1. Home
  2. Konjunktur
  3. US-Notenbank Fed glaubt fest an Aufschwung

Optimismus
US-Notenbank Fed glaubt fest an Aufschwung

Janet Yellen: Dieses Mal gibt es einen positiven Bericht an den Kongress. Keystone

Die Federal Reserve erwartet weiteres Wachstum und sieht sich nahe am Ziel der Vollbeschäftigung. Das zeigt der gelpolitische Bericht für den Kongress. Dennoch gibt es ein paar Fragezeichen.

Veröffentlicht am 07.07.2017

Die US-Notenbank blickt trotz des schwachen Starts in das Jahr mit Optimismus auf die Konjunktur. Der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss erwarte weiter, dass die Wirtschaftsleistung moderat anziehen werde, heisst es in dem am Freitag veröffentlichten halbjährlichen geldpolitischen Bericht an den Kongress.

Trotz des Börsenbooms sehen die Währungshüter derzeit keine Gefahr einer Blasenbildung: Die Anfälligkeit des Finanzsystems bleibe «per saldo moderat».

Niedriges Lohnwachstum

Die Federal Reserve erwartet zudem im Mittel, dass sich die Arbeitslosenquote in diesem Jahr bei 4,3 Prozent einpendeln wird und damit Vollbeschäftigung de facto erreicht sein dürfte. Im Juni lag die Quote mit 4,4 Prozent nur leicht darüber. Zugleich wurden 222'000 neue Jobs geschaffen und damit weit mehr Stellen als nötig wären, um mit dem Bevölkerungswachstum der USA Schritt zu halten: Dafür reichen nach einer Faustregel 75'000 bis 100'000 neue Jobs pro Monat aus.

Doch die Stundenlöhne stiegen mit 0,2 Prozent weniger stark als erwartet. Die Notenbank wirft in dem Bericht die Frage auf, ob der seit längerem erkennbare Trend zu einem relativ niedrigen Lohnwachstum mit dem ebenfalls schwachen Produktivitätswachstum in den USA einhergehe, das durch die nachlassenden Effekte der IT-Revolution der Jahrtausendwende gedämpft werde. Sollte sich der Trend fortsetzen, bestehe die Gefahr, dass dieser Zustand zu «einer neuen Normalität» werde und dies die Verbesserung des Lebensstandards der Amerikaner «erheblich hemmen» könne.

Eurozone wächst schneller

Das US-Wirtschaftswachstum fiel zu Jahresbeginn mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,4 Prozent relativ mager aus. Selbst die Eurozone, die lange Zeit als konjunkturelles Sorgenkind galt, legte stärker zu. Doch die Fed geht davon aus, dass die kurze Schwächephase nur ein Ausreisser war.

Zugleich betonte die Notenbank, dass sie ihre Geldpolitik nicht an feste Regeln binden könne, da dies der Komplexität der Aufgabe nicht gerecht würde. Im Kongress will eine Gruppe republikanischer Parlamentarier erreichen, dass die Politik der Währungshüter stärker überwacht und an eine feste Formel gebunden wird. Im Gespräch ist dabei die nach dem US-Ökonomen John Taylor benannte Regel zur Bestimmung des je nach Konjunkturlage angemessenen Leitzinses. Fed-Chefin Janet Yellen hat dies mehrfach abgelehnt.

Zeit zur Durchsicht

Sie wird am Mittwoch und Donnerstag vor Kongressausschüssen sprechen. Abweichend vom üblichen Verfahren wurde der halbjährliche Bericht dieses Mal bereits fünf Tage vor der Anhörung der Notenbankchefin veröffentlicht und nicht zeitgleich mit ihrer Rede. Zur Begründung hiess es, der Kongress und auch die Öffentlichkeit hätten so bereits vor der Rede der obersten Währungshüterin genügend Zeit zur Durchsicht.

(sda/gku)
 

Anzeige