In Brasilien reissen die Hiobsbotschaften nicht ab. Die siebtgrösste Volkswirtschaft der Welt leidet unter einer Inflation von annähernd zehn Prozent und ist in die Rezession gerutscht. Jüngst stufte die Ratingagentur Standard & Poor's die Staatspapiere auf Ramsch herab, was die Mittelbeschaffung an den internationalen Finanzmärkten noch weiter erschwert. Auch der Korruptionsskandal um den Ölgiganten Petrobras ist lange nicht ausgestanden.

Finanzminister Joaquim Levy hat an allen Fronten zu kämpfen. Doch auch dem international anerkannten Ökonomen ist die Wende bislang nicht gelungen. Für Firmen die hauptsächlich nach Brasilien exportieren, ist das ein Problem. Die Schweizer Wirtschaft dürfte das ebenfalls zu spüren bekommen. Exporteure müssen sich auf sinkende Einnahmen gefasst machen. Besonders hart getroffen wird die chemisch-pharmazeutische Industrie. Das zeigen die Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung.

60 Prozent Pharma und Chemie

Pharmazeutische Produkte und Chemikalien machten 2014 mehr als 60 Prozent aller Exporte aus der Schweiz nach Brasilien aus. Über 1,3 Milliarden Franken setzten Schweizer Firmen damit um. Aus Brasilien importiert wird dagegen in dieser Branche gerade einmal für 90 Millionen Franken. Und in der momentanen Krise dürfte nicht nur die allgemeine Nachfrage nach ausländischen Produkten sinken. Problematisch für die Exporteure ist vielmehr der Absturz der Währung, der Schweizer Produkte noch teurer macht, als sie ohnehin schon sind.

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Ein extremes Export-Import-Ungleichgewicht herrschen auch in der Maschinenindustrie sowie in der Uhren- und Schmuckbranche. Hier verliert die Schweiz ebenfalls durch die Brasilien-Schwäche, selbst wenn das Land gemessen an den Gesamtzahlen der beiden Branchen nicht so wichtig ist. Einzelne Firmen dürften die Probleme dennoch zu spüren bekommen. Immerhin exportierten Schweizer Unternehmen im letzten Jahr für 382 Millionen Franken Maschinen und für 191 Millionen Franken Uhren und Schmuck nach Brasilien.

Exportüberschuss von 500 Millionen Franken

Rund 300 Schweizer Unternehmen mit über 1000 Betrieben sind in Brasilien etabliert. Diese schaffen mehr als 100'000 Arbeitsplätze. Das Land ist zudem mit Abstand der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Lateinamerika. Insgesamt verkauften Schweizer Unternehmen im vergangenen Jahr Waren für rund 2,1 Milliarden Franken nach Brasilien. Die Exporte waren damit weit höher als die Importe von rund 1,6 Milliarden Franken.

Panik ist deswegen aber nicht angebracht, beruhigen Ökonomen. «Die Bedeutung Brasiliens für die gesamte schweizerische Exportwirtschaft ist überschaubar», so Felix Brill, Chefökonom bei Wellershoff & Partners gegenüber dem «Tagesanzeiger». Schliesslich liege das Land nur auf dem 21 Platz der wichtigsten Handelspartner.

Der Sinkflug des brasilianischen Real hat zudem eine positive Seite für die Schweizer Konsumenten. Die landwirtschaftlichen Produkte aus Brasilien werden billiger. Das ist nicht ohne, denn die Schweiz ist in dieser Sparte ein Nettoimporteur. Jedes Jahr kauft die Schweiz land- und forstwirtschaftliche Waren im Wert von 400 bis 500 Millionen Franken aus Brasilien.