Kann Zypern einen Konkurs auch ohne Einigung noch vermeiden?
Martin Hüfner: Ich denke schon. Schon heute bedient sich der Inselstaat sogenannter ELA-Kredite, sprich Darlehen der zypriotischen Notenbank auf eigene Haftung mit Billigung der EZB. Eigentlich sind solche Kredite am Rande der Legalität. Doch damit kann sich Zypern in den nächsten Monaten über Wasser halten. Bis im Juni die nächste Anleihe fällig wird, sollte ein neues Rettungspaket verhandelt sein.

Die Ablehnung des Rettungspaketes war kaum überraschend. Sogar besonnene Stimmen haben von Raub gesprochen.
Der Ausdruck Raub geht mir zu weit. Bei der Ausarbeitung des Rettungspaketes bestand ein schwieriger Interessenkonflikt. Auf der einen Seite wollte man Zypern vor dem Bankrott retten. ­Anderseits musste die Rettung irgendwie finanziert werden. Dabei scheint es mir auch heute noch gerechtfertigt, dass eher Grossanleger und Steuerflüchtlinge aus der Region für die finanzielle Schieflage des Landes aufkommen als Steuerzahler aus Deutschland, Frankreich oder Italien.

So oder so hat die EU ein fatales Zeichen an die Investoren weltweit gesendet. ­Eigentum ist vor dem Staat nicht sicher.
Ich warne hier vor Dramatisierungen. Die Menschen und ihr Eigentum leben in einem Staat. Wenn es diesem schlecht geht, können sie nicht sagen, dass sie damit nichts zu tun haben wollen. Zudem sollte man bedenken, dass die Sparguthaben bei einer Bank keine absolute Sicherheit geniessen.

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Was geschieht, wenn die Banken in Zypern wieder öffnen?
Man muss Zypern genügend Bargeld zur Verfügung stellen, sodass die Leute ihre Guthaben bei den Banken abziehen können. Denn dies wir sicherlich geschehen. Es dürfen keine Schlangen an den Schaltern entstehen, keiner Bank darf das Geld ausgehen. Wichtig wäre, das Vertrauen wiederherzustellen. Doch dies ist jetzt äusserst schwierig.

Vorerst ist mit einer weiteren Kapitalflucht aus Zypern und aus Europa zu rechnen.
Die Russen werden ihre Vermögen wohl aus Zypern abziehen. Die Kapitalflucht hat bereits zugenommen, wie der erstarkte Franken belegt. Zudem sind die Risikoaufschläge für Länder wie Ita­lien gestiegen.

Welche Anlagen gehören angesichts der jüngsten Turbulenzen in ein Portefeuille?
Gold eignet sich sicherlich gut als Beimischung in einem Portefeuille. Wenn dann die Rettungsmassnahmen für bedrängte Mitglieder in der Euro-Zone Erfolg haben und die Länder wirklich gesündere Strukturen aufweisen − ich betone das Wort «wenn» −, dann wird es auch mal wieder eine Euro-Hausse geben. Die Kurse der Aktienmärkte in den Krisenländern sind so niedrig, dass sie sich eines Tages erholen müssen. Es kommt allerdings auf den richtigen Zeitpunkt an.