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Konjunktur

S&P stuft USA herab

Dunkle Wolken über dem US-Capitol, düstere Aussichten für die amerikanischen Finanzen (Bild: Keystone)

Fertig Triple A: Die USA haben erstmals die Spitzen-Bonitätsnote bei einer Ratingagentur verloren. Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit des Landes auf AA+ herunter. Und es droht sogar noch e

Veröffentlicht am 06.08.2011

Erstmals in der Geschichte der USA hat eine Ratingagentur die Kreditwürdigkeit der grössten Volkswirtschaft der Welt herabgestuft. Standard & Poor's (S&P) senkte am späten Freitag (Ortszeit) die langfristige Bewertung um eine Stufe von AAA auf AA+.

Die einflussreichste der drei US-Ratingagenturen begründete ihren Entscheid mit den «politische Risiken», dass die USA nicht die nötigen Massnahmen ergreifen würden, um das Budgetdefizit in den Griff zu bekommen. Die Kürzungen gingen nicht weit genug. Es sei zudem zweifelhaft, ob sich Demokraten und Republikaner auf zusätzliche Einsparungen einigen könnten.

Auch den Ausblick bewertete die Agentur mit negativ. Damit drohe den USA in den nächsten zwölf bis 18 Monaten eine weitere Herabstufung, falls die von der US-Regierung ausgegeben Sparziele nicht eingehalten würden, hiess es.

Weissen Haus wirft S&P Rechenfehler vor

Die US-Regierung kritisierte den Entscheid. Es liege ein Rechenfehler von zwei Billionen Dollar zugrunde, sagte ein Sprecher der Finanzministeriums. Ein Beurteilung, die mit einem solchen Fehler behaftet sei, spreche für sich. In Regierungskreisen hiess es, die Agentur habe die Zahl zwar aus ihrer Analyse gestrichen, der Fehler lasse aber an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln.

Mit gesenkten Bonitätsnote dürften Kredite für die Regierung, aber auch für Unternehmen und Konsumenten in den USA teurer werden. Experten rechnen damit, dass sich die staatlichen Kreditkosten mit der Zeit um 100 Millilarden Dollar verteuern könnten.

S&P hatte bereits Mitte Juli angekündigt, die US-Bonitätsnote zu überprüfen und eine Herabstufung vom Ausgang des Schuldenstreits abhängig gemacht. Die Agentur mahnte damals, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen Dollar notwendig.
Der nach wochenlangem Ringen im Kongress am Dienstag besiegelte Kompromiss sieht dagegen nur etwas mehr als zwei Billionen Dollar vor.

Kritik vom grössten Gläubiger

Scharfe Kritik kam auch von China, dem grössten Gläubiger der USA. Die Zeiten, als sich die USA ihre Probleme einfach durch neues Schuldenmachen vom Hals hätten schaffen können, seien endgültig vorbei.

Als grösster Gläubiger der einzigen Weltmacht habe China «jetzt alles Recht, von den USA zu fordern, dass diese ihr strukturelles Schuldenproblem in den Griff bekommen und die Sicherheit von Chinas Dollar-Vermögen sicherstellen», hiess es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag.

Xinhua, die als Sprachrohr der Regierung in Peking gilt, warf den USA eine «kurzsichtige» Politik vor und forderte Kürzungen der «riesigen Militärausgaben» und der «aufgeblähten» Sozialausgaben. Sonst sei die jetzige Herabstufung nur der «Auftakt» zu noch «verheerenderen» Bonitätsnoten.

Die chinesische Ratingagentur Dagong, deren Bewertungssystem von dem der US-Agenturen abweicht, stufte in der Folge der S&P-Abstufung die Bonität der USA von A+ auf A herab.

Ungünstiger Zeitpunkt

Für die Finanzmärkte könnte die Herabstufung kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die Furcht vor einer erneuten Rezession in den USA und einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise hatten in dieser Woche weltweit zu Panikverkäufen an den Börsen geführt.

Die beiden anderen grossen Ratingagenturen Moody's und Fitch halten nach der Einigung zwischen Demokraten und Republikanern am Dienstag vorerst an der Spitzennote AAA fest.

(rcv/tno/sda)

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