In Amerika sind im August überraschend keine neuen Stellen geschaffen geworden. Im Monatsvergleich habe die Beschäftigtenzahl ausserhalb der Landwirtschaft stagniert, teilte das US-Arbeitsministerium in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs um 68'000 Stellen gerechnet.

Die Arbeitslosenquote zeigte sich bei 9,1 Prozent unverändert, so das US-Arbeitsministerium. Belastend kommt hinzu, dass die Beschäftigtenzahlen für Juli von zuvor 117'000 auf 85'000 neue Stellen herabkorrigiert wurden. Bereits am Vorabend hatte das amerikanische Präsidialamt eine Korrektur der Wachstumsprognosen nach unten bekanntgegeben.

Eine schlechtere Arbeitsmarktbilanz hatte es zuletzt im September 2010 gegeben, als die Zahl der Arbeitsplätze zurückging. Allerdings trug auch ein Sondereffekt zum schwachen Ergebnis bei: Wegen eines Streiks beim Telekomkonzern Verizon fielen 45'000 Beschäftige aus der Bilanz heraus. 

Zudem sind die durchschnittlichen Stundenlöhne im August überraschend gesunken. Im Monatsvergleich sind die Löhne um 0,1 Prozent zurückgegangen. Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Im Juli hatten die Stundenlöhne deutlich um revidiert 0,5 (zunächst 0,4) Prozent zugelegt. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sank von 34,3 auf 34,2 Stunden.

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US-Börsen starten klar im Minus

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist entscheidend für die Konsumausgaben, die wiederum rund zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts in den USA ausmachen. Der Konsum leidet auch unter der schwachen Lohnentwicklung. Die Stundenlöhne fielen im August um durchschnittlich 0,2 Prozent.

Der Dow Jones Industrial verlor 1,86 Prozent auf 11'279,24 Punkte. Ende Juli hatte der Index noch bei gut 12'750 Zählern notiert. Für den breiter gefassten S&P 500 ging es nun um 1,90 Prozent auf 1181,54 Punkte nach unten. An der Technologiebörse Nasdaq rutschte der Auswahlindex Nasdaq 100 um 1,67 Prozent auf 2181,98 Punkte ab. Der Composite-Index fiel um 1,68 Prozent auf 2503,23 Punkte.

Die US-Staatsanleihen starteten dagegen mit starken Kursgewinnen insbesondere bei den langen Laufzeiten in den Handel. Richtungsweisende zehnjährige Papiere stiegen um 22/32 Punkte auf 100 20/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,050 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreissig Jahren kletterten besonders stark um einen ganzen und 14/32 Punkte auf 106 4/32 Punkte. Sie rentierten mit 3,420 Prozent.

Gold und Staatsanleihen legen zu

Die Schweizer Börse tauchte unmittelbar nach Bekanntgabe der Daten auf ein Minus von 3,8 Prozent. Danach erholte sich das Börsenbarometer der Grosskonzerne SMI wieder  und notierte gegen 16.15 Uhr noch um 2,86 Prozent tiefer auf 5373,34 Punkten.

Auch die anderen Börsen in Europa gingen auf Talfahrt. So gab der deutsche Dax um 3,6 Prozent zunächst nach, während die Pariser Börse um 3,4 Prozent sank. London lag derweil um 2,4 Prozent im Minus.

Der Euro tauchte ebenfalls ab und fiel unter die Grenze von 1.11 Franken. Um 16.33 Uhr kostete ein Euro lediglich noch 1.1148 Franken. Der Dollar wurde für 0.7841 Franken gehandelt. Das sind fast 2 Rappen weniger als am Vortagesschluss. Der Goldpreis erreichte dagegen bei rund 1880 Dollar eine neue Tagesspitze.

Alle blicken auf die Fed

«Die Unternehmen haben sich offenbar angesichts des Streits um die Schuldengrenze und den Finanzmarktturbulenzen mit Neueinstellungen zurückgehalten», sagte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner zu den Arbeitsmarktdaten. Jetzt müsse abgewartet werden, ob sich nach der Beendigung des Schuldenstreits der Arbeitsmarkt besser entwickelt. Zumindest seien einige realwirtschaftliche Daten zuletzt recht robust ausgefallen.

Ökonomen gehen davon aus, dass die US-Notenbank weitere Massnahmen zur Stützung der Konjunktur ergreifen wird. Bereits auf der letzten Sitzung hatte der geldpolitische Ausschuss heftig über weiter Stimulierungen diskutiert.

Die Fed dürfte laut WestLB Mellon bereits auf ihrer nächsten Sitzung Ende September reagieren. «Wer noch Zweifel hatte, dass die Fed noch mal nachlegt, dürfte jetzt nicht mehr zweifeln», schreibt Chefvolkswirt Holger Sandte. «Diese Zahlen verheissen nichts Gutes für das künftige Verbrauchervertrauen, das sich ohnehin bereits auf Rezessionsniveau befindet.»

(tno/vst/awp/sda)