Mit ihrer Warnung vor einer Spekulationsblase bei Internet- und Biotech-Werten hat US-Notenbankchefin Janet Yellen Aktienanleger aufgeschreckt. Die Äußerung sei aber nur ein Wink mit dem Zaunpfahl, betont Anlagestratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. «Sie will offenbar die Gefahr einer Überbewertung frühzeitig eindämmen.»

Schließlich habe die Fed ein Interesse daran, dass die geplante Straffung ihrer Geldpolitik reibungslos ablaufe. Auch sein Kollege Tobias Basse von der NordLB mahnt, bei Yellens Äußerungen den Kontext nicht aus dem Auge zu verlieren. «Schließlich weist sie auf Probleme hin, die sie mitverursacht hat.»

Weit entfernt von allgemeiner Spekulationsblase

Yellen hatte am Dienstag bei einer Anhörung vor dem US-Senat unter anderem gesagt, die Bewertung einiger kleinerer Firmen sowie von Social-Media- und Biotechnologie-Unternehmen erscheine im historischen Vergleich hoch. Weitergehend äußerte sich die Fed-Chefin, die als langjährige Präsidentin der wichtigen Federal Reserve Bank von San Francisco die ultra-lockere US-Geldpolitik der vergangenen Jahre mitverantwortet hat, nicht.

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Von einer allgemeinen Spekulationsblase sind die Aktienmärkte Experten zufolge weit entfernt - sowohl in den USA als auch in Europa. «Aktien sind sicherlich nicht billig, aber eine allgemeine und nachhaltige Überbewertung sehen wir derzeit nicht», sagt NordLB-Aktienstratege Tobias Basse. Im Verhältnis zu anderen Anlageklassen lägen die Kurse noch im Rahmen. Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Marcard-Stratege Rahn. Man dürfe schließlich nicht vergessen, dass auch Anleihen oder Immobilien recht teuer seien.

Übertreibungen bei einzelnen Internet-Werten

Übertreibungen gebe es allerdings bei einzelnen Internet-Werten in den USA, betont ein Aktienhändler. «Hier gibt es einen regelrechten Hype, ohne dass man wirklich weiß, warum sich die Investoren um die Titel reißen.» Schließlich erwirtschafteten viele Firmen keinen Gewinn. Das Ganze sei aber ein US-spezifisches Thema. «In Deutschland beziehungsweise Europa gibt es nur wenige solcher Werte. Und um die wenigen, die es gibt, ist der Hype lang nicht so groß.»

«Zudem sprechen immer noch gute Gründe für Aktien», betont NordLB-Experte Basse. Aktienrückkäufe oder Fusionen eröffneten bei einzelnen Werten Chancen für größere Kursgewinne. Außerdem würfen andere Anlageklassen wie Anleihen derzeit kaum etwas ab. «Investoren bleibt einfach keine andere Möglichkeit, als in Aktien zu gehen.»

(reuters/me/sim)