehr schwierig», so der Sal.-Oppenheim-Analyst. Sollten sich die negativen Vorahnungen, die heute mehrheitlich in den Aktienkursen eingepreist sind, allerdings nicht bewahrheiten, dann bieten die Industrietitel für das 2. Halbjahr noch beachtliches Potenzial.

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Enttäuschung vorweggenommen

Mit der Gewinnwarnung von Januar hat Georg Fischer (GF) die Enttäuschung über das Geschäftsjahr 2007 bereits vorweggenommen. Wegen Anlaufschwierigkeiten mit neuen Produkten im Autozuliefergeschäft ist der Gewinn des Industriekonzerns gegenüber dem Vorjahr auf 245 Mio Fr. gesunken (minus 1,6%). Der Umsatz über die drei Konzernbereiche Automobil, Rohrleitungssysteme und Werkzeugmaschinen erreichte ein Plus von 11% auf 4,5 Mrd Fr. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragseingang um 9% auf 4,6 Mrd Fr. Aufgrund der erfreulichen Auftragslage blickt GF zuversichtlich in die Zukunft. Die Aktionäre sollen mit einer Nennwertreduktion von 25 Fr. pro Aktie am Erfolg der Firma partizipieren.Nachdem die Papiere des Schaffhauser Industriekonzerns nach der Gewinnwarnung abgestraft wurden, sind sie heute mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8 für 2008 moderat bewertet. Die Firma muss aber das verlorene Vertrauen zurückgewinnen und die Probleme im Automotive-Bereich in den Griff bekommen. Heiklere Rahmenbedingungen sowie eine Abflachung der Konjunktur in Amerika kommen erschwerend hinzu. Insgesamt sind die Analysten für GF aber nach wie vor positiv gestimmt.

Hohe Dividendenrendite

Gar ein Rekordjahr hat der Klima- und Fertigungskonzern Walter Meier für 2007 vermeldet. Um Sonderfaktoren bereinigt, kletterte der Konzerngewinn um 18% auf 43,1 Mio Fr., während der Betriebsgewinn um 19,8% auf 57,4 Mio Fr. stieg. Der Umsatz erhöhte sich schliesslich um 7,6% auf 823,5 Mio Fr. Für 2008 erwartet Walter Meier leicht bessere Zahlen, sofern sich die Wirtschaftslage nicht massgeblich verschlechtert. Zudem sind Akquisitionen vorgesehen.Der Umsatzanstieg sei zwar unter den Erwartungen ausgefallen, schreibt Mark Diethelm, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Dies führt er auf eine stärkere Abschwächung im US-Retailgeschäft zurück. Das gesamte Zahlenset bezeichnet er aber als gut. Dank einem KGV von 9 für 2008 und einer hohen Ausschüttung von 15 Fr. pro Aktie werden die Titel zum Kauf empfohlen.Am 28. Februar präsentiert schliesslich Sulzer ihr Ergebnis für das vergangene Geschäftsjahr. Der in Winterthur ansässige Industriekonzern profitiert in hohem Masse vom Erdöl- und Gasgeschäft und dürfte damit 2007 ein erfreuliches Resultat präsentieren. Die bereits veröffentlichten Umsatzzahlen und der Bestellungseingang konnten insgesamt überzeugen. Allerdings dürfte die starke Abhängigkeit Sulzers vom Dollarverlauf das Ergebnis belasten. Trotz der anspruchsvollen Vergleichsbasis rechnet Sulzer auch weiterhin mit einem moderaten Wachstum in den kommenden Jahren. Die Titel werden von den Analysten mehrheitlich auf «Halten» eingestuft.

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