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iPhone, Galaxy & Co: Eine Goldgrube für Anleger

CARDIFF, UNITED KINGDOM - MAY 02: Spectators hold up mobile phones at an event on May 2, 2018 in Cardiff, United Kingdom. (Photo by Matthew Horwood/Getty Images)
Durch den Smartphone-Boom wächst der Mobilfunksektor stetig. Quelle: 2018 Matthew Horwood

Am Smartphone-Boom verdienen nicht nur Hersteller wie Apple. Es gibt auch heimliche Gewinner, die von den steigenden Umsatzzahlen profitieren.

Von Georg Pröbstl*
am 14.12.2018

Seit der Markteinführung des ersten Smartphones von Apple im Jahr 2007 hat sich daraus eine gewaltige Industrie entwickelt. Apple hat inzwischen mehr als 20 solcher Produkte auf den Markt gebracht und auch die Konkurrenz schläft nicht. Laut den Marktforschern GSM Arena und Gartner wurden in 2016 von Samsung 31 neue Smartphone-Modelle vorgestellt, Lenovo führte 26 neu ein, ZTE brachte 24 auf den Markt und Huawei 22 neue Exemplare. Mit lediglich drei Neuvorstellungen war Apple vor zwei Jahren weit abgeschlagen. Aber nur bei der Zahl an neu eingeführten Geräten.

Apple – mit Abstand der grösste Umsatz-Player im Segment

Denn nach Absatzzahlen belegt Apple mit rund 13 Prozent Weltmarktanteil hinter Samsung und Huawei – die beiden Konzerne haben einen Anteil am weltweiten Smartphonemarkt von 20 und 15 Prozent – Rang drei unter den grossen Playern.

Allerdings: Die iPhones von Apple sind Kult und der Preis für so ein Gerät ist im Durchschnitt und weltweit etwa dreimal so hoch wie bei denen der Konkurrenten. Die Folge: Apple erzielt mit weitem Abstand die höchsten Umsätze mit Smartphones. Schätzungen zufolge soll Apple in etwa die Hälfte aller Erlöse mit den teuren Mobilfunkgeräten weltweit erzielen. Den Rest des Kuchens teilen sich Samsung, Huawei & Co.

Die Preise steigen unaufhaltsam

Und obwohl es Mobiltelefone schon seit mehr als zehn Jahren gibt, ist der Markt immer noch nicht gesättigt. Auch nicht in Europa. Schätzungen zufolge soll das jährliche Marktwachstum bei Mobiltelefonen auf dem alten Kontinent zwischen 2017 und 2020 bei 2,3 Prozent liegen. Das Wachstum bei Smartphones bis 2021 wir mit durchschnittlich etwa sechs Prozent im Jahr sogar dreimal so hoch geschätzt.

Wurden 2010 in Europa Mobiltelefone im Wert von insgesamt 43,7 Milliarden Euro verkauft, so sollen es in zwei Jahren mit 86,3 Milliarden Euro bereits doppelt so viel sein. Einer der Gründe für das beständige Umsatzwachstum ist der immer höhere Verkaufspreis der Geräte. Lag dieser in 2010 noch bei 202.90 Euro je Mobiltelefon, so waren es 2017 bereits 420.51 Euro. In 2020 soll ein neues Telefon in Europa bereits 460.28 Euro kosten.

Apple – enorme Gewinnspannen…

Angesichts des Kultstatus und der hohen Preise der Geräte vermuten Anleger, dass Apple hohe Margen hat und nehmen deshalb die Aktie ins Visier. Und tatsächlich: Die Zahlen zum letzten Geschäftsjahr 2017/18 per Ende September bestätigen die Vermutung.

Apple ist nicht nur gut im Geschäft – der Umsatz stieg im abgelaufenen Jahr um 15,9 Prozent auf 266 Milliarden Dollar – auch die Gewinnspanne ist immens. Die Rohertragsmarge, also Umsatz abzüglich der Kosten insbesondere für Material, Personal, Vertrieb und Marketing, liegt bei 38,3 Prozent vom Umsatz und die Gewinnspanne nach Steuern beträgt enorme 22,4 Prozent. 55,3 Milliarden Dollar oder 11.91 Dollar je Aktie hat Apple in 2017/18 verdient. Im Jahr davor waren es erst 9.21 Dollar – ein Anstieg um 29,3 Prozent.

… und das Wachstum geht in die nächste Runde

Und ebenso wie die Schätzungen für den gesamten Sektor – auch bei Apple ist das Wachstum noch lange nicht vorbei. Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 2018/19 kündigt Firmenchef Tim Cook einen Umsatzanstieg von 88,3 auf 89 bis 93 Milliarden Dollar an. Da die Marge in etwa gleich hoch dürfte, ist mit einem überproportionalen Gewinnanstieg und einem 13er-KGV zu rechnen.

Nach dem Kursrutsch der Aktie vom Allzeithoch im Oktober um 25 Prozent scheint Apple jetzt wieder günstig. Immerhin notiert die Aktie auch im Bereich der unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends aus 2017 und der Wert könnte jetzt von dort zur Erholungsrallye durchstarten.

