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Wirtschaft
Check der WM-Gegner: Ecuador will «Monster» zurück

Zum WM-Auftakt geht es für die Nati am Sonntag gegen Ecuador. Im tropischen Klima werden beide Teams an ihre Grenzen gehen. Doch wie ist das südamerikanische Land wirtschaftlich aufgestellt?

Von Mathias Ohanian
am 11.06.2014

Auf dem Papier spricht viel dafür, dass die Schweiz in Brasilien zumindest den Sprung ins Achtelfinale schafft. Der Marktwert der Nati übertrumpft jenen ihrer beiden Gruppengegner aus Südamerika um Längen. Rund 178 Millionen Euro ist der 23-köpfige Schweizer Kader schwer – Ecuador und Honduras kommen lediglich auf 28 beziehungsweise 21 Millionen Euro. Aber Fussballfans wissen: Bei einer WM gelten andere Gesetze. Zumal hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit den Spielen ungeahnte Wendungen schenken können.

Rund 15 Millionen Ecuadorianer wollen ihr Team um Manchester-United-Star Antonio Valencia gegen die Schweiz siegen sehen. Doch wie ist das südamerikanische Land wirtschaftlich aufgestellt?

Staatsverschuldung in Ecuador niedriger als in der Schweiz

Die wichtigsten Makrodaten liefern auf den ersten Blick ein recht überzeugendes Bild. Zwar liegt das Bruttoinlandprodukt pro Kopf nicht einmal bei einem Zehntel des Schweizer Wertes. Doch die Wirtschaft wächst seit Jahren mit ansprechenden Raten – und mit am stärksten in der gesamten Region. Für dieses Jahr wird das Plus wie schon 2013 bei über 4,5 Prozent erwartet.

Entsprechend rund läuft der Jobmarkt mit einer Arbeitslosenquote von lediglich fünf Prozent. Ein weiterer Bonus: Die Inflation liegt für ein aufstrebendes Schwellenland bei moderaten knapp drei Prozent, schätzt der Internationale Währungsfonds für dieses Jahr.

Präsident Correa spielt rechts wie links

Und vor allem dank hoher Öleinnahmen liegt die öffentliche Bruttoverschuldung in diesem Jahr bei gerade mal 28 Prozent des Bruttoinlandprodukts – das ist nicht nur für das Land ein vergleichsweise niedriger Wert. Selbst die haushaltstechnisch stark aufgestellte Schweiz kann da nicht mithalten.

Doch mit dem Öl verbunden sind auch einige strukturellen Schwächen, kritisieren Beobachter. Die Regierung um Präsident Rafael Correa setzt zu stark auf den fossilen Brennstoff – und vernachlässigt zugleich die Entwicklung anderer Industrien, lautet eine oft gehörte Kritik. Erst vor wenigen Wochen gewährte die Regierung Bewilligungen zu Ölbohrungen im Yasuni Nationalpark, ein Bioreservat im Amazonasgebiet. Umweltschutzorganisationen sind bestürzt.

Ecuador will an die Finanzmärkte zurück

Zudem steht die Regierung unter Verdacht, mit gezinkten Karten zu spielen: Wie die britische Zeitung «The Guardian» im Februar berichtete, verhandelte Correa mit einer chinesischen Bank über einen Mega-Öldeal im Yasuni Park – und sammelte gleichzeitig internationale Gelder, um das Reservat zu schützen.

Undurchsichtig ist Correa auch in seinem Buhlen um internationale Grossinvestoren. Ende 2008 gab er bekannt, ausländische Schulden in Höhe von über 3 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen zu wollen. Die Investoren nannte Correa, der im vergangenen Jahr von seinem Volk bereits zum zweiten Mal im Amt bestätigt wurde, «wahre Monster».

Wer narrt wen?

Nun will Ecuador wieder Geschäfte mit diesen sogenannten Monstern betreiben. Derzeit geht Correa auf Werbetour. Und wie der «Economist» in dieser Woche schrieb, stehen die Chancen für den Freund des verstorbenen Hugo Chavez, seinerzeit Staatschef von Venezuela, nicht schlecht.

Die bezahlten Zinsen müssten schlicht hoch genug sein – dann seien auch die Investoren bereit, zu vergeben und zu vergessen. Im Gespräch sind demnach zehnjährige Anleihen, die mit sieben bis acht Prozent verzinst werden sollen. So sollen angeblich 700 Millionen Dollar eingesammelt werden. Bleibt die Frage, ob Schlitzohr Correa die Investoren am Ende zum zweiten Mal narrt. Gewarnt sei also nicht nur die Elf von Trainer Otmar Hitzfeld.

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