Ausgerechnet das Silicon Valley hinkt seiner Zeit hinterher: Im Mekka der Tech-Innovationen gedeiht die Rollenverteilung der Sechziger Jahre. Nicht nur, dass in den Firmen der Männeranteil überwiegt. Auch im Privatleben zeigt sich: Der Mann arbeitet, die Frau putzt, kocht und hütet die Kinder – dieses Lebensmodell wählen offenbar viele der Startup-Lenker.

Darauf gestossen ist Evan Williams, Mitbegründer von Twitter, Milliardär und Familienvater. Er selbst war einst ein Paradexempel für den Arbeitsethos im Silicon Valley. «Ich habe jahrelang nonstop gearbeitet», schreibt Williams in einem Blogbeitrag.

Wie schaffen andere das?

Als Williams Vater wurde, änderten sich seine Prioritäten. Die Schuldgefühle wuchsen, wenn der Nachwuchs daheim wartete. Er fragte sich: «Wie viel Arbeit ist vernünftig? Wie viel ist normal? Und wie schaffen andere das?»

Weil ihm Antworten fehlten, versandte Williams eine Umfrage im erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis, die meisten von ihnen Männer und im Tech-Bereich tätig. Die Ergebnisse der – nicht repräsentativen – Erhebung zeigten: 85 Prozent der Befragten arbeiteten mehr als fünf Tage die Woche. Und nur jeder Zweite hatte eine Ehepartnerin mit Job.

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«Bei den meisten blieben die Ehefrauen zu Hause»

Das seien nur halb so viele wie der nationale Durchschnitt, stellt Tech-Journalistin Sarah Paley fest. Sie ist als Berichterstatterin im Silicon Valley mit vielen Lenkern und Leitern bekannt, ihr Portal «Pando» erhielt eine Finanzspritze über 2,5 Millionen US-Dollar unter anderem von Investor Peter Thiel.

Paley kennt die Rollendebatte aus eigener Erfahrung: Sie sprach während ihrer Schwangerschaft mit vielen im Silicon Valley, die meisten von ihnen männliche Führungskräfte. Sie sagt: «Die wenigsten wussten Rat, wenn es um Fragen wie die Nanny-Wahl oder ähnliches ging.» Und das habe einen Grund gehabt: «Bei den meisten waren die Ehefrauen zu Hause geblieben, sobald die Kinder auf der Welt waren.»

Neue Zahlen zur Verteilung der Arbeit zwischen Männern und Frauen in der Schweiz finden Sie in der Bildergalerie oben.