Gegen die Macht der Banken in den USA haben in New York mehrere tausend Menschen protestiert. In Sprechchören forderten die Demonstranten am Mittwoch unweit des Rathauses höhere Steuern für Konzerne und für Reiche sowie einen Umbau des Sozialsystems zugunsten ärmerer Schichten, der Bildung und der Umwelt.

Einzelne Polizisten schätzten die Menge auf 5000 bis 7000 Menschen. Offizielle Schätzungen gab es zunächst noch nicht.

«Occupy Wall Street»

Den wenigen Dutzend Aktivisten der Aktion «Occupy Wall Street» haben sich mittlerweile führende Gewerkschaften - etwa der Dachverband AFL-CIO, die Automobilgewerkschaft UAW und die Transportarbeitergewerkschaft TWU - angeschlossen. Selbst Nachbarschafts- und Mietervereine und Vereinigungen von Krankenschwestern, Lehrern und anderen Berufen sind dabei.

Ihnen allen ist die Macht der Banken zu gross und deren Beitrag zur Beilegung der Wirtschaftskrise zu gering. Auch in Los Angeles, Boston, Chicago und anderen Städten formierten sich kleine Ableger der Wall-Street-Kritiker.

«Wall Street hat schuld», riefen Hunderte Menschen immer wieder in Sprechchören. Redner forderten ein neues Steuersystem, dass vor allem die Finanzhäuser zur Kasse bittet. «Was wir heute haben, ist nicht fair, nicht fair, nicht fair», rief eine Rednerin.

Demonstrantin: «Jeder hier fühlt sich ausgeraubt»

Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie «Besteuert Wall Street» oder «Die Reichen sollen ihren gerechten Anteil zahlen» mit sich. Die zumeist jungen Protestteilnehmer skandierten «Wir sind 99 Prozent» und spielten damit auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung an, von dem sie sich hintergangen fühlen.

«Ich glaube, dass sich jeder hier ausgeraubt fühlt», sagte die 29-jährige Lindsey Personette. «Sie haben es schwer, über die Runden zu kommen.»

Die 26-jährige Kelly Wells, die aus dem Bundesstaat Oregon an der Westküste für die Proteste nach New York gekommen ist, hofft auf weiteren Schwung durch die wachsende Unterstützung: «Mehr Teilnehmer, mehr Macht, mehr Öffentlichkeit.»

Heterogene Gruppe

Es waren auch Plakate zu sehen mit Aufschriften wie «Sozialismus ist für alle gut» oder «Wir kämpfen für Sozialismus». Die Tendenz der Bewegung ist links, es haben sich aber Dutzende Gruppen mit den unterschiedlichsten Zielen angeschlossen.

Deren Ziel ist der Kampf für die Umwelt oder gegen die Todesstrafe, für bessere Bildung und billigere Kindergärten, gegen Militäreinsätze oder Stützungsprogramme für Grossunternehmen. US-Präsident Barack Obama war gleichermassen Ziel von Spot und Kritik, aber auch von Hoffnung und Wunsch nach Unterstützung.

Ihren Anfang hatte die Bewegung vor drei Wochen mit der Aktion «Occupy Wall Street» genommen. Am vergangenen Wochenende waren bei einem ähnlichen Protestmarsch auf der New Yorker Brooklyn Bridge mehr als 700 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Die Brücke musste wegen der Kundgebung für mehrere Stunden gesperrt werden.

(rcv/tno/sda)