Unter den 20 Titeln im Swiss Market Index (SMI) erzielte dieses Jahr einzig Actelion schwarze Zahlen: Immerhin 10,5% Rendite resultierten bisher. Ansonsten fällt das Fazit vernichtend aus: Durchschnittlich verloren die SMI-Aktien über einen Drittel an Wert. Auch am breiter gefassten Swiss Performance Index (SPI) sieht es düster aus: Der Index mit den 228 Valoren büsste ebenfalls rund 33% ein.

Den ersten SPI-Rang nimmt das Pharmaunternehmen Acino ein. Im September wurde die Schweizerhall in Acino umbenannt. Markante 46,3% gewann die Aktie im von der Finanzkrise geprägten Jahr 2008. Sowohl beim Gewinn wie beim Umsatz legte die Firma kräftig zu. Alle Analysten empfehlen den Titel zum Kauf. Mit fast 25% Plus hat das kleine Medizinaltechnikunternehmen Card Guard ebenfalls ansehnliche Renditen erzielt und rangiert so auf Platz zwei. Card Guard ist auf den Vertrieb und die Herstellung von Telemedizinsystemen fokussiert. Im November hat die Firma ihr Umsatzziel für 2008 bestätigt. Auch auf dem dritten Platz - mit einer 2008-Performance von 11,1% - findet sich ein Pharmaunternehmen. Actelion mit dem wichtigsten Medikament Tracleer, einen Blutdruckmittel, hat ein starkes 3.-Quartals-Ergebnis vorgelegt.

Der Pharmatrend hält weiter an

Das gute Abschneiden von Pharmawerten erstaunt wenig. Schliesslich war 2008 das Jahr der defensiven Aktien. «Der Pharmatrend dürfte noch weiter anhalten», so Christoph Riniker, Chief Strategist bei Julius Bär. Ebenfalls gut abgeschlossen haben dieses Jahr kleinere Finanzwerte wie Valiant und die Berner und die Zuger Kantonalbank. Die Titel profitierten offenbar von der Verunsicherung der Kunden und Aktionäre gegenüber den Grossbanken. Die Aktivitäten der Valiant-Gruppe sind auf den Schweizer Markt ausgerichtet, der wichtigste Ertragspfeiler ist das Zinsgeschäft.

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Trist sieht es jedoch am anderen Ende der Skala aus. Besonders die Small Caps mussten Federn lassen. «Im jetzigen Umfeld sind Small Caps eher weniger gefragt», erklärt Riniker. Auch das im Moment betriebene Window Dressing, bei welchem Fondsmanager gegen Jahresende ihre Depots versuchen aufzupolieren, bekommt den Werten schlecht. Ein Effekt dabei ist nämlich, dass sich jeweils bereits gute Titel noch besser entwickeln und schlechtere noch mehr an Boden verlieren. «Diese Tendenz ist dieses Jahr noch stärker als sonst», beobachtet Riniker. Das Schlusslicht mit einem Aktieneinbruch von 97% markiert Arpida. Das Biotechunternehmen hat jetzt reagiert: Es wird seine Belegschaft um drei Viertel verkleinern und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren - um damit die drohende Insolvenz abzuwenden. Ebenfalls stark eingebrochen ist der Disc-Hersteller 4M. Die Aktien sind gerade noch 10 Rp. wert. Auch der Hedge-Fonds Gottex mit Sitz in Lausanne kam dieses Jahr wie viele seiner Konkurrenten unter die Räder: Die Aktien haben 96% verloren. Der Stahlproduzent Schmolz + Bickenbach verlor 86%, das Unternehmen leidet als Zulieferer unter der sinkenden Nachfrage aus dem Automobilsektor. Ebenfalls 86% ist Valartis eingebrochen. Der Handel mit den Titeln ist extrem illiquide. Solange sich an den Finanzmärkten keine Erholung abzeichnet, dürfte man auch bei Valartis keinen Silberstreifen am Horizont erkennen.

Geberit überzeugt Analysten

Dieser dürfte noch etwas auf sich warten lassen. «Im 1. Halbjahr 2009 geht es volatil weiter, die Kurse bewegen sich tendenziell seitwärts», sagt Riniker. Dennoch: «Ende Jahr sehen wir leicht höhere Kurse», so der Analyst. Das Kursziel für den SMI sieht er per Ende 2009 bei 6300 Punkten (aktuell: 5436). Auch Sven Bucher, Leiter Aktienresearch bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ist für 2009 vorsichtig optimistisch. «Auf längere Sicht sehen wir Chancen, dass die aggressive Politik der Notenbanken zu einer Stabilisierung an den Kredit- und Aktienmärkten führen wird», so Bucher. Ende 2009 erwartet er den SPI bei etwa 5300 Punkten (aktuell: 4494).

Zumindest kurz- bis mittelfristig dürfte daher die bisherige Strategie mit defensiv ausgerichteten Unternehmen noch erfolgversprechend sein. Dazu zählen die «üblichen Verdächtigen» wie Roche, Novartis, Synthes und Nestlé. Die Bewertungen fallen jedoch - zumindest relativ betrachtet - bereits stolz aus. Auch Geberit gefällt vielen Analysten. «Das Unternehmen verfügt mit sehr soliden Bilanzrelationen über defensive Eigenschaften im zyklischen Baubereich», so Bucher.

«Im Verlauf des Jahres 2009 dürfte wieder eine Umschichtung zugunsten der zyklischen Werte erfolgen», erwartet Riniker. Dann könnten Unternehmen wie etwa ABB oder Holcim interessant werden. Auch bei den Small und Mid Caps sieht Bucher Chancen: Darunter die solid finanzierte Schulthess und die St. Galler Kantonalbank. Auch Aryzta (ehemals Hiestand) empfiehlt der ZKB-Analyst.