Die Telecomnetzausrüster sind vom Finanzsturm eingeholt worden. «Wenn man in einem Hochseesegelrennen gewinnen will, muss man sich in die Nähe von Stürmen begeben», sagte Ericsson-CEO Carl-Henrik Svanberg Anfang Mai am Analystentag seines Unternehmens in Boston, «denn nur dort ist der Wind so stark, dass man sehr schnell vorankommt.» Und mit Nortel, das bereits unter Chapter 11 arbeitet und weit unter den Erwartungen liegende Umsatz- sowie weit über den Prognosen stehende Verlustzahlen ausgewiesen hat, droht bereits ein grosser Ausrüster zu kentern. Alcatel-Lucent verfehlte ebenfalls die Erwartungen und Nokia-Siemens-Networks kämpft ebenfalls.

Entspannter ist die Situation in der Schweiz - auch wenn sich hier die ersten Bremsspuren der Finanzkrise ebenfalls bemerkbar machen. «In der Schweiz spüren wir ein verhaltenes Investitionsverhalten bei den Netzbetreibern», sagt Stefan Koetz, Chef von Ericsson in der Schweiz, «und wir sind davon als klare Nummer eins im Mobilfunk stärker betroffen als andere. Andererseits haben wir langfristige Aufträge - gerade im mobilen Breitband -, die eine Grundauslastung unseres Geschäftes gewährleisten. Der Ausbau geht dort unverändert voran, und wir spüren keine Investitionszurückhaltung», sagt Koetz.

Ruf nach höheren Bandbreiten

«Der Ruf nach ständig höheren Bandbreiten einerseits und nach standardisierten, weil unterhalts- und investitionsgünstigeren Telecom-Plattformen andererseits, prägten diese Dekade», sagt Franz Stampfli, CEO von Alcatel-Lucent in der Schweiz. Alcatel-Lucent ist der wichtigste Anbieter von DSL-Lösungen und profitiert auch vom Wettbewerb der neuen Netzbetreiber untereinander. Das Investitionsvolumen liegt laut Stampfli im einstelligen Milliardenbereich, wobei der Löwenanteil durch Bau- und baunahe Arbeiten absorbiert wird.

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Leichtes Wachstum bei Cisco

Bei Cisco, dem mit Abstand grössten Hersteller von Datennetzausrüstungen, läuft das Geschäft gut. «Das ist im derzeit angespannten Wirtschaftsumfeld ein grosser Erfolg», sagt Eric Waltert, General Manager von Cisco in der Schweiz. Als Hauptgrund bezeichnet Waltert das ausgewogene Geschäftsmodell. «Unsere Kundenbasis reicht von Privathaushalten über die klassischen KMU bis hin zu Grosskunden und Service-Providern. Wir sind damit nicht alleine von der Finanzindustrie und vom Exportsektor abhängig.» Cisco stellt mit den Switches und Routern die zentralen Netzwerkcomputer her, ohne die der Datenverkehr gar nicht funktionieren würde. «Wir sind darüber hinaus in profitablen Wachstumsfeldern wie Unified Communications, der Virtualisierung im Datacenter sowie in der Videokommunikation tätig. Dies sind alles Lösungen, die die Unternehmen in der momentanen Wirtschaftslage dabei unterstützen, Kosten zu sparen und produktiver zu arbeiten, beispielweise, indem sie vermehrt Web-Conferencing und TelePresence nutzen und so Reisekosten für Meetings vor Ort sparen, oder indem sie Ressourcen im Datacenter durch Virtualisierung besser nutzen und durch energieeffiziente Geräte Strom sparen» sagt Waltert.

Trend hält weltweit an

Die Situation bei den grossen Ausrüstern in der Schweiz widerspiegelt auch einen weltweiten Trend. Laut Ericsson-CEO Svanberg befindet sich der Telecom-Markt nicht in der gleichen Situation wie beim letzten Abschwung zwischen 2001 und 2003. Damals brach der Markt ein, weil sich viele Netzbetreiber mit ihren milliardenteuren 3G-Lizenzen überhoben hatten und klamm waren. Heute erwirtschaften die grossen Netzbetreiber vergleichsweise stabile freie Cashflows, und es besteht auch kein unüblich starker Preisdruck. Die Branche ist reif geworden, aber das hat in der gegenwärtigen Krise nur Vorteile.