246 Abgeordnete votierten gegen den Antrag, lediglich 173 stimmten zu. Zugleich sucht Präsident Barack Obama sich erneut persönlich in die Verhandlungen einzuschalten. Der TV-Sender CNN berichtete, demokratische Kongressführer seien auf dem Weg ins Weisse Haus.

An diesem Wochenende wollen sie in Verhandlungen hinter den Kulissen klären, ob eine Einigung in letzter Minute doch noch möglich ist. Falls das nicht gelingt, wären die USA voraussichtlich am Dienstag zahlungsunfähig - erstmals in der Geschichte.

Vorschlag abgelehnt I

Auch die republikanischen Senatoren lehnten einen Kompromissvorschlag der Demokraten ab. 43 von 47 Republikaner im Senat kündigten an, gegen den Plan zu stimmen.

Damit hat der demokratische Vorschlag, der eine grössere Erhöhung des Schuldenlimits vorsieht und das Thema bis nach den Präsidentenwahlen erledigen würde, im Senat kaum mehr Chancen. Die Demokraten hätten mindestens sieben Stimmen von Republikanern benötigt. Die Abstimmung ist für Sonntag 7.00 Uhr europäischer Zeit angesetzt.

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Dieses Votum gilt als entscheidender Meilenstein, an dem sich ablesen lässt, ob die Bereitschaft zum Kompromiss auf beiden Seiten vorhanden ist oder nicht. Erst am Montagmorgen (13 Uhr mitteleuropäischer Zeit ) könnte der Senat inhaltlich über einen Entwurf abstimmen. Danach hätte wieder das von Republikanern beherrschte Abgeordnetenhaus das Wort.

Vorschlag abgelehnt II

Dort hatten die Republikaner zuvor einen Antrag durchgebracht, der das Schuldenlimit von derzeit 14,3 Billionen Dollar um 900 Milliarden erhöhen würde. 218 Abgeordnete stimmten dafür, 210 dagegen. Doch bereits zwei Stunden später wies der von den Demokraten beherrschte Senat den Antrag zurück.

Allerdings hatten die Abstimmungen eher symbolische Bedeutung: Obama machte klar, dass er ein Veto einlegen werde, weil nach dem Republikaner-Vorschlag das Schuldenlimit im Wahljahr 2012 erneut heraufgesetzt werden müsste - was er unbedingt verhindern will.

Der Präsident rief erneut zum Kompromiss auf. «Die Parteien liegen nicht so weit auseinander», sagte er in seiner traditionellen Wochenendbotschaft. «Es gibt viele Wege aus diesem Schlamassel. Aber die Zeit ist sehr knapp.» Er hoffe, dass ihn am Dienstag ein Gesetzentwurf vorliege, dem er zustimmen könne.

Planungen für «Tag X»

Unterdessen bereitet sich das Finanzministerium schon auf den «Tag X» vor. Oberste Linie: Schulden und Zinsen sollen auf alle Fälle bezahlt werden. Nach einem Bericht der «Washington Post» können auch die zum Monatsbeginn anfallende Sozialhilfe-Leistungen noch gezahlt werden.

Doch bereits in wenigen Tagen «verliert die Regierung ihre Fähigkeit, allen Zahlungen nachzukommen». Ratingagenturen drohen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit mit schweren Konsequenzen. Experten fürchten unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft.

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Mit ihrem Schuldenstreit ziehen die USA zunehmend den Zorn Chinas auf sich - das Land ist der grösste Gläubiger der USA. Im Zentralorgan der Kommunistischen Partei wurden schwere Vorwürfe gegen die amerikanische Politik laut.

Der Umgang mit der Schuldenkrise sei «unverantwortlich und unmoralisch», kritisierte die Zeitung «Renmin Ribao» in ihrem Leitartikel. Die US-Abgeordneten seien bereit, «für ein paar Wählerstimmen» die Interessen Dritter zu opfern.

(cms/sda)