Update vom 1. Juli 2020

  • Die Höchstbezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigung wird von zwölf auf achtzehn Monate verlängert. Es ist eine Karenzfrist von einem Tag vorgesehen, die der Arbeitgeber zu tragen hat, und die Überstunden müssen vor dem Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung wieder abgebaut werden. Diese Änderungen treten am 1. September in Kraft.
  • Der Kreis der Berechtigten, die Corona-Erwerbsersatz beanspruchen können, wird erweitert. Inhaber einer AG oder GmbH, die in ihrer eigenen Firma angestellt sind, hatten seit dem 1. Juni keinen Anspruch mehr auf die Kurzarbeitsentschädigung der Arbeitslosenversicherung. Sofern sie im Veranstaltungsbereich arbeiten, können sie neu ebenfalls über die Ausgleichskasse Corona-Erwerbsersatz beanspruchen. (Achtung: Die Einrichtung dieser neuen Leistung wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Den Berechtigten wird empfohlen, bis Mitte Juli zu warten, bevor sie ihren Anspruch bei der AHV-Ausgleichskasse anmelden.)

Gut zu wissen: Kurzarbeit ist eine Massnahme, um vorübergehende Beschäftigungseinbrüche auszugleichen. Die vertragliche Arbeitszeit wird reduziert und das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen. Sprich: Die Angestellten erhalten den Lohn trotzdem. Damit soll Arbeitslosigkeit verhindert werden, die Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist die Anmeldung für Kurzarbeit administrativ erleichtert worden: Betriebe können Kurzarbeit anmelden, wenn sie den direkten Zusammenhang zwischen den Arbeitsausfällen und dem Auftreten des Coronavirus belegen und die Voraussetzungen für einen Anspruch erfüllen (siehe unten).

Wer ist in einem von Kurzarbeit betroffenen Unternehmen anspruchsberechtigt?

  • Grundsätzlich alle Angestellten, die für die Arbeitslosenversicherung (ALV) beitragspflichtig sind oder das Mindestalter für die Beitragspflicht in der AHV noch nicht erreicht haben.
  • Das gilt auch für ausländische Arbeitnehmer (zum Beispiel Grenzgänger), unabhängig von ihrem Wohnort und Aufenthaltsstatus.

Eine Mindestdauer der ALV-beitragspflichtigen Beschäftigung wird nicht vorausgesetzt. Sprich: Es genügt eine beitragspflichtige Beschäftigung im Zeitpunkt der Einführung und während der Kurzarbeit.
 

Das gilt seit der Corona-Krise

Der Empfängerkreis wird ausgeweitet: Die Kurzarbeitszeitentschädigung kann auch beantragt werden für

  • Angestellte in befristeten Arbeitsverhältnissen
  • Personen im Dienst einer Organisation für Temporärarbeit
  • Angestellte auf Abruf – bei starken Schwankungen des Beschäftigungsgrads (mehr als 20 Prozent) gilt dies nur, wenn sie während mehr als sechs Monaten im Unternehmen gearbeitet haben

Nicht anspruchsberechtigt sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in einem gekündigten Arbeitsverhältnis stehen.

So kommen Sie zur Kurzarbeitsentschädigung

  • Beantragen Sie umgehend Kurzarbeit. Reichen Sie Ihre Anmeldung schriftlich auf dem Postweg mit dem speziellen Formular «Voranmeldung von Kurzarbeit COVID-19» bei der zuständigen Amtsstelle des Kantons ein, in dem sich der Betrieb befindet. In den meisten Kantonen ist diese Amtsstelle eine Abteilung der Volkswirtschaftsdirektion.
  • Das Formular «Voranmeldung von Kurzarbeit COVID-19» finden Sie als PDF zum Downloaden auf der Website der Amtsstelle in Ihrem Kanton oder hier.

Beispiel

Ein Betrieb führt für seinen einzigen Angestellten Kurzarbeit ein und reduziert das Arbeitspensum um 50 Prozent. Der Angestellte verdient für sein Vollzeitpensum einen Monatslohn von brutto 4000 Franken. Für die Kurzarbeit muss der Arbeitgeber dem Angestellten einen Bruttolohn von 3600 Franken pro Monat bezahlen (2000 für 50 Prozent Arbeit und 80 Prozent von 2000 für die ausgefallene Arbeitszeit von 50 Prozent). Die Kurzarbeitsentschädigung beträgt 80 Prozent des anrechenbaren Arbeitsausfalls, für diesen Betriebsinhaber also 1600 Franken.