Samsung – hohe Margen, aber starke Konkurrenten

Zwar war die Nummer 1 in Hinblick auf die verkauften SmartphonesSamsung – mit einer Gewinnspanne nach Steuern im zweiten Quartal von 18,9 Prozent ähnlich profitabel wie Apple. Allerdings erzielt der Elektronikkonzern aus Südkorea nur rund ein Drittel der Umsätze mit Mobiltelefonen – die beiden anderen Segmente sind Unterhaltungselektronik und Halbleiter und bei Smartphones setzen dem Konzern aus Seoul Billigkonkurrenten aus China wie Huawei und ZTE zu.

Dafür ist Samsung aber mit einem geschätzten KGV von knapp unter sechs nur halb so teuer wie die inzwischen bereits auch schon moderat bewertete Apple. Die Aktie von Samsung ist seit Ende September um 15 Prozent gefallen und notiert jetzt auf der starken Unterstützung bei 40'000 Südkoreanische Won. Anleger setzen auf den Rebound von dieser Marke und eine schnelle Erholung zumindest wieder auf 45'000 Won.

HTC – eine Turnaroundspekulation

Anders als Apple und Samsung kämpft HTC dagegen seit längerem mit Verlusten und dreht seit Jahren an der Kostenschraube. Trotz einer Verschlankung schaffte der Smartphone-Hersteller aus Taiwan im dritten Quartal nur eine Rohmarge von 4,7 Prozent und schrieb damit tiefrote Zahlen. Dennoch: Für Risikofreudige scheint HTC eine spannende Turnaround-Spekulation.

Erst im Oktober zog es die Aktie um etwa 50 Prozent nach oben und im Moment notiert der Titel mit rund 40 Taiwanesischen Dollar an der oberen Begrenzungslinie des Abwärtstrends vom Jahresanfang. Da könnte der Ausbruch kurz bevorstehen.

Profitable Trittbrettfahrer im Smartphonegeschäft: Mobilezone…

Weit weniger spekulativ als HTC sind zwei heimliche Gewinner des Smartphone-Booms: Mobilezone und Unidevice. Mobilezone sieht sich als der führende unabhängige Telekom-Spezialist bei Mobil- und Festnetztelefonie in der Schweiz und in Deutschland. Das Unternehmen aus Rotkreuz im Kanton Zug bietet ein umfassendes Handy-Sortiment verschiedener Hersteller und Tarife für Telefon, TV und Internet. Das Unternehmen hat in der Schweiz über 120 und in Deutschland 65 Verkaufsstellen.

Der Umsatz von Mobilezone kletterte in den letzten zwei Jahren um ein Drittel auf 1,2 Milliarden Franken und der Gewinn legte um 15 Prozent auf 1.10 Franken je Aktie zu. Da der Umsatz im ersten Halbjahr um weitere 9,3 Prozent und der Gewinn je Aktie von 0.42 auf 0.46 Franken gestiegen ist, könnte das Ergebnis aus 2017 übertroffen werden. Damit ist bei Mobilezone nicht nur ein günstiges 9er-KGV drin, sondern erneut eine hohe Dividende wie in den Vorjahren von 0.60 Franken je Anteil. Mit einer Rendite von 6 Prozent ist die Aktie ein klarer Kauf.

… und Unidevice

Noch keine Dividenden gibt es zwar bei der deutschen Unidevice. Dafür hat der Grosshändler aus Berlin aber ein vielversprechendes Geschäftsmodell und profitiert damit besonders vom Boom bei Smartphones, oder konkret: Von der hohen Nachfrage nach iPhones.

Diese Marke ist im Visier des Unternehmens und bei den Berlinern steht in diesem Segment die Kosten- und Verfügbarkeitsführerschaft weit oben auf der Agenda. Wettbewerbsvorteile erarbeitet sich Unidevice durch den Einkauf von iPhones von Apple-Distributoren in Ländern mit geringer Kaufkraft wie etwa in Rumänien. Die Lieferung von dort erfolgt relativ kurzfristig und die Geräte werden auf Bestellung an Telefongesellschaften sowie Gross- und Detailhändler verkauft. Die Geräte werden dann im Lager von Unidevice schnell und in der Regel in nur acht Tagen umgesetzt. Die Risiken sind dadurch relativ gering.

Das Geschäftsvolumen lässt sich leicht ausweiten, Umsatz und Gewinn legen kräftig zu

Wegen der Einkaufsvorteile und der hohen Nachfrage insbesondere nach iPhones lässt sich das Geschäft von Unidevice vergleichsweise einfach ausweiten und eine geschätzte Eigenkapitalrendite um zehn Prozent bietet gut planbare Gewinne. Seit dem Eintritt eines neuen Firmenchefs vor einem Jahr wurde auch schon der Finanzrahmen und damit das Geschäftsvolumen der Berliner deutlich erhöht und mit den neun Monatszahlen wurde das Potential sichtbar.

So erreichte Unidevice bereits nach drei Quartalen beim Umsatz fast schon den Wert des gesamten Vorjahres von 229 Millionen Euro. Im Gesamtjahr dürften die Erlöse um etwa 35 Prozent auf 310 Millionen Euro klettern. Der Gewinn könnte sich dadurch auf rund 0.08 Euro je Aktie in etwa verdoppeln. Im nächsten Jahr ist bei einem weiteren kräftigen Umsatzwachstum bis in den Bereich von knapp 400 Millionen Euro mit einem erneuten Ergebnissprung auf etwa 0.12 Euro je Anteil zu rechnen. Kaufen und liegen lassen. 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent (DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent). Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. Die in diesem Beitrag besprochene Aktie ist Bestandteil eines solchen Anlageprodukts.

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