Spekulationen können auch schiefgehen. Das erfuhren Anleger, die Unternehmensanleihen von Escada gekauft hatten. Der Modehersteller geriet in Schieflage und wollte sich retten, indem er den Gläubigern einen Verzicht auf 60% der Forderungen abzuhandeln versuchte. Doch diese lehnten ab und das Unternehmen wurde insolvent. Heute sind die Escada-Anleihen keine 20% des ursprünglichen Einsatzes mehr wert.

Dennoch schätzen die Investoren die Risiken bei Anleihen inzwischen wieder als sehr gering ein und geben sich mit Minizinsen wie im Jahr 2006 zufrieden. Zur Erinnerung: Damals war die Weltwirtschaft in einem globalen Aufschwung, Unternehmenspleiten kaum vorstellbar.

Wer vor einem Jahr Unternehmensanleihen kaufte, konnte damit enorme Gewinne einfahren. Die Anlageklasse erfuhr eine ganz neue Beliebtheit. Viele Privatanleger kauften erstmals Papiere oder investierten in entsprechende Fonds. Doch: «Das Filet ist weg», so Asoka Wöhrmann, Anleihenchef der Fondsgesellschaft DWS. Dennoch glaubt er, dass noch «Fleisch am Knochen» sei, dass also noch weitere Renditerückgänge bei einzelnen Firmen möglich seien und Anleger damit Kursgewinne erzielen könnten.

Unterbewertete Titel finden

Allerdings muss man nach solchen Firmen inzwischen suchen. Christoph Schmidt, Fondsmanager für Unternehmensanleihen bei Pioneer, sieht noch Chancen bei einzelnen Firmen aus Spanien oder Portugal. Diese seien aufgrund der Turbulenzen um die Staatsanleihen der Staaten ungerechtfertigterweise abgestraft worden. Andere Experten empfehlen derzeit High-Yield-Anleihen, also Anleihen von Firmen mit einer Rating-Note schlechter als BBB, die relativ hohe Zinsen zahlen müssen. Diese Firmen könnten besonders stark von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren, indem sie ihr Rating deutlich verbessern.

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Aber bei derartigen Investments sind eben auch die Risiken entsprechend hoch. Das Risiko einer Firmenpleite ist eben nicht null denn die grösste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ist noch nicht abgehakt.

Was soll aber der Anleger tun, der schon Unternehmensanleihen hält? Traditionell waren sie ein Anlagevehikel für institutionelle Investoren. Dies hat sich in den letzten zwölf Monaten grundlegend gewandelt. Als viele Firmen händeringend nach Geldgebern suchten, legten sie vermehrt auch Anleihen in einer kleineren Stückelung auf, die sich somit auch gezielt an Privatanleger richteten. Wer damals zugriff, konnte Anleihen mit einer Laufzeit von fünf oder sechs Jahren und einem Zinscoupon von 7 oder 8% ergattern. Er erhält also nun für die kommenden Jahre eine jährliche Zinszahlung in dieser Höhe, was im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ein enormer Vorteil ist.

Zur richtigen Zeit abstossen

Dennoch könnte es derzeit attraktiv sein, sich von diesen Papieren zu trennen. Inzwischen sind die Kurse der Anleihen deutlich gestiegen. Denn wer sie jetzt verkauft, bekommt oft 115 oder 120% seiner einstigen Anlagesumme zurück. So viel sind anderen Anlegern die hohen Zinscoupons wert. Mit einem Verkauf erhält der Anleger also sein Geld zurück und gleichzeitig ein Plus, das den Zinsen für zwei oder drei Jahre entspricht.

Sollten die Zinsen am Kapitalmarkt in den kommenden Monaten wieder deutlich steigen, so wäre jetzt eine günstige Gelegenheit für einen Verkauf. Geht man dagegen von langfristig niedrigen Zinsen aus, sollte man die Papiere und damit den Anspruch auf die hohen Zinsen lieber behalten.