Die Schweizer Anleger zeigten sich von der Erhöhung des US-Diskontsatzes wenig beeindruckt. Zwar verzeichneten die Valoren nach der Ankündigung noch Abgaben. Doch erreichte der Swiss Market Index (SMI) noch am selben Tag bei 6721 Punkten einen neuen Jahreshöchststand.

Der Diskontsatz ist jener Zins, zu welchem sich die Banken bei der Notenbank refinanzieren können. Mit der Erhöhung soll erreicht werden, dass sich die Banken wieder verstärkt untereinander mit Liquidität eindecken. Die US-Notenbank Fed versucht so, die Normalisierung am amerikanischen Geldmarkt einzuleiten - ähnlich dem Auslaufen der verschiedenen Konjunkturstützungsmassnahmen.

Kein Ende der Tiefzinspolitik

«Die Diskontsatzerhöhung der US-Notenbank bedeutet nicht das Ende der Tiefzinspolitik», sagt jedoch Thomas Lusetti, Leiter Aktien Asset Management bei der VP Bank. Auch die meisten Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Leitzinsanhebungen noch bis zum Herbst oder sogar bis ins nächste Jahr auf sich warten lassen werden ? und das Umfeld für Aktien folglich günstig bleibt.

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Der höhere Diskontsatz könnte dabei sogar noch eine unterstützende Wirkung auf die Kurse haben, da er den Dollar gegenüber anderen Währungen festigt. «Das wird bestimmt noch in den nächsten drei bis vier Wochen einen positiven Effekt auf Firmen mit hoher Dollar-Exposure ausüben - also mit Kunden in den USA oder in Asien», so Lusetti. Dazu zählen etwa ABB, Swatch oder Nestlé. Diese litten bisher unter dem schwachen «Greenback».

Im Januar hat sich der SMI nach der Rally im Vorjahr noch seitwärts bewegt. Seither zeigen die Kurse wieder aufwärts. Anleger fragen sich, ob der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen sei. «Wir sehen die Korrektur als Kaufgelegenheit und empfehlen Aktien zu übergewichten», sagt Reto Hess, Analyst bei der Credit Suisse (CS). Er geht davon aus, dass sich die Erholung der Wirtschaft weiter fortsetzt. Auch die Unternehmensergebnisse überraschten mehrheitlich positiv. Die Firmen haben Kostensenkungen und Sparmassnahmen erfolgreich implementiert. «Auch die Umsätze der Firmen sind vermehrt wieder über den Erwartungen ausgefallen», so der CS-Analyst. Damit scheint auch die Nachfrageseite zu genesen.

Jahreszahlen lassen hoffen

Als grösste Zugpferde der Weltwirtschaft erweisen sich nach wie vor die Schwellenländer. Daher raten Experten immer noch dazu, Firmen mit starkem Engagement in den Schwellenländern überzugewichten (siehe «Geldfrage»).

Lusetti von der VP Bank erwartet auch über die Schwellenländer hinaus freundliche Aktienmärkte. Zwar dürfte die Unsicherheit wegen der Verschuldungssituation in Europa immer wieder etwas dämpfend wirken. «Aber die Jahresabschlüsse sorgen für eine gewisse Zuversicht, dass die Auswirkungen der Krise allmählich verdaut sind», denkt Lusetti.

Obwohl die Börsen im letzten Jahr stark angezogen haben, sind die Bewertungen noch relativ günstig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die Gewinne von 2010 liegt noch unter dem langjährigen Mittel. Ein weiterer Pluspunkt: Die höheren Dividendenrenditen machen Aktien im Vergleich zu Obligationen attraktiv.

Wo sich ein Kauf lohnen und welche Titel steigen dürften

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Der CS-Analyst Reto Hess empfiehlt, im Moment zyklische Aktien zu bevorzugen - in Erholungsphasen performen diese erfahrungsgemäss besser. «Wir haben die Zinszyklen in der Schweiz untersucht und festgestellt, dass zyklische Aktien in dieser Phase besser laufen», erklärt Hess. Attraktiv seien im Moment etwa Richemont, Georg Fischer oder Dufry.

Mit Blick auf die Bewertungen bietet sich insbesondere der Versicherungssektor an. «Das Potenzial ist hier noch nicht ausgeschöpft und die Dividendenrenditen sind hoch», sagt Thomas Lusetti von der VP Bank. Attraktiv bewertet ist etwa Swiss Life und bei Swiss Re sind Turnaround-Fantasien drin. Auch Zurich Financial Services und Bâloise empfehlen die Experten. Im Hinblick auf das Dollar-Exposure bietet ABB weitere Chancen. Der Konzern hat gute Zahlen vorgelegt und eine starke Stellung in Asien. Auch Holcim wird derzeit unter dem Wert gehandelt -zumal die Firma 50% des Umsatzes in Schwellenländern erwirtschaftet.

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Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf Nestlé: Der Titel bietet eine grosszügige Dividende und ein stattliches Aktienrückkaufprogramm. (maj)