Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit in den USA drängt Notenbankchef Ben Bernanke auf ein schnelleres Wirtschaftswachstum. «Die Produktion wie auch die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen müssen stärker zulegen, um die Arbeitslosenquote weiter spürbar zu senken», sagte Bernanke in Washington.

Dieser Prozess könne weiter von einer förderlichen Politik der Federal Reserve begleitet werden. Den bisherigen Rückgang der Arbeitslosenquote führte Bernanke vor allem darauf zurück, dass die grossen Entlassungswellen seit Ende der Rezession abgeebbt seien. Für eine schnellere Erholung des Arbeitsmarktes müssten die Unternehmen nun aber wieder im grösseren Stil neue Mitarbeiter einstellen.

Die Arbeitslosenquote war im Februar auf 8,3 Prozent von 9,1 Prozent im vorigen Sommer zurückgegangen. Dies lag laut Bernanke vor allem daran, dass die Unternehmen nach den Massenentlassungen nun ihre Belegschaftszahlen wieder normalisierten. Schliesslich passe der jüngste Rückgang der Arbeitslosenquote nicht ganz zu dem eher bescheidenen Wachstum der Wirtschaft.

Arbeitsmarkt hat Potenzial nicht ausgeschöpft

Sollte sich diese Annahme bestätigen, könnte der Fortschritt auf dem US-Arbeitsmarkt nachlassen. Der Lohnzuwachs berge noch kein Inflationsrisiko, betonte Bernanke. Er zeige vielmehr, dass der Arbeitsmarkt sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe.

Das US-Bruttoinlandsprodukt war im vierten Quartal um drei Prozent gewachsen, dürfte sich jedoch auf knapp unter zwei Prozent in den ersten drei Monaten 2012 abgeschwächt haben.

Die Fed will mit extrem niedrigen Zinsen und dem Ankauf von Staatsanleihen die laue Konjunktur in Schwung bringen. Die US-Notenbank hatte zuletzt erklärt, noch mindestens bis Ende 2014 an ihren Niedrigstzinsen festhalten zu wollen.

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Doch positive Konjunkturnachrichten hatten Investoren vermuten lassen, dass eine Zinswende doch schon früher zu erwarten sei. Bernanke schien Beobachtern zufolge solche Erwartungen nun in den Hintergrund drängen zu wollen.

Kritik aus den eigenen Reihen

An der Konjunkturpolitik der Fed wird immer wieder Kritik laut - am Montag auch aus den eigenen Reihen der Notenbanker. So warnte der Präsident der Federal Reserve von Philadelphia, Charles Plosser, vor einer unzulässigen Vermischung von Geld- und Finanzpolitik.

Die Zentralbanken sollten nicht unbegrenzt die Möglichkeit zum Ankauf von Anleihen haben, um die Länder in ihrem Kampf gegen Schulden nicht auf einen gefährlichen Weg ohne Haushaltsdisziplin zu leiten. Plosser sagte in Paris weiter, er rechne mit einem Wachstum der US-Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr von rund drei Prozent. Die Arbeitslosenrate werde bis Ende 2012 auf 7,8 Prozent fallen.

(vst/sda)