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Produktivität
Wie wichtig ist Uber für den Fed-Entscheid?

In den USA boomt die «Sharing Economy», etwa Uber oder Airbnb. Doch die neuen Tech-Firmen haben für Konjunkturrechnungen wenig Gewicht. Volkswirte sehen das im Vorfeld der Fed-Zinserhöhung als Fehler.

Veröffentlicht am 08.08.2015

Neue Internet-Geschäfte mit dem Teilen von persönlichem Besitz haben bereits Milliarden Dollar an Investorengeldern angelockt. Webseiten wie das Wohnungsportal AirBnB oder der Taxidienst Uber boomen in den USA. In die Daten der US-Ökonomen zur Entwicklung Produktivität scheint diese «Sharing Economy» bislang aber kaum Eingang zu finden. Dabei müssten die Zahlen gerade derzeit sattelfest sein. Denn US-Notenbank-Chefin Janet Yellen steht vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung über die erste Zinserhöhung seit fast einem Jahrzehnt.

Seit der Weltwirtschaftskrise 2008/09 hat die Produktivität in den USA laut Daten der Ökonomen gerade einmal 1,25 Prozent im Jahr zugelegt. Davor war der Zuwachs doppelt so stark. Manche Volkswirte sagen, die Auswirkungen der «Sharing Economy» und anderer neuer Entwicklungen würden nicht genügend berücksichtigt – in Wahrheit liege der Produktivitätsfortschritt deutlich höher. Dann aber wäre die US-Wirtschaft in womöglich besserer Verfassung als es offizielle Statistiken vermuten liessen und Yellen könnte eine Zinsanhebung leichter fallen.

Nullsummenspiel für die Fed

Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn es ist seit jeher schwierig, den Einfluss neuer Technologien auf die Produktivität exakt zu messen. Zudem muss beachtet werden, dass mit steigender Produktivität als Folge des neuen Internet-Booms auch die Geschäftskosten sinken würden. Diese wären dann aber vermutlich ebenso nicht ausreichend in den Daten widergespiegelt. Mögliche Folge: Die Inflationsrate wäre zu hoch angesetzt. Für die geldpolitische Betrachtung der Fed würde dies insgesamt auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen. «Wenn man denkt, dass wir die Produktivität fälschlicherweise zu niedrig messen, argumentiert man auch, dass die Inflation geringer ist als wir sie messen«», sagt etwa der Chef der Fed von San Francisco, John Williams.

Produktivitätsexperte John Fernald aus dem Stab von Williams geht noch einen Schritt weiter. Für ihn fallen mögliche Fehlberechnungen nicht stärker ins Gewicht als es in der Vergangenheit der Fall war. «Niemand sah das Nachlassen der Produktivität in den 70er-Jahren voraus, niemand sah den Produktivitätsschub Mitte der 90er-Jahre voraus», sagt er. Es gebe statistisch schlichtweg grosse Unsicherheiten.

Boom von Airbnb und Uber

Dabei wächst die «Sharing Economy» in den USA gewaltig. Die Zahl der Registrierungen bei AirBnB liegt inzwischen bei über einer Million, der Taxi-Dienst Uber ist in mehr als 100 Städten aktiv. Den Wert des Unternehmens bemessen Investoren mit 50 Milliarden Dollar  – eine Summer, von der viele SMI-Grössen nur träumen können. Bei aller Euphorie plädieren manche Experten aber dafür, die Situation abseits der grossen Vorzeigefirmen nicht zu überschätzen. Die Dinge könnten sich zwar in einem grossen Ausmass verändern, sagt etwa Volkswirt Joshua Gans von der Universität Toronto. «Aber das scheint noch weit in der Zukunft zu liegen.»

(reuters/me)

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