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Die Fed macht einen weiteren Schritt Richtung Zinswende

Fed-Chefin Janet Yellen: Den Leitzins belässt sie auf dem Rekordtief. Bloomberg

Ist sie im September? Wann die US-Währungshüter um Chefin Janet Yellen die Zinswende einleiten, blieb am Mittwoch offen. Entscheidend ist wohl der Abeitsmarkt - «weitere Fortschritte» seien nötig.

Veröffentlicht am 29.07.2015

Die US-Notenbank (Fed) bereitet den Boden für die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren - womöglich schon im September. Die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen entschieden am Mittwochabend zwar, den Schlüsselsatz aktuell auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent zu belassen.

Sie wollen aber über eine Anhebung nachdenken, wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt noch etwas weiter verbessert. Die Währungshüter verwiesen auf jüngste Fortschritte und einen «soliden Stellenzuwachs».

Der Tenor war damit etwas optimistischer als noch im Vormonat. Konkrete Hinweise, dass die Zinsen wie von vielen Experten erwartet bereits im Spätsommer steigen werden, lieferte die Fed aber nicht.

Börse legt leicht zu

Die US-Börsen reagierten mit moderaten Gewinnen auf den Leitzinsentscheid. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial zeigte sich nach dem Zinsentscheid der Fed nur kurz irritiert und schloss schliesslich 0,69 Prozent höher bei 17'751,39 Punkten.

Der marktbreite S&P-500-Index legte um 0,73 Prozent auf 2108,57 Punkte zu. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 0,47 Prozent auf 4581,60 Punkte nach oben.

Zinswende wird langsam eingeleitet

«Die Fed bewegt sich Schritt für Schritt auf eine Erhöhung zu», meint Ökonom Brian Jacobsen vom Finanzhaus Wells Fargo Funds. Sie hält den Zins seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008 nahe null. Die US-Wirtschaft war zu Jahresbeginn zwar leicht geschrumpft, dürfte sich jedoch im Frühjahr wieder gefangen haben.

Für die am Donnerstag anstehenden Zahlen für das Bruttoinlandprodukt im zweiten Quartal rechnen Experten mit einem aufs Jahr hochgerechneten Plus von 2,6 Prozent. Auch der Arbeitsmarkt dürfte sich im Juli der von der Fed angestrebten Vollbeschäftigung weiter angenähert haben.

Stellenwachstum entscheidend

Fachleute erwarten einen weiteren Zuwachs von 218’000 Stellen. «Falls diese und andere Daten wie erwartet oder gar besser ausfallen, ist eine Erhöhung im September wahrscheinlich unter Dach und Fach», meint Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Die Währungshüter wollen sich jedoch einigermassen sicher sein, dass sich die Inflation dem angestrebten Ziel von zwei Prozent wieder annähert. Zuletzt zogen die Preise leicht an.

Fed sorgt sich um China

Gegen eine rasche Zinserhöhung spricht, dass die Börsen in China zuletzt in die Tiefe rauschten und nur mühsam von Peking stabilisiert wurden. Durch die Turbulenzen wurden Anleger weltweit in Aufruhr versetzt.

Eine US-Zinserhöhung könnte die mit einer Konjunkturabkühlung kämpfende asiatische Wirtschaftsmacht hart treffen, falls Kapital auf der Jagd nach Rendite und Sicherheit von dort Richtung USA abfliesst. Ob die Fed diese Probleme in Übersee mit ins Kalkül nimmt, dürfte mit der Veröffentlichung der Protokolle der Zinssitzung bekannt werden, die bis zum 19. August unter Verschluss bleiben.

(reuters/awp/mbü)

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