Viele Anleger, die beobachtend an der Seitenlinie zugewartet haben, dürften sich nach der gegenwärtigen Rally an den Aktienmärkten über verpasste Gewinne geärgert haben. Allein der Schweizer Blue Chip Index SMI hat seit dem Tiefstpunkt am 9. März ein Plus von über 25% erzielt.

Wer jedoch versäumten Erträgen nachtrauert, sollte auch nicht vergessen, dass der SMI seit Jahresbeginn, trotz der starken Erholung der vergangenen Wochen, nach wie vor um mehr als 3% im Minus liegt. Und im Vergleich zum Vorjahr notiert die Benchmark um fast ein Drittel tiefer.

Einstiegszeitpunkt verpasst?

Dennoch stellt sich für manchen Investor die Frage, ob der günstige Einstiegszeitpunkt im März nicht hätte frühzeitig erkannt werden können. Und noch viel wichtiger, ob die Zeit für einen Wiedereinstieg in Aktien inzwischen verpasst wurde und die Aufwärtsfahrt an den Märkten mit der aktuellen Seitwärtsbewegung bereits ein Ende gefunden hat.

Die künftigen Marktbewegungen vorwegzunehmen und mit vermehrten Kauf- und Verkaufsaufträgen eine Überperformance gegenüber konstant investierenden Anlegern zu erzielen, erscheint für viele private Investoren ein sehr riskantes und zumeist wenig erfolgreiches Unterfangen. Im Rückblick auf den März lassen sich aber mehrere Indikatoren ausmachen, die schon damals zumindest auf eine Bärenmarkt-Rally hindeuteten.

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«Neben den stark überverkauften Aktienmärkten hat im März vor allem das Sentiment als Kontraindikator gut funktioniert», erklärt Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank. Oder wie es Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer (CIO) der Bank Sarasin, bildlich darstellt: «Der Pessimismus war damals sehr hoch. Und wenn die Nacht am dunkelsten, ist der Morgen am nächsten.» Für den Aufbau einer Aktienposition hätten aber auch einzelne vorauslaufende Indikatoren gesprochen, die nach dem freien Fall der Vormonate, ihre Fallgeschwindigkeit reduziert haben. «Schliesslich haben die geldpolitischen Massnahmen der Zentralbanken mit ihren grossen Liquiditätsspritzen und den Nullzinsen ihre Wirkung nicht verfehlt», ergänzt Varnholt.

Stimmung ist gekippt

Seit den schwarzen Tagen im März hat sich die Laune an den Aktienmärkten in kurzer Zeit grundlegend verändert. Dies zeigt auch die Abschwächung im Volatilitätsindex VSMI, welcher aufzeigt, wie entspannt die Aktionäre an den Märkten investieren. Nun herrscht wieder Aufbruchstimmung, die herben Verluste der vergangenen Monate scheinen bei einzelnen Investoren bereits in weite Ferne gerückt.

Dies, obwohl die Konjunkturindikatoren nach wie vor nach unten zeigen. «Man muss in diesem Fall zwischen dem Finanzmarkt und der realen Konjunktur unterscheiden», erklärt Rolf Biland, CIO beim VZ Vermögenszentrum. Doch nicht nur das psychologische Momentum habe gedreht. Handfeste Argumente wie die über Erwartung gut ausgefallenen 1.-Quartals-Zahlen der Finanzinstitute, der Stresstest bei den US-Banken oder der verlangsamte Rückgang des Case Shiller Index, der die US-Hauspreise misst, deuten auf eine Erholung hin. «Im September werden die USA die Rezession durchschritten haben», ist auch Joseph Quinlan, Chefstratege der Bank of America, überzeugt.

Angesichts der verzögerten Wirkung auf Europa dürfte die erhoffte Konjunkturerholung Anfang 2010 auch hierzulande spürbar sein.

Der Zeitpunkt für eine Rückkehr in die Aktienmärkte erscheint daher, trotz der deutlichen Erholung der vergangenen Wochen, weiterhin günstig. «Bisher hat man nur das Beta, sprich die Schwankung, eingekauft, während jetzt wieder die fundamentalen Daten im Vordergrund stehen», sagt Varnholt.

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Die Bewertungen der Aktien seien dabei nach wie vor tief. «Der Zeitpunkt, um wieder Risikopositionen aufzubauen, ist nach wie vor gut», stimmt Biland zu. Beim Auf- oder Ausbau der Aktienpositionen wird allerdings empfohlen, die In vestitionen über einen bestimmten Zeithorizont gestaffelt vorzunehmen, um nicht den Tagesschwankungen ausgeliefert zu sein.

Weiteres Plus bis Jahresende

Wer jetzt in Aktien investiert, kann jedoch keine ähnlich positive Entwicklung wie in den letzten Wochen erwarten. Bereits wird das Ende der Bärenmarkt-Rally angekündigt. Dennoch, bis Jahresende erwarten die Investmentspezialisten noch ein weiteres Plus von bis zu 10% am Schweizer Aktienmarkt. «Bis Ende 2009 könnte das Erholungspotenzial gar bei 15% liegen. Angesichts der sehr hohen Tagesschwankungen ist die Prognose jedoch mit hohen Unsicherheiten behaftet», erklärt Biland.

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Wer den jüngsten Erholungstendenzen und den Einschätzungen der Investmentspezialisten noch nicht traut, sollte sich allerdings auf sein Gefühl verlassen und erst dann zukaufen, wenn die Anlagen einen ruhigen Schlaf zulassen. «Für Personen mit einer höheren Risikoaversion kommen ansonsten auch Wandelanleihen in Frage», erklärt Zeuner.