Trotz einer hochexpansiven Geldpolitik hat die weltgrösste Volkswirtschaft USA zum Jahresende 2012 einen herben Dämpfer erlitten. Wie aus Regierungszahlen vom Mittwoch hervorgeht, war die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal erstmals seit dreieinhalb Jahren rückläufig. Das annualisierte Minus von 0,1 Prozent kam zwar nicht gänzlich überraschend, Bankvolkswirte hatten mit einer Wachstumsverlangsamung gerechnet. Die Erwartungen von plus 1,1 Prozent wurden aber klar verfehlt.

Auf den zweiten Blick fallen die Zahlen etwas weniger trübe aus. Denn wird die Wachstumsrate nicht auf das Jahr hochgerechnet, wie etwa in Europa üblich, bewegt sich Wirtschaftswachstum nahe der Nulllinie. Über eine Stagnation kam die US-Wirtschaft im Schlussquartal jedoch nicht hinaus. An den Finanzmärkten fiel die erste Reaktion enttäuschend aus. Vor allem der amerikanische Dollar geriet unter Druck.

US-Wirtschaft bremst ab

Verglichen mit dem dritten Quartal, als die US-Wirtschaft noch um 3,1 Prozent gewachsen war, hat die US-Wirtschaft zum Jahresende hin deutlich abgebremst. Die Wachstumsschwäche geht vor allem auf das Konto rückläufiger Staatsausgaben. Besonders tief im roten Bereich lagen die Rüstungsausgaben, die mit gut 22 Prozent so stark wie selten zuvor nachgaben. Zudem war der Lageraufbau rückläufig, die Unternehmen produzierten also weniger «auf Halde». Vom Aussenhandel wurde die Entwicklung durch schwache Exporte belastet.

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Gestützt wurde die US-Konjunktur indes durch höhere Ausgaben der Verbraucher. Auch die Investitionen der Unternehmen und die Bauausgaben verhinderten ein stärkeres Minus. Die Aussenhandelsbilanz wurde durch geringere Importe in ein etwas günstigeres Licht gerückt.

Erholung nicht zu Ende

Bankvolkswirte zeigten sich von dem konjunkturellen Rücksetzer überrascht, verwiesen aber auf positive Aspekte. Genannt wurde insbesondere der Zuwachs bei den Konsumausgaben, die für die USA als Wachstumstreiber schlechthin gelten. Der Anstieg der Investitionsausgaben deutet demnach auf grössere Zuversicht der US-Unternehmen hin, während sich die Erholung des krisengeschüttelten Immobilienmarkts - Auslöser der Finanzkrise von 2008 - fortzusetzen scheint. Mithin sahen die meisten Ökonomen keinen Grund, das Ende der moderaten Erholungskurses auszurufen.

(rcv/tke/awp)