Mit der Entspannung an den Kapitalmärkten, den verengten Kreditaufschlägen und den niedrigen Zinsen kommt das IPO-Karus- sell wieder in Schwung. Kabel Deutschland brachte am 22. März 2010 seinen IPO erfolgreich über die Bühne. Tom Tailor und Brenntag folgen in diesen Tagen. Und die Pipeline ist voll: In den letzten Tagen kündigten Firmen wie Amadeus, Betreiberin eines Passagierreservationssystems, Samsung Life aus Südkorea, der französische Healthcare-Konzern Medica sowie die indische Juwelierkette Shree Ganesh ihren Börsengang an. Dabei erweisen sich nicht alle Börsengänge als Perlen. Und oft ist es schwierig, neue Aktien der wirklich attraktiven IPOs zugeteilt zu bekommen, wenn die eigene Hausbank nicht im Emissionskonsortium vertreten ist. Aus den Gewinnen der ersten Handelsstunden speist sich die Attraktivität von IPO.

IPO-Index statt Einzelanlage

Einfacher als die Einzelanlage sind Investments über Tracker-Produkte auf IPO-Indizes. Der erste und bekannteste Index ist der von S-Box berechnete IPO-Index für deutsche IPO. Einschlusskriterien sind hier ein Börsenwert von mehr als 250 Mio Euro sowie ein Free Float von mindestens 100 Mio Euro. Damit fallen automatisch viele sehr kleine IPO-Kandidaten weg. Die Komponenten des S-Box-Index werden ständig ausgetauscht. Gegenwärtig weist SMA Solar mit 22% das grösste Gewicht auf, gefolgt vom Aromenhersteller Symrise und dem Solarzellenhersteller Centrothem Photovoltaics. Der in Deutschland kotierte Indextracker DB0LKK zeichnet diesen IPO-Index nach.

Auf Einjahresbasis erweisen sich Index und der Tracker als erfolgreich: Seit März 2009 haben sich die Preise praktisch verdoppelt und damit den Gesamtmarkt - gemessen am EuroStoxx-50 - deutlich geschlagen. Allerdings holt der S-Box-IPO-Index jetzt noch seinen Rückstand auf, der durch den scharfen Einbruch zwischen Oktober 2008 und Frühjahr 2009 entstanden ist. Für in Franken rechnende Anleger bestehen hier zudem Währungsrisiken.

Anzeige

Auch Tracker auf Schweizer IPO

Diesem Währungsrisiko gehen Anleger aus dem Weg, die beispielsweise in den auf schweizerische IPO beschränkten Tracker IPOCH investieren. Die Parallele zum ganz anders zusammengesetzten S-Box-Index ist augenfällig: Auch hier performt der Index in Aufschwungphasen viel besser als der Gesamtmarkt, aber auch hier war der Einbruch im Zuge der Finanzkrise deutlich schärfer als beim SMI.

Timing entscheidend

Für Anleger, denen die mitteleuropäische IPO-Perspektive etwas zu wenig breit ist, gibt es noch je einen auf China sowie die Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) ausgerichteten Index mit entsprechendem Tracker. Beide werden in Dollar berechnet, womit historische Vergleiche durch Währungsschwankungen beeinflusst werden. Beide laufen verblüffend parallel durch die Finanzkrise. Dreieinviertel Jahre nach der Lancierung beträgt die Differenz gut 10%, wobei der China-IPO-Index den der Bric-Staaten (und auch den SMI) geschlagen hat. Auf Einjahressicht ist der Vorsprung der beiden IPO-Indextracker gegenüber dem für Frankenanleger wichtigen SMI nur noch einige Prozentpunkte.

Für Anleger ist damit vergleichsweise unwichtig, in welche IPO-Produkte sie investieren, weil die globalen Rahmenbedingungen (Zinsniveaus, Liquidität, Finanzkrise) für alle gleich sind. Wichtiger sind das Timing: IPO-Produkte sind im Aufschwung überdurchschnittlich attraktiv, sie fallen aber im Abschwung auch stärker als ihre Vergleichsmärkte.