Die Aktien des Online-Modeversenders Zalando sind Insidern zufolge bei Investoren heiss begehrt. Das Berliner Unternehmen habe vor seinem Börsengang am Mittwoch alle angebotenen Anteile platziert, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Montag.

Die Aktien seien «im oberen Bereich» der Preisspanne von 18 bis 22,50 Euro verkauft worden. Zalando äusserte sich dazu nicht. Am Montagabend sagten zwei Insider, die Papiere würden zu je 21,50 Euro ausgegeben. Kurz darauf kam die Bestätigung des Berliner Unternehmens. Damit wird der Online-Modehändler die Preisspanne nicht ganz ausschöpfen.

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31,95 Euro werden im Graumarkt geboten

Mit dem Debüt an der Frankfurter Börse werden rund elf Prozent an Zalando in Händen neuer Investoren sein. Die Altaktionäre - allen voran der schwedische Investor Kinnevik und die Berliner Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer - geben beim Börsengang keine Aktien ab.

Spekulanten erwarten, dass die Aktie zum Börsenstart noch deutlich zulegt: Im Graumarkt wurden am Montag Preise bis zu 31,95 Euro für Zalando-Aktien geboten.

Vor sechs Jahren gegründet

Zalando will mit dem Börsengang rund 600 Millionen Euro einsammeln. Das erst vor sechs Jahren gegründete Unternehmen, das im ersten Halbjahr 2014 erstmals schwarze Zahlen schrieb, wäre damit insgesamt über fünf Milliarden Euro wert.

Börsenkandidaten profitieren derzeit davon, dass institutionelle Investoren angesichts der niedrigen Zinsen verzweifelt auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten sind. Auch viele Privatinvestoren, die seit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes einen grossen Bogen um Aktien gemacht haben, trauen sich zunehmend wieder aus der Deckung.

Viele Firmen wollen sich kotieren lassen

Die Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) rechnet inzwischen damit, dass in diesem Jahr bis zu 20 Unternehmen den Sprung an einer deutsche Börse schaffen. Zalando wäre das achte.

Und weitere Kandidaten stehen schon in den Startlöchern: Die Gewerbeimmobilienfirma TLG hat den Schritt bereits angekündigt. Noch in dieser Woche wird eine offizielle Absichtserklärung auch von der Kabelgesellschaft Tele Columbus erwartet. Sie dürfte Finanzkreisen zufolge aber maximal 300 Millionen Euro einsammeln und käme damit auf einen Börsenwert von rund 600 Millionen Euro. Noch in Oktober will sich Bankern zufolge auch die Online-Anzeigenbörse Scout24 auf den Weg an die Börse machen.

Einen Tag vor Rocket Internet

Einen Tag nach Zalando feiert die Holdinggesellschaft Rocket Internet der Berliner Investoren-Brüdern Samwer ihr Börsendebüt. Der Börsengang wurde vorgezogen, eigentlich war die Erstnotierung in Frankfurt für den 9. Oktober geplant. Der Angebotszeitraum, der am Mittwoch begonnen hat, wird nun bereits am 1. Oktober um 13 Uhr beendet.

Das Unternehmen will an der Börse 1,6 Milliarden Euro einsammeln - das wäre der grösste IPO in Deutschland seit dem Börsedebüt des Motorenbauer Tognum im Jahr 2007. «Rocket möchte das Alibaba für die Welt ausserhalb der USA und Chinas werden», sagte Oliver Samwer letzte Woche im obersten Stockwerk eines Hotels in Frankfurt. Die Samwers sind auch an Zalando beteiligt.

(reuters/ise)