Der Entscheid lag in der Luft und überraschte doch so manchen Experten. Unvermittelt gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag bekannt, negative Leitzinsen einführen zu wollen – ein Tabubruch. Über einem Freibetrag werden Giroguthaben bei der SNB ab dem 22. Januar mit einem Zins von minus 0,25 Prozent belastet. Parallel senkte die Notenbank den sogenannten 3-Monats-Libor, einen Referenzzins für die Geschäfte von Banken untereinander, auf ebenfalls minus 0,25 Prozent.

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Für die Zinsen in der Schweiz heisst das, dass sie auf absehbare Zeit äusserst niedrig bleiben werden. Das sind schlechte Nachrichten für Sparer, womöglich gute für Schuldner. Schon heute werden gewöhnliche Sparkonten so gut wie nicht mehr verzinst. Ob die Geschäftsbanken die negativen Zinsen an die Endkunden weiterreichen werden, bleibt abzuwarten.

Sparer verlieren, Schuldner gewinnen

UBS, Credit Suisse und die anderen Geschäftsbanken dürften aus Reputationsgründen nicht auf die formale Einführung von negativen Zinsen setzen wollen. Im Kundenwettbewerb wirken Strafzinsen abschreckend. Doch sollte die SNB-Massnahme mit steigenden Giroguthaben schmerzen, werden die Schweizer Kreditinstitute reagieren. Das teilten sie bereits mit.

So will etwa die Zürcher Kantonalbank (ZKB) neue Gelder von grossen Investoren womöglich zurückweisen «oder mit Konditionenanpassungen auf Einzelgeschäften reagieren». Die betroffenen Schweizer Banken könnten auch versuchen, über höhere Gebühren und Spesen die Negativzinsen der SNB an ihre Kunden weiterzureichen. Die UBS etwa will evaluieren, «ob weitere Schritte wie Gebühren oder negative Zinsen abgebracht sind».

Zehnjährige Hypotheken auf Tiefstand

Für Kreditnehmer dürfte der SNB-Coup unterm Strich positive Folgen haben, selbst wenn Banken versuchen, die höheren Kosten auf Endkunden abzuwälzen. Denn der Entscheid wirkt auch auf den Schweizer Häusermarkt. Bereits in den vergangenen Tagen fielen die Hypothekarzinsen auf neue Rekordtiefs. Noch nie waren die Finanzierungskosten für Wohneigentum so günstig. Wer aktuell eine Festhypothek über zehn Jahre aufnehmen will, zahlt dafür im Schnitt gerade einmal 1,8 Prozent, heisst es etwa beim Schweizer Finanzberatungsunternehmen Moneypark.

Wie sich die Schweizer Zinsen 2015 bewegen, hängt wegen der SNB-Wechselkursgrenze zum Euro stark von der Zinsentwicklung in der Euro-Zone ab. Da die Geldpolitik der Europäische Zentralbank aber 2015 noch expansiver werden wird, bleibt die Schweizer Zinskurve noch lange flach, sagt Christoph Schenk, Investmentchef bei der ZKB.

Dollar und Franken könnten schon bald Parität erreichen

Entsprechend rechnen die meisten Experten damit, dass der Franken trotz der neuen negativen Zinsen gegenüber dem Euro in den kommenden Monaten nicht merklich an Stärke einbüssen dürfte. Da in den USA die Zinsen hingegen schon bald wieder steigen, dürfte der Franken gegenüber dem Dollar weiter verlieren. So rechnen einige Beobachter damit, dass zwischen diesen beiden Währungen schon Anfang 2015 Parität herrschen könnte.

Das war der fünfte und letzte Teil der Serie «Ausblick 2015» von handelszeitung.ch.