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Federal Reserve lässt Notenpresse schneller rotieren

Ben Bernanke wirft im Wahljahr die Notenpresse an. (Bild: Bloomberg)

Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl geht die US-Notenbank im Kampf um mehr Arbeitsplätze in die Offensive.

Veröffentlicht am 14.09.2012

Die US-Notenbank geht im Kampf um mehr Arbeitsplätze und ein Ende der zähen Wirtschafts- und Immobilienkrise zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl in die Offensive. So sollen pro Monat für 40 Milliarden Dollar Immobilienpapiere gekauft werden, bis sich die Perspektiven am Arbeitsmarkt «substanziell aufhellen».

Das teilte die Federal Reserve am Donnerstag nach einer seit Wochen an den Finanzmärkten mit grösster Spannung erwarteten Sitzung ihres Offenmarktausschusses in Washington mit. Bemerkenswert: erstmals nennt die Fed kein Enddatum mehr für ihre Aktionen, sondern macht sie vom Erfolg abhängig.

Zudem wollen die Notenbanker ihren bei faktisch null Prozent liegenden Leitzins bis Mitte 2015 nicht erhöhen und die «Operation Twist» genannte Bilanzumschichtung von kurz- auf langlaufende Staatsanleihen fortsetzen. Mit den Massnahmen der Fed soll der Häusermarkt gestützt und das langfristige Zinsniveau gesenkt werden.

Keine massiven Staatsanleihenkäufe

Das ganz grosse Geschütz, weitere massive Staatsanleihenkäufe, sparten sich die Zentralbanker um Ben Bernanke zur Enttäuschung vieler Investoren aber noch auf - schliesslich droht zum Jahreswechsel die nächste finanzpolitische Klippe, sollte sich der Kongress bis dahin nicht auf die Verlängerung von Steuererleichterungen für viele US-Amerikaner einigen.

Dennoch deutete Bernanke weitere Massnahmen an, sollte sich die Lage nicht verbessern: «Wenn der Ausblick für den Arbeitsmarkt sich nicht substanziell aufhellt, wird das Komitee solange damit fortfahren, Immobilienpapiere zu kaufen, zusätzliche Wertpapiere zu erwerben und andere Instrumente zu nutzen, die angemessen erscheinen, bis eine Besserung erreicht ist und die Preisstabilität zugleich gewährleistet ist. Sollte der Wirtschaft die Puste ausgehen, sind wir zum Handeln bereit.»

Die Leitzindizes an der Wall Street bauten nach der Zinsentscheidung ihre Gewinne aus. Der Dollar gab zum Euro und zum Yen nach und viel zeitweise auf den tiefsten Stand seit vier Monaten. US-Staatsanleihen drehten auf breiter Front ins Minus. Der Goldpreis hingegen erklomm den höchsten Stand seit einem halben Jahr.

Achillesferse Arbeitsmarkt

Im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss hiess es, die Notenbanker seien besorgt, dass das Wachstum in den USA ohne eine weitere Konjunkturspritze nicht stark genug sein könnte, um für eine anhaltende Besserung am Arbeitsmarkt zu sorgen. «Die Arbeitslosigkeit ist eine grosse Sorge», sagte Bernanke vor der Presse in Washington.

Die Fed werde ihre «höchst stimulierende Geldpolitik deshalb sogar noch dann für eine gewisse Zeit fortsetzen, wenn sich die wirtschaftliche Erholung verstärkt haben wird».

Die Arbeitslosenquote liegt mit 8,1 Prozent für US-Verhältnisse derzeit nach wie vor deutlich über dem langjährigen Schnitt. Im vergangenen Monat wurden in den Vereinigten Staaten nur 96'000 neue Stellen geschaffen - ein sehr niedriger Wert.

Zinserhöhung frühestens 2015

Der Beschluss der Fed-Gouverneure, der schon ab Freitag umgesetzt werden soll, fiel mit nur einer Gegenstimme. Von den 13 Mitgliedern des Offenmarktausschusses rechnen nun zwölf erst 2015 mit einer Zinserhöhung. Noch vor wenigen Monaten waren es nur sechs.

Die Fed hat in den vergangenen Jahren für rund 2,3 Billionen Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere in ihre Bilanz genommen. Sie will mit dem frisch gedruckten Geld die Wirtschaft und das Finanzsystem befeuern, damit Arbeitsplätze entstehen und sich die Krise auf dem Häusermarkt abmildert.

Bis dato waren die Bemühungen Bernankes nur von mässigen Erfolg gekrönt, weshalb viele Fachleute auf eine weitere Runde von Staatsanleihekäufen (Quantitative Easing) gesetzt hatten.

Die jetzt beschlossenen Massnahmen stellen aber ebenfalls einen sehr substanziellen Stimulus dar - immerhin nehmen die Notenbanker durch die Kombination des Kaufs von Immobilienpapiere und der Umschichtung ihrer Staatsanleihenbestände jeden Monat 85 Milliarden Dollar in die Hand.

Heikle Geldpolitik im Wahljahr

Bernanke muss allerdings aufpassen, dass er im Wahljahr nicht zwischen die Fronten gerät. Selbst Republikaner, muss er im Falle eines Wahlsiegs seiner Partei damit rechnen, dass er wegen seiner ultraexpansiven Geldpolitik 2014 keine dritte Amtszeit bekommt.

Vor der Presse beteuerte er, dass die Entscheide der Notenbank ausschliesslich ökonomische Gründe hätten und kein politisches Kalkül seien.

(chb/sda)

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