1. Home
  2. Konjunktur
  3. Brasiliens Wirtschaft ist wieder geschrumpft

Zahlen
Brasiliens Wirtschaft ist wieder geschrumpft

Interimspräsident Michel Temer: Sein Land steckt in der Krise. Keystone

Die Wirtschaft des grössten Landes in Lateinamerika ist das fünfte Quartal in Folge zurückgegangen. Das Finanzministerium spricht von der schwersten Rezession in der Geschichte. Doch es gibt Hoffnung.

Veröffentlicht am 02.06.2016

Brasilien steckt weiter tief in der Rezession. Zum Jahresbeginn ging die Wirtschaftsleistung das fünfte Quartal in Folge zurück. Das am Mittwoch von der Statistikbehörde IBGE bekanntgegebene Minus von 0,3 Prozent zum vorangegangenen Vierteljahr fiel zwar geringer aus als von Analysten erwartet.

Ökonomen führten dies aber insbesondere auf eine deutliche Erhöhung der Staatsausgaben vor dem Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff zurück. «Die Zahlen ändern nichts an der Einschätzung, dass die Wirtschaft dieses Jahr stark schrumpfen wird», sagte der Ökonom Jose Francisco Goncalves vom Geldhaus Banco Fator. Eine Stabilisierung erwartet er erst zum Jahreswechsel.

Sieben Prozent geschrumpft

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) liegt mehr als sieben Prozent unter dem Spitzenwert vor zwei Jahren. Das Finanzministerium spricht von der schwersten Rezession in der Geschichte des Landes. Dieses befindet sich zugleich in einer tiefen politischen Krise. Präsidentin Rousseff wurde im vergangenen Monat vom Senat in einem historischen Akt wegen Korruptionsvorwürfen von ihrem Amt suspendiert.

Die politische Ungewissheit lähmt die Konjunktur. Die Investitionen gingen im Zeitraum von Januar bis März das zehnte Quartal hintereinander zurück. Auch die Konsumnachfrage sank erneut, weil die Unternehmen massenweise Stellen streichen.

Schwache Währung

Die Produktion fiel in allen drei tragenden Wirtschaftsbereichen: Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen. Allerdings trug die Abwertung der Landeswährung Real zu einem kräftigen Anstieg der Exporte bei.

Interimspräsident Michel Temer will den Haushalt sanieren und das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen. Ausserdem soll es einen Neubeginn beim staatlichen Ölkonzern Petrobras geben, der im Zentrum eines gewaltigen Korruptionsskandals steht. Der neue Konzernchef Pedro Parente sagte, künftig werde es keine Einmischung der Regierung mehr geben.

(sda/gku)

Anzeige