Die Finanzkrise und die damit verbundenen Turbulenzen an den Aktienmärkten haben die weltweiten IPO-Aktivitäten stark gebremst. «Selbst in den Emerging Markets hat man eine rückläufige Tendenz der Börsengänge beobachtet», stellt Stephan Haagmans, M&A-Spezialist und Partner bei bei Ernst & Young, fest. In der Schweiz war die Zahl der Börsengänge bisher 2008 auf drei beschränkt, wobei einzig die Burkhalter Holding ein klassisches IPO mit Kapitalerhöhung gewagt hat. HBM Bioventures und Immomentum begnügten sich dagegen mit einem Listing.

Langfristiges Businessmodell

Ungeachtet der trüben Stimmung an den Aktienmärkten wagt Edisun Power den Gang an die SWX. Als erster Handelstag ist der 26. September vorgesehen, die Zeichnungsfrist für die 665560 neu geschaffenen Namenaktien mit einer Preisspanne zwischen 105 Fr. und 125 Fr. pro Titel läuft bis zum 24. September.

Die Gesellschaft mit Sitz in Zürich finanziert und betreibt Solarstromanlagen in der Schweiz und Europa. «Wir haben eine grosse Pipeline an neuen Projekten, welche wir in den nächsten Monaten realisieren möchten. Diese bedingen, dass wir eine ausreichende Finanzierung sicherstellen», erklärt Edisun-Power-CFO Mirjana Blume. Über das IPO sollen die benötigten 50 bis 75 Mio Fr. aufgenommen werden.

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Dass sich Edisun Power nicht durch die schlechte Börsenstimmung abschrecken lässt, hängt mit dem Geschäft der Firma zusammen. Einerseits ist die Gesellschaft im boomenden und eher antizyklischen Photovoltaikmarkt tätig, andererseits «ist das Businessmodell auf 20 bis 25 Jahre ausgelegt und wird deshalb von kurzfristigen Turbulenzen nur am Rande tangiert», so Blume.Bereits am 18. September erfolgt das Listing der 210000 Aktien der Marketing- und Beratungsfirma CBC Schweiz an der Berner Börse BX. «Das Datum ist nicht zufällig gewählt. Die Zahlen 18 und 9 stehen im Chinesischen vielmehr für ‹kommerziellen Erfolg›», erklärt CEO Charles Merkle.

Der Handelsplatz in der Bundeshauptstadt wurde aus regionalen Gesichtspunkten gewählt und weil dort die Kotierungsanforderungen geringer sind. «Wenn die Entwicklung nach unseren Vorstellungen verläuft, wir Übernahmen tätigen können und die Rahmenbedingungen positiv sind, dann können wir uns aber einen Wechsel an die SWX in rund zwei Jahren vorstellen», so Merkle.

CBC wurde vor 13 Jahren gegründet, um Firmen, die sich in Asien niederlassen wollen, zu beraten. Inzwischen kümmert sich das Unternehmen, welches mit Niederlassungen in Schanghai, Indien, Japan und Hongkong verteten ist, auch um asiatische Gesellschaften, die den entge-gengesetzten Weg gehen wollen. «Zu unseren Kunden gehört unter anderem HuaWei, der grösste Telekom-Anbieter Chinas», nennt Merkle ein Beispiel. Das Beratungsunternehmen erzielt einen konsolidierten Umsatz zwischen 4 und 6 Mio Fr. «Da unser Geschäftsausweis in Dollar erfolgt, ist das Ergebnis den Währungsschwankungen ausgesetzt», so Merkle.

Neben Edisun Power und CBC Schweiz scheint derzeit kein weiterer Kandidat mehr auf einen Börsengang zu warten. Die Pipeline ist ausgetrocknet. «Die Marktsituation ist nicht günstig für weitere Börsengänge in diesem Jahr», ist auch Haagmann von Ernst & Young überzeugt.

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IPO-Projekte eingefroren

Bisherige Interessenten wie die Telekom-Firma VTX oder das Biotech-Unternehmen Amvac winken jedenfalls ab. «Angesichts des wenig begeisternden Umfelds haben wir unsere IPO-Pläne auf nächstes Jahr verschoben in Erwartung einer besseren konjunkturellen Situation», sagt etwa VTX-Chef Francis Cobbi. Auf Eis gelegt hat auch Amvac seine IPO-Pläne. «Wir konzentrieren uns im Moment auf das operative Geschäft und bieten den Investoren im Rahmen eines Privat Placements die Beteiligung an der Amvac an», so Amvac-Sprecherin Ariane Meynert. Sollte sich die Lage am Kapitalmarkt nachhaltig verbessern, so wäre das Unternehmen aber bereit für die Börse.

Ähnlich sieht die Situation bei der Karl Steiner Holding und Mondobiotech aus. «Angesichts der schlechten Marktlage ist ein Börsengang für uns derzeit kein Thema», erläutert etwa Fabio Cavalli, CEO der Basler Biotech-Firma. Als möglichen Termin nennt er das 4. Quartal 2009, wenn auch die Management-Ressourcen für dieses Projekt wieder frei sein sollten.

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Espace Real Estate schliesslich hält ebenfalls an der Kotierungsfähigkeit fest, plant derzeit entgegen früheren Ankündigungen aber keinen Börsengang. Dabei soll weniger die aktuelle Marktsituation eine Rolle spielen, als vielmehr die Tatsache, dass die Handelbarkeit der Aktien in der jetzigen Form gewährleistet sei und das Unternehmen auch ohne Kotierung an die nötigen Mittel komme, um das Portfolio weiter auszubauen. Trotz nach wie vor hoher Preise sind Kaufobjekte vorhanden.