MARTIN STROBEL. CEO Frank Schnewlin hat einen Rekordgewinn für 2007 in Aussicht gestellt. Ist die Bâloise noch auf Rekordkurs?

Martin Strobel:

Ja, es sieht sehr gut aus. Wenn der Rest des Jahres ordentlich verläuft, werden wir das Rekordergebnis von 707 Mio Fr. aus dem Jahr 2006 übertreffen.

Trotz der Subprime-Krise in den USA?

Strobel: Die spielt für uns keine Rolle.

Das haben die Banken ursprünglich auch gedacht.

Strobel: Wir sind ganz anders investiert. Wir haben allfällige Risiken überprüft und können deshalb mit Bestimmtheit sagen, dass wir von der Hypothekarkrise in den USA nicht direkt betroffen sind.

Befindet sich das Schweizer Geschäft der Bâloise auch auf Rekordfahrt?

Strobel: Wir sind bisher über dem Markt gewachsen und haben die Ertragskraft klar gesteigert.

Um wie viel Prozent?

Strobel: Im Nichtleben-Geschäft konnten wir rund 1% schneller wachsen als der Markt, im Leben-Geschäft liegen wir im Markt, die Ertragskraft konnten wir zum Halbjahr um über 50% steigern.

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Wird das Schweizer Geschäft dieses Jahr die 500-Mio-Fr.-Ebit-Grenze übertreffen?

Strobel: Zum Schweizer Geschäft machen wir keine Ertragsangaben. Zum Konzern kann ich aber sagen: Stimmen die Rahmenbedingungen weiterhin, dann werden wir Ende Jahr die Reingewinn-Rekordmarke von 707 Mio Fr. schlagen. Und das Schweizer Geschäft wird einen erheblichen Anteil dazu beitragen.

Kann man angesichts der stets lauernden Grosschadenser-eignisse auch in der Schweiz so optimistisch sein?

Strobel: Wir haben im 2. Halbjahr tatsächlich einige Hochwasser- und Hagelereignisse gehabt, die wir spüren. Ausserdem stellen wir fest, dass etwa alle zwei Jahre ein Grossereignis eintritt, das normalerweise alle 40 bis 60 Jahre stattfinden sollte. Gerade wegen dieser dämpfenden Effekte arbeiten wir so stark an unserer Profitabilität.

Sie sprechen damit die Combined Ratio an, also die Schaden-/Kostenquote.

Strobel: Ja, im 1. Halbjahr 2007 wiesen wir 88% aus, was eine der besten Combined Ratios im Schweizer Markt ist. Diese Zahl ist Ausdruck unserer Bemühungen im Zielkundenmanagement. Unsere Devise lautet, Ertrag geht vor Wachstum.

Aber die rekordverdächtigen 88% werden Sie kaum aufrechterhalten können?

Strobel: Bisher sieht unsere operative Ertragskraft sehr gut aus, aber die Hochwasserschäden fallen natürlich ins Gewicht. Ob wir 88% halten werden, kann ich noch nicht sagen, aber wir werden auch im 2. Halbjahr 2007 aller Voraussicht nach eine sehr gute Combined Ratio ausweisen.

Die Bâloise will im gesättigten Schweizer Markt wachsen, ihre Mitbewerber auch. Wie geht das?

Strobel: Wir sagen etwas anderes, denn rein mathematisch kann es in der Tat nicht aufgehen, wenn 99% der Marktteilnehmer überdurchschnittlich wachsen wollen.

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Was sagen Sie anderes?

Strobel: Wir wollen über dem Markt wachsen, indem wir in unseren Zielsegmenten überdurchschnittlich wachsen. Schwerpunkte setzen wir im Zielkunden-Management und mit unserer Baloise Bank SoBa. Wir investieren viel ins Broker-Geschäft, in den Aussendienst und die Mitarbeiterschulung. Und wir setzen Akzente im fondsgebundenen Leben-Geschäft.

Das tönt zwar gut. Doch der Verdrängungskampf wird primär über die Preise entschieden.

Strobel: Im Nichtleben-Geschäft tobt gegenwärtig ein Preiskampf. Der Konkurrenzkampf lohnt sich vor allem für die Kunden, weil zurzeit die Prämien sinken.

Wie stark?

Strobel: Die Prämien fürs Neugeschäft sinken je nach Produktkategorie um 5 bis 10%.

Wie lange wird das so bleiben?

Strobel: Das wird sich über die nächsten Jahre so hinziehen. Wichtig ist deshalb, dass wir als Versicherer einen Zusatznutzen generieren.

Inwiefern?

Strobel: Wir wollen die wirklichen Kundenbedürfnisse verstehen und bieten entsprechende Lösungen an, beispielsweise wie man sich gegen Hochwasser effektiver schützen kann. Oder wir richten uns mit Komplettlösungen an neu gegründete Familien: «So schützen Sie Ihre Familie.» Das löst Emotionen aus. Die Kunden wollen nicht eine Versicherung, sie wollen Sicherheit.

Mit Axa Winterthur ist ein grosser internationaler Player auf dem Schweizer Markt, der neue Spielregeln einführt.

Strobel: Axa Winterthur hat sich ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt. Das hat den Markt schon aufgewirbelt. Jeder Versicherer versucht, sich neu zu positionieren.

Das heisst, auch Sie müssen sich neu positionieren und mit den Prämien runter?

Strobel: Nicht nur. Unsere Kunden erwarten, dass wir uns preislich im Mittelfeld positionieren. Mindestens so wichtig ist für sie die Beziehung zur Bâloise und die Beratung. Wir nehmen den Marktauftritt von Axa Winterthur ernst. Angst flösst er uns aber nicht ein.

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Kann die Bâloise mittelfristig überleben?

Strobel: Ja, denn als mittelgrosser Player sind wir sehr agil und stark auf die Kunden fokussiert. Das ist unser Vorteil. Für die Grosskonzerne, die von einer Zentrale aus gesteuert werden, haben die lokalen Märkte weniger Bedeutung. Das ist unsere Chance.

Die Bâloise wird ihren Weg weiterhin allein beschreiten, ohne übernommen zu werden?

Strobel: Ja.

Punkto Innovation haben Grosskonzerne aber klar Vorteile?

Strobel: Ich glaube, dieser Effekt wird überschätzt. Mit unserer Luxemburger Tochter, die nicht sehr gross ist, haben wir beispielsweise gute Erfolge mit Innovationen im Bereich der fondsgebundenen Lebensversicherung. Meiner Meinung nach kommt es nicht darauf an, möglichst gross zu sein, sondern die richtigen Leute zusammenzubringen. Ich glaube nicht, dass der Grössere gewinnt, sondern jener, der die Kundenbedürfnisse erfasst und im Markt am schnellsten agiert.

Sehen Sie im Schweizer Geschäft überhaupt noch Wachstumschancen? Ist die Zitrone nicht einmal ausgepresst?

Strobel: Nein, überhaupt nicht. Mit unserem Zielkunden-Management wollen wir die besten Kunden mit unseren besten Produkten an uns binden. Wir sehen beträchtliches Wachstumspotenzial im Zielkundenbereich. Zudem wächst der Markt in der beruflichen und der privaten Vorsorge allein durch die demographische Entwicklung.

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