FINANZPLÄTZE. Der CEO der deutschen Börse, Reto Francioni, sieht in Zürich ein modernes Finanzzentrum mit langer Tradition, einen Standort mit einer äusserst innovativen Börse und eine Zentrale global agierender Banken. Die Limmatstadt nehme einen festen Platz unter den führenden Finanzplätzen dieser Welt ein, gab sich der Börsenchef kürzlich an der Messe für strukturierte Produkte überzeugt. Beruhigende Worte von jemandem, der es wissen muss. Dennoch hat Zürich international an Bedeutung verloren und wird nur noch als Nischenplayer wahrgenommen.

Im Global Financial Centres Index rangiert Zürich auf dem fünften Platz. Der im September von der City of London erhobene Index berücksichtigt Faktoren wie die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitnehmer, das regulatorische Umfeld oder den Zugang zu anderen Finanzmärkten. Auf dem ersten Rang befindet sich London, dicht gefolgt von New York und Hongkong. Überholt wird Zürich auch von Singapur. Gemessen an der Anzahl kotierter Unternehmen liegt Singapur mit Zürich zwar gleich auf. Der Stadtstaat lockt aber Firmen mit ekzellenten regulatorischen Rahmenbedingungen. So ist nicht weiter erstaunlich, dass Singapur bezüglich Markkapitalisierung der Börse im letzten Jahr ein Wachstum von 57,9% aufweist. Dasjenige der Schweiz beträgt lediglich 13,7%.

Top in der Offshore-Verwaltung

Zürich sei der stärkste Nischenplayer, seine Spezialität das Private Banking und das Asset Management, heisst es im Londoner Bericht. Tatsächlich ist die Schweiz mit einem Marktanteil von 31% bei der Offshore-Verwaltung von Privatvermögen unbestrittene Nummer eins. London und New York erreichen im Vergleich nur je 8%. Auch im Wealth Management liegt die Schweiz mit einem Anteil von 8,8% nach den USA und Grossbritannien noch auf dem dritten Platz. Ganz Unrecht hat Reto Francioni also nicht. Zürich beiheimatet neben den dicksten Sparbüchern auch zwei der grössten Vermögensverwalter der Welt die UBS und die Credit Suisse. Dennoch sind seit den 80er Jahren viele Geschäftsfelder abgewandert vor allem an die Square Mile der Londoner City. So etwa das Investment Banking, der Aktien- und Obligationenhandel und jüngst die Hedge- Fonds-Industrie. Schuld daran gibt die Schweizer Finanzgemeinde dem regulativen Umfeld und den hohen Steuern. Sie forderte deshalb kürzlich mit einem Masterplan marktgerechtere Rahmenbedingungen etwa Steuererleichterungen. Es sei stossend, dass an der Themse beiheimatete Hedge-Fonds-Manager beispielsweise nur mit 12 bis 15% besteuert werden, hierzulande aber mit 30 bis 50%. Mit der neuen Strategie soll sich Zürich wieder auf die dritte Position vorarbeiten und bis 2015 Hongkong und Singapur überholen.

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Chancen zur Profilierung

Allerdings besticht ein führender Finanzplatz nicht nur durch ein lockeres gesetzliches Umfeld und tiefe Steuern. Auch das Zusammenspiel und die Vernetzung der verschiedenen Akteure spielt eine Rolle. Gemäss der Londoner Erhebung muss zudem der Zugang und die Empfänglichkeit der Behörden gegeben sein. Ferner sind Infrastruktur und Unternehmensbesteuerung von Bedeutung. Und nicht unwichtig: Das Umfeld für die Mitarbeitenden; die Lebensqualität der Stadt, die Sprache, die Besteuerung der Privatpersonen oder die Anbindung an den Flugverkehr. So sind gemäss Studie die Spitzenplätze von London und New York vor allem auf die qualifizierten Menschen zurückzuführen. Und an denen fehlt es in der Schweiz bekanntlich.Dass die Schweiz ihre Vormachtstellung im Private Banking halten muss, darin sind sich viele einig. Um jedoch auf den dritten Platz zurückzufinden, reicht das wohl nicht. Experten sehen aber noch andere Profilierungsmöglichkeiten. Oft genannt werden der bereits jetzt starke Bereich der Fund of Funds. Susan Kish, CEO des Think Thanks, rät zudem, der Finanzplatz könne zur alten Stärke zurückfinden, wenn er sich bei anderen alternativen Anlagen einen Namen machen würde. Möglich wären da etwa die strukturierten Produkte besitzt Zürich doch in diesem Bereich seit kurzem eine eigene Finanzmesse.

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