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Krise
Einstiges Boomland Brasilien kämpft gegen den Absturz

Brasilianische Demonstrantin: Das Land steckt in der Rezession. Keystone

Das dereinst blühende Schwellenland Brasilien stemmt sich gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahren. Die Regierung will das Land stärker öffnen und gesundsparen.

Veröffentlicht am 10.10.2015

Angesichts der tiefsten Wirtschaftskrise seit Jahren will Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ihr Land für den Aussenhandel öffnen. Sie sei der Meinung, dass die Wirtschaft weiter zu geschlossen sei, sagte Rousseff in einer Rede vor Wirtschaftsvertretern in Bogota. Ihre Regierung halte nach Wegen Ausschau, dies zu ändern. Ein stärkerer Handel mit anderen südamerikanischen Staaten wäre laut Rousseff eine natürliche Entwicklung für Brasilien, da die Länder in der Region Gemeinsamkeiten haben, die dies erleichtern.

Das dereinst aufstrebende Schwellenland steckt in einer schweren Krise. Zählte das südamerikanische Land lange zu den Hoffnungsträgern für die Weltkonjunktur, ist die Wirtschaft im ersten Halbjahr in die Rezession gerutscht. Für das Gesamtjahr rechnen die Volkswirte der Researchfirma Capital Economics mit einem Schrumpfen des brasilianischen Bruttoinlandproduktes um 2,5 Prozent.

Rousseff will Brasiliens Wirtschaft gesundsparen

Kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht, zumal auch noch ein Korruptionsskandal um den unter staatlichem Einfluss stehenden Ölkonzern Petrobras zu einer Lähmung der Politik beiträgt. Vor einigen Wochen verloren die Anleihen des lateinamerikanischen Landes das Gütesiegel «Investment Grade».

Als Reaktion darauf kündigte Rousseff Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen an: Die Regierung plant Kürzungen von 26 Milliarden Real (rund 6 Milliarden Franken) im Haushalt für das kommende Jahr. So sollen unter anderem Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst von Januar auf August verschoben werden und einige Ausgaben auf Eis gelegt werden. Mit ihren Plänen stösst sie allerdings auf starken Widerstand.

Schwacher Real als Sinnbild der Krise

Wegen der Wirtschaftsprobleme steht auch die brasilianische Landeswährung unter Druck: Der schwache Real, der zuletzt auf den tiefsten Stand seit 13 Jahren gesunken ist, ist inzwischen Sinnbild der tiefen Wirtschaftskrise der siebtgrössten Volkswirtschaft der Welt. Durch eine Inflation von rund zehn Prozent wird das Leben für die Menschen in Brasilien immer teurer.

Notenbank-Präsident Alexandre Tombini schloss denn auf der aktuellen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Lima nicht aus, auch internationale Währungsreserven zu nutzen, um die Real-Abwertung einzudämmen.

(reuters/sda/moh)

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