Die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen erhöhten den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld am Mittwoch um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent. Experten hatten damit gerechnet, da praktisch Vollbeschäftigung herrscht. Zuletzt straffte die Fed die Zinsen im März. Allerdings fiel die Entscheidung auch dieses Mal nicht einstimmig. Das Führungsmitglied Neel Kashkari wollte keine Erhöhung.

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Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,3 Prozent hat die Fed Vollbeschäftigung praktisch erreicht. Sie strebt als weiteres Ziel eine Inflation von zwei Prozent an. Dabei achtet die Fed besonders auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Konsumenten. In diesem Inflationsmass werden die schwankungsreichen Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert. Dieser Wert lag zuletzt allerdings mit 1,5 Prozent noch unter der Zielmarke.

Weiteren Schritt in diesem Jahr signalisiert

Die Notenbank will keine Überhitzung der Wirtschaft riskieren, falls die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Steuerreform und massive Investitionen in die Infrastruktur einen kräftigen Schub bringen sollten. Aus den neuen Prognosen der Währungshüter geht zudem hervor, dass sie für das Jahresende mit einem Zinsniveau von 1,375 Prozent rechnen. Dies würde einem weiteren Schritt nach oben entsprechen. Die US-Notenbank tastete damit ihren bisherigen Zinsausblick für 2017 nicht an.

Die Geldpolitik der US-Notenbank gilt international noch immer als wegweisend. Die Federal Reserve beschreitet jedoch seit ihrer ersten Anhebung nach der Finanzkrise im Dezember 2015 einen genauso vorsichtigen wie kontinuierlichen und wohl kommunizierten Kurs. Die Notenbanker um ihre Chefin Janet Yellen tun alles, um eine Verunsicherung der Märkte zu verhindern. Insofern haben Marktteilnehmer die Möglichkeit, sich intensiv auf die einzelnen Schritte vorzubereiten.

EZB plant bis Ende des Jahres noch umgekehrt

Die Bankenbranche fordert seit längerer Zeit, dass auch die Europäische Zentralbank (EZB) den Kurs der US-Notenbank mitgehen solle. Doch kurzfristig ist dies nicht zu erwarten. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in vielen Ländern Europas gibt eine solche Straffung der Geldpolitik derzeit noch nicht her. Hinzu kommen massive politische Unsicherheiten, etwa durch die jüngsten Terrorattacken und durch den ungewissen Ausgang der Brexit-Verhandlungen mit Grossbritannien.

Die EZB plant bis Ende des Jahres noch umgekehrt: Es sollen weiter Anleihen aufgekauft werden, also noch mehr billiges Geld in die Märkte gepumpt werden. Dadurch grenzt die EZB auch den Spielraum für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ein. So dürfte die Ära der ultratiefen Zinsen in der Schweiz nach Einschätzung von Experten noch mindestens ein Jahr andauern. Erwartet wird demnach, dass die SNB bei ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor unverändert bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent belassen wird. Der Strafzins, den Banken für ihre Einlagen bei der SNB zahlen müssen, dürfte bei minus 0,75 Prozent verharren.

(sda/reuters/gku)