Mit diesem Abenteuer hatte die Kadetten an Bord des argentinischen Schulschiffs «Libertad» nicht gerechnet. Letzten Oktober wurde der Dreimaster in Ghana festgesetzt. Der Finanzinvestor NML Capital nutzte das Schiff als Faustpfand, um ausstehende Schulden Argentiniens einzufordern. Die Bilder gingen um die Welt.
 
Inzwischen hat die Libertad wieder Wasser unter dem Kiel. Die Suche der Gläubiger nach Druckmitteln gegen das zahlungsunwillige Argentinien geht unterdessen weiter. In Deutschland spürt Privatermittler Josef Resch von der Hamburger Inkassofirma Wifka argentinischem Staatsvermögen nach. Seine Auftraggeber stammen dabei auch aus der Schweiz, sagt Resch auf Anfrage.

Belohnung ausgesetzt

«Wir handeln auch im Auftrag von Schweizer Gläubigern».Das Interesse sei gross. «Wir sind bislang von gut einem Dutzend Personen aus der Schweiz kontaktiert worden.» Resch sucht hierzulande nach argentinischen Assets, die sichfestsetzen liessen. «Wir haben bereits Hinweise auf Vermögen bei verschiedenen Banken und suchen nach weiteren Spuren», so der Privatdetektiv. Für Hinweise auf solche Vermögenswerte haben Reschs Auftraggeber eine Belohnung ausgesetzt.
 
Der deutsche Ermittler ist auf seiner Suche nicht alleine. Die Finanzinvestoren NML Capital auf der Finanzinvestor EM Limited hatten 2009 das zuständige Basler Betreibungsamt aufgefordert, die Reserven Argentiniens bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel unter Arrest zu setzen. Zusammen klagten die beiden Investoren eine Summe von rund 1 Milliarde Dollar ein, wie aus Gerichtsakten hervorgeht.

Die Pfändung scheiterte allerdings am Umstand, dass die BIZ in der Schweiz rechtliche Immunität geniesst. Das Bundesgericht erklärte deshalb die Betreibung 2010 als nichtig, auch der Bundesrat wies letzten Herbst die Forderungen der Investoren zurück.

Nicht nur Finanzinvestoren

Gemäss mit dem Fall vertrauter Personen haben die Finanzinvestoren jedoch nicht aufgegeben. Ihnen wie den Privatermittlern stellt sich das Problem, dass direktes Vermögen anderer Staaten – die so genannten Hoheitsakte – gemäss Bundesgerichtsentscheid Immunität geniessen. Dies im Gegensatz etwa zu Firmen in Staatsbesitz.
 
Es sind nicht nur Finanzinvestoren, die Forderungen gegen den argentinischen Staat geltend machen. Seit sieben Jahren schuldet das Land 340 000 Investoren Geld. Es geht um eine Anleihe von knapp 20 Milliarden Franken, die Argentinien 1996 auflegte und 2005 hätte zurückzahlen müssen.

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Doch wegen des Staatsbankrotts im Jahr 2002 ist das nie geschehen – die Gläubiger blieben auf ihren Forderungen sitzen. In Deutschland, Frankreich und Italien gibt es Zehntausende Privatanleger, die mit Argentinien-Bonds Geld verlorenhaben.