Wichtig: Die Sozialversicherungsabzüge erfolgen vom vertraglich vereinbarten Lohn für die Normalarbeitszeit, damit die Rentenbildung und der Versicherungsschutz bestehen bleibt.
 

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Das gilt seit der Corona-Krise

Der administrative Aufwand zur Anmeldung von Kurzarbeit ist kleiner geworden: Sie müssen in der «Voranmeldung von Kurzarbeit» viel weniger Fragen beantworten, neben Angaben zu Branche und Personalbestand etwa noch, was der Grund der Betriebsschliessung oder -einschränkung wegen behördlicher Massnahmen ist.

Zudem müssen Sie weniger Dokumente einreichen und auch die Begründung für die Einführung wurde vereinfacht. Es gilt ein milderer Massstab.

Nicht einreichen müssen Sie aktuell aufgrund der Erleichterung: das Formular «Zustimmung zur Kurzarbeit» sowie die Kopie des Handelsregisterauszugs.
 

Das gilt ausserdem

  • Die Wartefrist (Karenzfrist) für Kurzarbeitsentschädigungen wurde während der Lockdown-Phase aufgehoben. Damit entfiel die Beteiligung der Arbeitgeber an den Arbeitsausfällen, sie mussten die ersten Tage nicht mehr aus dem eigenen Sack bezahlen. Ab dem 1. September gilt wieder eine Wartefrist von einem Tag.
  • Die Begrenzung der Bezugsdauer auf vier Monate bei einem Arbeitsausfall von 85 Prozent ist für die Dauer der ausserordentlichen Lage aufgehoben.
  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen ihre Überstunden nicht mehr abbauen, bevor sie von Kurzarbeitsentschädigungen profitieren können. Auch dies ändert per 1. September: Überstunden müssen wieder abgebaut werden.
  • Einkommen aus Zwischenbeschäftigungen wird neu nicht an die Kurzarbeitsentschädigung angerechnet. Das soll ein finanzieller Anreiz sein für Arbeitnehmende auf Kurzarbeit, in Bereichen mit aktuell hohem Personalbedarf eine Zwischenbeschäftigung anzunehmen.
  • Die Zustimmung der Angestellten zur Kurzarbeit ist nach wie vor nötig. Es genügt, aber derzeit die Bestätigung des Arbeitgebers, dass die betroffenen Arbeitnehmenden mit der Kurzarbeit einverstanden sind.

Achtung: Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 20. Mai beschlossen, die Voranmeldefrist wieder einzuführen. Melden Sie die Entschädigung mindestens zehn Tage vor Beginn der Kurzarbeit an.


Weitere Erleichterungen

  • Arbeitgeber können die Höhe ihrer regelmässigen Akontobeiträge an die AHV/IV/EO/ALV anpassen lassen, wenn die Summe der Löhne wesentlich gesunken ist. Melden Sie Ihrer Ausgleichskasse die neue Jahreslohnsumme.
  • Durch die vereinfachte Abrechnung der Kurzarbeit können auch Vorschüsse auf Kurzarbeit vereinfacht und schneller bezahlt werden.

Merkblätter für Arbeitgeber zum Thema Kurzarbeit im Zusammenhang mit der Corona-Krise finden Sie hier.

Häufig gestellte Fragen beantwortet die Website des (Staatssekretariats für Wirtschaft) Seco.

Viele Kantone und das Seco haben eine Hotline für Unternehmen und Angestellte eingerichtet:

Seco-Infoline für Unternehmen: 058 462 00 66 (Mo bis Fr, 07.00 bis 20.00 Uhr).

Kantonale Hotlines finden Sie über die Websites der Kantone, zum Beispiel derjenigen des Kantons Thurgau.

Einen Online-Rechner, mit dem Sie die Höhe der Kurzarbeitsentschädigung provisorisch überschlagen können, finden Sie hier


Habe ich als Inhaber einer AG oder GmbH Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

Befristet war dies bis zum 31. Mai möglich. Gesellschafter einer AG oder GmbH, die in ihrem Unternehmen tätig sind und einen Lohn beziehen, hatten aufgrund der Corona-Krise Anspruch auf die besondere Kurzarbeitsentschädigung. Das Ende der Anspruchsberechtigung für diese Personengruppe begründet der Bundesrat unter anderem mit dem Auslaufen der Erwerbsersatzentschädigungen für direkt und indirekt betroffene Selbständigerwerbende, für die die Covid-Massnahmen am 16. Mai aufgehoben wurden.

Die Aufhebung der besonderen Kurzarbeitsentschädigung zum 31. Mai betrifft auch die Ehe- und eingetragenen Partner, die im Unternehmen mitarbeiten.

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Urs Gysling, Leiter Beobachter-Edition

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