Jubel in Washington: Fast zehn Jahre nach 9/11 hat US-Präsident Barack Obama den Tod von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden bekannt gegeben. Ein US-Team habe den Angriff in Pakistan ausgeführt und sich der sterblichen Überreste bin Ladens bemächtigt.

 "Der Gerechtigkeit ist Genüge getan worden", sagte der Präsident in einer kurzfristig anberaumten Rede am Sonntagabend (Ortszeit) im Weissen Haus. Obama sagte, er habe den geheimen Einsatz angeordnet. "Ein kleines Team von Amerikanern hat die Operation mit aussergewöhnlichem Mut und Fähigkeiten ausgeführt."

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Der pakistanische Geheimdienstes ISI bestätigt am Morgen die Tötung Bin Ladens in Pakistan. Er sei in der Nacht bei einer gemeinsamen Operation amerikanischer und pakistanischer Sicherheitskräfte in der Stadt Abbottabad, rund 100 Kilometer nördlich von Islamabad, getötet worden, sagte ISI-Chef Ahmed Shuja Pasha im pakistanischen Fernsehen. Auch einer von Bin Ladens Söhne sei ums Leben gekommen.

Wie aus pakistanischen Sicherheitskreisen weiter verlautete, begann die Operation kurz nach Mitternacht (Ortszeit) und dauerte vier Stunden. Der Einsatz sei von US-Kräften geführt worden. Pakistanische Einheiten hätten die Aktion unterstützt, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte.

Gratulationen

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush gratulierte Obama zum Tod von Bin Laden. Bush, der das Land während der Terroranschläge vom 11. September regiert hatte, sprach von einer "bedeutenden Errungenschaft". Auch Bushs Vorgänger Bill Clinton beglückwünschte die US-Regierung.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg bezeichnete den Tod von Bin Laden als einen bedeutenden Sieg. Zugleich drückte er die Hoffnung aus, dass die Entwicklung den Angehörigen der Opfer vom 11. September inneren Frieden bringe.

"Die Tötung von Osama bin Laden verringert nicht das Leid, das die New Yorker und Amerikaner durch seine Hände erfahren haben", erklärte Bloomberg. "New Yorker haben fast zehn Jahre auf diese Nachricht gewartet. Es ist meine Hoffnung, dass sie etwas inneren Frieden und Trost für all jene bringt, die ihre Lieben am 11. September 2001 verloren haben."

Freudenkundgebungen

Auf dem Ground Zero in New York versammelten sich Hunderte Menschen, um den Tod bin Ladens zu feiern. Ground Zero ist der Ort, an dem einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen, in das am 11. September zwei Flugzeuge rasten. 2600 Menschen starben.

Die Nachricht von Bin Ladens Tod verbreitete sich in den USA wie ein Lauffeuer. Schon bevor Obama vor die Kameras trat, um den Tod offiziell zu bestätigten, hatten sich mehrere tausend Menschen vor dem Zaun des Weissen Hause versammelt. "Wir haben ihn, wir haben ihn", jubelten sie.

Als sich die Nachricht vom Tod Bin Ladens verbreitete, strömten von Minute zu Minute immer mehr Bürger auf den Platz. Viele schwenkten US-Fahnen, und Champagnerflaschen wurden geköpft. "Was für ein wunderbarer Tag", rief ein New Yorker aus. "Endlich ist es so weit."

Obama ruft zu Wachsamkeit auf

Mehr als zwei Jahrzehnte lang habe Bin Laden "Angriffe gegen unser Land und unsere Freunde und Verbündeten" geplant, sagt eObama. "Der Tod Bin Ladens markiert die bislang bedeutendste Errungenschaft in den Bemühungen unserer Nation, Al-Kaida zu besiegen. Sein Tod markiert aber nicht das Ende unserer Bemühungen."

Der Präsident warnte, dass Al-Kaida weitere Angriffe vorbereiten werde. Daran gebe es "keinen Zweifel", sagte Obama. "Wir müssen und wir werden zu Hause und im Ausland wachsam bleiben."

Wegen der Gefahr vor möglichen Vergeltungsmassnahmen rief die US-Regierung ihre Bürger in aller Welt zur Wachsamkeit auf. In einer Mitteilung des Aussenministeriums wurden Bürger in besonders brisanten Regionen "angesichts der Unsicherheit und Unberechenbarkeit der gegenwärtigen Lage dringend" aufgerufen, Massenversammlungen oder Demonstrationen zu meiden.

1991 den "Dschihad" erklärt

Bin Laden wird von den USA für die Terroranschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht. Die Vereinigten Staaten machen ihn auch für weitere Anschläge verantwortlich, darunter die Attentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1996, bei denen mehr als 200 Menschen starben, und der Angriff auf den US-Zerstörer "Cole" im November 2000 im jemenitischen Aden mit 17 Toten.

Bin Laden wurde als Sohn eines reichen saudi-arabischen Bauunternehmers vermutlich im Jahr 1957 geboren. Er entwickelte die Idee, Moslems aus aller Welt zu einem Kampf gegen westliche Mächte und ihre arabischen Verbündeten zusammenzurufen. In Afghanistan kommandierte er 1984 gegen die Rote Armee mehr als 20'000 Kämpfer aus vielen arabischen Ländern.

Ein Jahr vor Ende der sowjetischen Invasion in Afghanistan 1989 begann er mit Hilfe von Gefolgsleuten mit dem Aufbau des Netzwerks Al-Kaida. Als 1991 eine internationale Koalition unter Führung der USA den Krieg gegen Irak führte, erklärte er Washington den "Dschihad", den religiös motivierten Krieg.

(cms/tno/sda)