Wann erhöht die Fed zum ersten Mal die Zinsen? Nachdem Fachleute den ersten Schritt ursprünglich für Mitte 2015 erwartet hatten, wird nun immer klarer: Mit der angehenden Normalisierung der Geldpolitik dürfte es noch mindestens bis zum Frühherbst dauern. Die Zinsen in den USA werden «nicht vor September angehoben», sagt etwa Hans Olsen, verantwortlich für die globale Investmentstrategie bei Barclays Wealth and Investment Management. Dies lege das nun veröffentlichte Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses nahe.

Am Freitag bekräftigte US-Notenbankchefin Janet Yellen einmal mehr, dass ein erster Zinsschritt noch in diesem Jahr angemessen sei. Sie verfolge für die geldpolitische Straffung jedoch keinen konkreten Zeitplan – sondern richte ihre Analyse nach der Konjunktur. Hier ist sich die oberste Notenbankerin der USA mit den meisten Fachleuten einig: Die Erholung der grössten Volkswirtschaft der Welt ist auf einem guten Weg, einiger schwächerer Indikatoren in den vergangenen Wochen zum Trotz.

Bau sendet positive Signale

Dies gilt, obwohl die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal 2015 nahezu stagnierte. Doch in jüngster Vergangenheit mehren sich die Anzeichen, dass die Schwäche zu Jahresbeginn nur temporär und nicht zuletzt der eisigen Witterung geschuldet war.

So deuten die heute veröffentlichten Auftragsdaten auf eine «einsetzende Wende im verarbeitenden Gewerbe hin», wie Christiane von Berg, Ökonomin bei der Bayern LB analysiert. Die Bestelleingänge deuteten auf eine «anziehende Dynamik« der Aktivitäten.

«Namentlich die Baubeginne zeigen, dass die Bauträger im vergangenen Monat mehr Neubauten in Angriff nahmen als jemals seit Anbruch der grossen Finanzkrise», sagt Olsen. Die Baugenehmigungen für Neubauten erreichten in den Vereinigten Staaten ebenfalls Höchststände seit der Krise. «Dieses schlagkräftige Argument widerspricht einmal mehr jenen, die hinter dem harten Winter und den Hafenstreiks in den USA ein tiefer liegendes Konjunkturproblem vermuten, das nicht so leicht vorüber geht.»

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US-Kerninflation bereits hoch

Der Investmentexperte erwartet nun ein Aufholen des US-Konsums nach einer Flaute in den ersten Monaten des Jahres. Dafür spricht, dass die Löhne zuletzt deutlicher zulegten: im ersten Quartal um 0,7 Prozent. «Davon dürfte auch der Rest der Welt profitieren», sagt er. Entsprechend dürften auch die Preise steigen. Diese sind bereits heute ansprechend hoch, wie die am Freitag ebenfalls veröffentlichten Daten zeigen.

Zwar lag die Teuerung im April mit minus 0,2 Prozent noch immer im negativen Bereich. Das jedoch ist vor allem der gesunkenen Ölpreise geschuldet. Zum Vormonat legten die Konsumentenpreise leicht zu. Gleichzeitig ist die sogenannte Kerninflationsrate – ohne Energie und Lebensmittelpreise – bereits deutlich im Plus und liegt bei 1,8 Prozent. Damit liegt dieser Wert in der Nähe des mittelfristigen Inflationsziels der Fed von 2 Prozent.

Nächster Arbeitsmarkt wird wichtig

Wichtig wird nun der nächste Arbeitsmarktbericht sein und dessen Interpretation durch die Fed-Verantwortlichen, sagt Rudolf Besch, Ökonom bei der deutschen Dekabank. Er hält angesichts der hohen Kerninflationsrate sogar eine erste Zinserhöhung in den USA noch im Juni für möglich.