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Zahme Vorgaben aus Basel

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Die neuen Eigenmittelvorschriften für die Banken kommen später und fallen milder als erwartet aus. Wie sie sich auf die verschiedenen Geschäftsfelder auswirken.

Von Matthias Niklowitz
am 15.09.2010

Aus Sicht des Marktes ist klar: Basel III ist für die betroffenen Banken eine «weiche Regulierung». Und obwohl die Details für jene Banken noch ausstehen, die wie UBS und Credit Suisse für ihre Heimatländer jeweils zu gross sind, um problemlos in den Konkurs gehen zu können, stiegen an der SIX Swiss Exchange die Aktien der Credit Suisse kurzfristig um 2,5 und jene der UBS um 1%.

Kaum Verwässerung

Der Anstieg kommt nicht von ungefähr: Die beiden Schweizer Grossbanken erfüllen die Anforderungen der BIZ mit Kernkapitalquoten von 13% bei der UBS und 11,4% bei der CS schon jetzt. Entsprechend dürfte es auch keine Verwässerungseffekte aufgrund einer Kapitalerhöhungen geben, wie sie beispielsweise die Deutsche Bank Ende letzte Woche angekündigt hatte.

Auch bei den Dividenden soll es laut den Analysten von Morgan Stanley keine grösseren Einschnitte geben - im Gegenteil: Weil die beiden Schweizer Grossbanken neben den skandinavischen Banken überkapitalisiert sind, rechnen sie auch bei der UBS mit einer Rückkehr zu einer «normalen» Dividendenausschüttung. Andere Analysten setzen aber hier einige Fragezeichen (siehe «Geldfrage»).

Teils entkräftet wird vorerst die Befürchtung, dass sich aufgrund der verschärften Eigenmittelvorschriften die Kreditvergabe der Banken einschränken könnte einfach, weil die Banken solche Kredite mit relativ viel Geld unterlegen müssen. «Die neue Regulierung wird sich in der Schweiz kaum auf die Kredite auswirken», sagt Teresa Nielsen, Analystin bei der Bank Vontobel. Was man jetzt an Wachstumsselbstbeschränkung im Immobilienbereich gesehen habe, sei nicht auf die Basel-III-Regelung zurückzuführen, sondern würde von den Grossbanken aufgrund der Warnungen der SNB umgesetzt.

Mehr Eigenkapital für Handel

Die Regulierung betrifft jetzt vor allem das Handelsbuch der Banken. Hier waren bei etlichen Banken im Zuge der Finanzkrise die grössten Probleme aufgetaucht, weil einerseits etliche vermeintlich ganz sichere Wertpapiere hohe Risiken aufwiesen, und anderseits die Handelsbücherpositionen durch Basel III stärker als zuvor mit Eigenkapital unterlegt werden müssen.

«Die Kredite sind hingegen im Bankbuch, und diese Positionen müssen nicht mit mehr Kapital unterlegt werden», sagt Nielsen weiter. Somit entstehe eher eine Entlastung und das wiederum habe positive Auswirkungen auf die Wirtschaft, weil die Kreditvergabe steige, so die Analystin.

Markt spielt bei Krediten

Deshalb dürften kleinere Institute wie die Kantonalbanken oder Regionalbanken auch kaum von einem «Engpass» bei den Grossbanken profitieren. «Zurzeit lassen sich keine Auswirkungen von Basel III auf unsere Kreditvergaberichtlinien erkennen», sagt etwa ein Sprecher der Migros Bank.

Auch die Geschäftsleitung der Zürcher Kantonalbank (ZKB) strebt keine Änderungen der Kreditpolitik an, wie ein ZKB-Sprecher mitteilt.

Die UBS will ihrerseits die zur Erfüllung von Basel III notwendigen Eigenmittel aus zurückbehaltenen Gewinnen aufbauen und darauf achten, diese optimal im Geschäftsportefeuille einzusetzen. Dies heisse auch, dass die Qualität der Kundenbeziehung bei der Kreditvergabe in der Schweiz noch bedeutender sein werde, so die Grossbank.

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