Die Anleger lassen sich ihre Kredite an die schwer verschuldeten Euroländer teuer bezahlen. So rentierten die zehnjährigen Anleihen Spaniens vor der letzten Krisensitzung der EU-Staaten mit 4,6%, jene von Griechenland mit 13,1%, die Anleihen Portugals mit 7% und jene Italiens mit 4,3%. Und obschon die Rendite von zehnjährigen Griechenland-Anleihen zum Wochenauftakt auf 6,5% zurückgefallen ist: Die Papiere bleiben hoch volatil und entsprechend riskant.

Verteidigung um jeden Preis

Trotzdem scheint ein Kauf ebendieser Werte aus Sicht eines Schweizer Investors eine Überlegung wert.

Zehnjährige Eidgenossen rentieren nur mit 1,68%, und am Geldmarkt ist nichts zu holen. Und für jene Anleger, die bereits Positionen in Titeln angeschlagener Staaten mit tiefem Rating haben, stellt sich ernsthaft die Frage, ob sie die Krise nicht aussitzen wollen eine Frage, die nach der Verabschiedung des Stabilitätspakets zugunsten des Euro noch aktueller ist.

Für das Aussitzen respektive den Kauf spricht folgende Argumentation: Der Euro ist ein politisches Projekt. Die Mitglieder der Euro-Zone werden alles daran setzen, die Lage zu stabilisieren. Zudem haben die Politiker und die Europäische Zentralbank EZB alles Interesse, dass die Staatsfinanzkrise nicht auf die Banken überschwappt. Dass die Europäer gewillt sind, Widerstand zu leisten, haben sie mit der Verabschiedung des Stabilisierungspakets bewiesen.

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Damit ist auch der Preis, den die EU zu bezahlen bereit ist, nach oben offen. Attraktive Renditen in Europa zu erschliessen respektive Positionen zu halten, scheinen somit vernünftige Optionen zu sein. Zudem lockt für Schweizer Anleger ein Aufwertungsgewinn des Frankens gegenüber dem Euro: Die Kombination der Kursgewinne von Währung und Anleihen kann attraktive Erträge abwerfen.

Das Szenario, dass die EU auch weiterhin alles für den Euro tut, ist sehr plausibel. Werden die Märkte für die Anleihen von Wackelkandidaten aber dereinst wieder fest, eröffnet das eine gute Ausstiegschance. Denn längerfristig gesehen bedeutet das Paket, dass die Haushaltrisiken innerhalb der Länder der Euro-Zone verschoben werden: Nämlich von den schwächeren auf die noch stärkeren Staaten.

Sind die angeschlagenen Mitglieder der Euro-Zone nicht in der Lage, ihre Defizite massiv zu verringern, nimmt der Druck auf die Staatsfinanzen der stärkeren Staaten zu. Das bedeutet, die Verzinsung deutscher und französischer Anleihen steigt. Das wirkt sich negativ auf die Obligationen der schwachen Staaten aus. Problematisch ist auch, dass die EZB einen weiteren Schritt Richtung Monetarisierung der Schulden europäischer Staaten gemacht hat. Die Regel, dass Staatsanleihen mit dem Status einer Schrottanleihe nicht repofähig sind, wurde von der EZB für Griechenland durchbrochen. Eine weitere Schwierigkeit taucht auf, wenn die Staaten massiv sparen. Zuerst wird die Konjunktur geschwächt. Der deflationäre Druck nimmt zu.

Da das Wirtschafts- und Finanzsystem auf Inflation ausgerichtet ist und somit schlecht mit Deflation umgehen kann, wäre die Gefahr eines Rückfalls in die Rezession gross. Nicht zuletzt, weil die Realzinsen steigen. Rezession und sinkende Preise erhöhen die reale Schuldenlast. Das würde auch Anleihen schwächerer Schuldner im Privatbereich unter Druck setzen.

Glaubwürdigkeit auf dem Spiel

Die Staaten wären mit sinkenden Steuereinnahmen konfrontiert. Die EZB kann zwar versuchen, mittels neuer Geldspritze, den deflationären Druck zu mindern. Aber ob das gelingt, ist fraglich. Immerhin ist der Umbau sozialer und wirtschaftlicher Systeme als Folge eines massiven Sparkurses der Staaten ein tiefgreifender struktureller Prozess. Stützt die EZB die Märkte für Staatsanleihen immer massiver, werden auch die Märkte misstrauisch. Und leidet die Glaubwürdigkeit der EZB, werden die Anleihenzinsen in Europa wieder anziehen.

Der Euro fällt, und wahrscheinlich käme es zu einem Kapitalabfluss aus der Währungszone. Das Spiel begänne somit wieder auf dem Feld eins.