Es gibt eine ganze Reihe von Spezialsituationen an den Börsen, welche die Aktienkurse treiben: Zu den wichtigsten Ereignissen zählen Abspaltungen, Akquisitionen, Kapitalerhöhungen, Sektorkonsolidierungen, Besitzerwechsel, Aus- und Abbau von Beteiligungen, hängige Rechtsfälle oder wichtige Grosskundenbeziehungen.

Prominente internationale Beispiele für Spezialsituationen sind die abgesagte Übernahme von AIA durch die Versicherung Prudential sowie die drohenden Schadenersatzleistungen von BP und Transocean wegen der Ölpest im Golf von Mexiko. Transocean ist aber noch aus einem zweiten Grund Auslöser einer Spezialsituation: Am 18. Juni ersetzt das «eingebürgerte» Unternehmen, das in Zug gerade einmal eine Briefkastenadresse und in Genf einige Büros für das Top-Management unterhält, Swiss Life im SMI und wird dadurch Käufe bzw. Verkäufe bei Anlegern auslösen, welche den SMI nachbilden müssen.

Gefürchtete Verwässerung

Die Liste möglicher Kandidaten für Kapitalerhöhungen ist lang. Swiss Re, Swiss Life und Nobel Biocare zählen laut Analystenstimmen hierzu. Weitere prominente Kandidaten sind die Commerzbank, die (deutsche) Postbank, der Telecomausrüster Alcatel-Lucent sowie der britische IT-Dienstleister und Telecomkonzern BT Group. Kapitalerhöhungen gehen zum Zeitpunkt der Bekanntgabe typischerweise mit Kursverlusten einher, weil der Gewinn verwässert wird. Gemischt sind dagegen die Auswirkungen von Beteiligungserhöhungen bereits wichtiger Grossaktionäre. Positiv gewertet wird dabei jeweils das Vertrauen in das Zielunternehmen. Mögliche Konstellationen sind eine Erhöhung des Anteils von Nestlé an L‘Oréal, von Novartis an Intercell, von Kühne + Nagel an Hapag und von den Familieneignern an Adecco. Adecco könnte indes auch unter Druck kommen, wenn das Rating (BBB-) noch um eine Stufe auf «Junk»-Niveau abgesenkt würde. Umgekehrt könnte sich TUI von Hapag trennen. Solche Abtrennungen werden von den Börsen jeweils sehr individuell aufgrund der industriellen Logik und finanzieller Vorteile bewertet. Wenn die Swiss Re im nächsten Frühling Warren Buffet wieder los ist, nachdem dessen Wandelanleihe ausgelaufen ist, dürfte dies als gutes Zeichen bewertet werden. Offen sind die Folgen, wenn sich L‘Oréal von seinem Sanofi-Anteil trennt - bei einer Höherbewertung würden auch die Nestlé-Aktionäre indirekt profitieren. Zu den hängigen Rechtsfällen schliesslich zählen das Verfahren um die italienische Swisscom-Tochter Fastweb sowie die Sammelklage gegen Novartis in den USA. Möglicherweise werden auch noch Ex-Kunden der UBS oder Credit Suisse aufgrund des Steuerstreits mit den USA bzw. der gestohlenen Kundendaten in Deutschland diese Banken beklagen. Latente Verfahren drücken typischerweise die Aktienkurse. Wenn diese erledigt sind, kommt es dafür oft zu einer kurzfristigen «Erleichterungsrally».

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