Bereits sorgt der Noch-Denner-Chef Philippe Gaydoul für neue Schlagzeilen. «Navyboot passt perfekt in unser Beteiligungsportefeuille», verkündete er am 10. Juli – erst zwei Monate nach Gründung der Gaydoul Group. Sein jüngster Coup ist die Übernahme des «einzigen vollständig vertikal ausgerichteten Schweizer Lifestyle-Anbieters». Erklärtes Ziel der Akquisition sei die Internationalisierung von Navyboot im nahen Ausland.

Chemie und Zahlen stimmen

Kein Wunder, spricht der 36-jährige Gaydoul nach seinen «Lieblingsaktien» gefragt von «eher nicht kotierten Aktien von familiengeführten Unternehmen mit starker emotionaler Marke, Internationalisierungspotenzial und einem attraktiven Geschäftsmodell». In dieses Raster passt Navyboot schliesslich perfekt. Im Radar von Gaydoul Group sind Firmen mit einem Umsatz von über 50 Mio Fr. und einem Wert von über 20 Mio Fr. Branchenmässig interessieren ihn Mode, Sport/Freizeit, Accessoires und Schönheit/Wellness.

Darüber, dass neben den Zahlen auch die Chemie zwischen dem Navyboot-CEO Bruno Bencivenga und Gaydoul stimmte, liessen die beiden Patrons keinen Zweifel. «Ich habe in Übernahmeverhandlungen noch nie so viel Menschlichkeit verspürt und noch nie so viel gelacht», verkündete der Denner-Mann mit der bekannten Gel-Frisur. Auch Bencivenga, dem der Entscheid zum Verkauf seines während 15 Jahren aufgebauten Familienunternehmens mit mittlerweile 300 Mitarbeitern nicht leicht gefallen sein dürfte, spricht von einem «Bauchgefühl, das mit Gaydoul stimmte». Wie an der Pressekonferenz versichert wurde, wird Bencivenga «bestimmt bis Ende 2009» CEO von Navyboot bleiben.

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Bauchgefühl hin oder her: «Ein Investor darf nie das Ziel seines Investments aus den Augen verlieren», so das Credo von Gaydouls Investmentphilosophie. Gewählt werde jener Anlagestil, «welcher nach unserer Meinung zu jedem bestimmten Zeitpunkt der effektivste ist». Dabei könne man sich sowohl auf die Einzeltitelselektion, aber auch auf Makro-Analysen konzentrieren. Sein Anlagestil lässt sich damit am besten als die Kombination passiver (Core) und aktiver (Satellite) Anlagestile beschreiben. Unter der Core-Satellite-Strategie versteht man die Aufteilung eines Portefeuilles in eine breit diversifizierte Kerninvestition (Core) und mehrere Einzelinvestments (Satellite). Die Kerninvestition verwaltet mit indexnahen Anlageinstrumenten den Hauptteil des Vermögens und erwirtschaftet eine Grundrendite. Mit den Satelliten-Einzelinvestments soll durch eine aktive Bewirtschaftung eine überdurchschnittliche Rendite (und ein höheres Risiko) erzielt werden.

Gaydouls Karriere begann, als Grossvater Karl Schweri ihm vor acht Jahren die Leitung von Denner übertrug. Philippe Gaydoul räumte in den Denner-Filialen auf, machte Schluss mit dem Schmuddel-Image, übernahm den Konkurrenten Pick Pay und belehrte sämtliche Skeptiker, welche dem Zögling des Grosspapas weniger zutrauten, eines Besseren.

Bisher hat Gaydoul ein gutes Gespür fürs Geschäft bewiesen. Im Januar 2007 wurde die Öffentlichkeit darüber informiert, dass er 70% der Aktien von Denner an Migros verkaufte. Die restlichen 30% werden dem Gross-Detaillisten bis Ende 2009 – so lange wird Gaydoul noch Denner-CEO sein – veräussert. Der Kaufpreis, den Migros bezahlte, soll dem Vernehmen nach stattlich gewesen sein. Ein gutes Jahr nach dem Verkauf gründete Gaydoul nun mit seiner Mutter die Gaydoul Group. Diese will im Rahmen von insgesamt rund 250 Mio Fr. investieren. Wie viel davon nach der Navyboot-Übernahme übrig ist, bleibt offen: Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Doch die Gaydoul Group hat die Akquisition vollumfänglich aus eigenen Mitteln finanziert: «Drittfinanzierungen brauchen wir nicht», so Gaydoul.

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Ende 2008 Aktienboom möglich

Was erwartet der Mann mit dem sicheren Händchen fürs Business vom Aktienmarkt in einem so turbulenten Jahr wie diesem? Gaydoul hält sogar einen Boom bei den Aktien auf Ende 2008 für möglich. Mit den Korrekturen der übertriebenen Rohstoffpreise werde der Inflationsdruck abnehmen, so die Erklärung. «Dies würde die Inflationsaussichten zwischen Sommer 2008 und Frühling 2009 erheblich verbessern und eine Aktienmarkt-Hausse auf Ende 2008 zulassen», schreibt er.

Geht man von dem Szenario mit tieferen Ölpreisen und niedrigeren Inflationsraten aus, dürften auch die Schweizer Aktien gewinnen. In erster Linie natürlich die Chemieunternehmen (Ciba, Clariant, Holcim). Die Energiekosten machen bei ihnen einen grossen Teil der Produktionskosten aus. Auch Autozulieferer (Georg Fischer und Rieter) wären Gewinner eines Ölpreisrückgangs.

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Richtig spannend dürfte für Gaydoul langfristig aber eine andere Branche sein: «Grundsätzlich sind tiefere Ölpreise positiv für den gesamten Konsumsektor», erklärt Markus Bächtold, CFA bei Clariden Leu. Davon profitiert etwa das Geschäft mit den Ferien (Kuoni), aber auch der Detailhandel (Charles Vögele).