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Spekulanten
Zocker wetten auf einen Ölpreis von 15 Dollar

Wie geht es weiter mit dem Massaker bei den Preisen für das schwarze Gold? Put-Optionen gelten als Gradmesser für den Markt – und sie deuten klar auf einen weiteren Sturz hin.

Veröffentlicht am 28.12.2015

Das Ölkartell Opec hatte nach seiner letzten Sitzung in Wien praktisch auf Förderobergrenzen verzichtet. Der Iran wird nach der Aufhebung von Sanktionen wohl mit eigenen Exporten an den Weltmarkt zurückkehren, und andere Länder, darunter etwa Russland, werden ihre Produktion kaum zurückfahren, was die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Überversorgung des Weltmarktes für Rohöl erhöht. In der Summe verspricht das wenig Gutes für die Preisentwicklung, das schwarze Gold dürfte weiter billig bleiben.

Der düstere Ausblick hat einige Investoren dazu veranlasst, bestimmte Put-Optionen zu kaufen. Diese geben ihnen das Recht, Öl zu vorab festgelegten Preisen und Terminen zu verkaufen – bei einer Ausübung bei 30 Dollar, 25 Dollar, 20 Dollar und sogar 15 Dollar je Fass, wie Daten der New York Mercantile Exchange und der U.S. Depository Trust & Clearing Corp. zeigen.

Relativ hohe Put-Volumen

Laut der Daten hatten Investoren zuletzt zunehmend Put-Optionen gekauft, die zur Auszahlung kommen, falls der WTI-Preis im kommenden Jahr auf 20 bis 30 Dollar je Barrel fällt. Die Anzahl der ausstehenden Kontrakte unterhalb von 30 Dollar je Fass ist relativ gering. Dennoch hat sich das Volumen der ausstehenden Kontrakte für Put-Optionen zum Juni 2016 bei 25 Dollar je Barrel in der Woche vor Weihnachten nahezu verdoppelt. Investoren haben überdies Put-Optionen erworben, die zur Auszahlung kommen, wenn WTI bis Dezember nächsten Jahres unter 15 Dollar je Barrel einbrechen sollte. Das Volumen von Wetten auf diesem Niveau ist allerdings winzig – es geht dabei nur um etwa 640’000 Barrel.

Ausserdem kaufen Investoren die Put-Optionen nicht nur, um auf einen weiteren Preisverfall bei Rohöl zu setzen. Einige entscheiden sich auch für solche Kontrakte als eine Art Versicherung. So erwerben etwa Investoren, die auf steigende Aktienkurse bei Ölkonzernen wie Exxon Mobil und Royal Dutch Shell setzen, derartige Put-Optionen, um selbst dann zu profitieren, wenn die Ölpreise zurückgehen und damit die Aktienkurse unter Druck geraten.

Gradmesser für Preisentwicklung

Die Put-Daten, die lediglich Options-Kontrakte widerspiegeln, die über die US-Börse getätigt oder gecleared wurden, gelten als Gradmesser für den Gesamtmarkt. Das Volumen war in der Weihnachtswoche angestiegen. Investoren haben auch die Möglichkeit, die Options-Kontrakte bilateral ausserhalb der Börse zu kaufen.

Dass sich die Put-Optionen auf tiefere Preise erhöhen, ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass zumindest einige Investoren von einem noch stärkeren Einbruch bei den Preisen für den fossilen Energieträger ausgehen.Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wurde am Montag bei 37,45 Dollar je Fass gehandelt. Am Montag vor Weihnachten hatte der Preis zeitweise unterhalb von 34 Dollar je Barrel gelegen, bevor er sich wieder etwas erholte.

(bloomberg/ise/mbü)

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