Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, hat vor den Gefahren der europäischen Schuldenkrise für die US-Wirtschaft gewarnt. In einer Rede vor dem amerikanischen Kongress betonte Bernanke die grundsätzliche Handlungsbereitschaft der Fed, nannte jedoch keine Details zu möglichen Massnahmen.

Die Situation in Europa stelle ein «signifikantes» Risiko für das US-Finanzsystem und die dortige Wirtschaft dar, sagte der Top-Notenbanker. Die Entwicklung müsse genau beobachtet werden.

Die stellvertretende Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hatte zuvor in Boston gesprochen und erneute Massnahmen der US-Notenbank zur Stützung der Konjunktur in Aussicht gestellt: «Es bleibt Raum für eine weitere geldpolitische Lockerung.» Yellen verwies auf die nachlassende Erholung am Arbeitsmarkt und die ungünstigere Entwicklung an den Finanzmärkten.

Klarere Aussagen erhofft

Von Bernanke hatten sich Anleger, die auf einen expansiveren geldpolitischen Kurs der Fed setzen, jedoch offenbar eine klarere Ansage erhofft. Die Aktienmärkte büssten nach seiner Rede einen Teil ihrer Gewinne ein und auch am Devisenmarkt nahm die Risikofreude spürbar ab. Der Euro drehte nach den Aussagen ins Minus und wurde zuletzt bei 1,2572 US-Dollar gehandelt.

Am Vorabend hatte bereits der Konjunkturbericht der Fed, das sogenannte Beige Book, die Hoffnungen auf eine neue Runde der quantitativen Lockerung enttäuscht, also auf ein neues Anleihekaufprogramms zur Stützung des Wirtschaft. Die Notenbanker bescheinigten dem US-Wachstum weiter «moderates» Tempo, obwohl die jüngsten Konjunkturdaten überwiegend schwächer ausgefallen waren.

Die US-Notenbank hat bereits mit zwei grossen Anleihekaufprogrammen versucht, die Konjunktur in den USA zu stützen. An der Zinsschraube kann die Fed nicht mehr drehen, da der Leitzins bereits bei quasi 0 Prozent liegt.

(rcv/tno/awp)

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