Wie ist die Lage am Tag nach dem Militärputsch in Bangkok?
Pierre-André Pelletier*: Hier läuft alles wie immer. An den grossen Kreuzungen stehen Militärs. Doch Thailand ist ein zivilisiertes Land. Die Soldaten sind freundlich, nicht aggressiv. Der Verkehr rollt denn auch normal, die Einkaufszentren sind geöffnet, die Touristenattraktionen sind besuchbar. Man muss auch sehen: Der jetzige Putsch ist bereits der 13. in den letzten siebzig Jahren.

Die Militärregierung verhängte aber eine Ausgangssperre. Das ist doch für den Tourismus schlecht. Immerhin ist Bangkok bekannt für sein Nachtleben.
Ja, das Nachtleben ist eingeschränkt. Es ist aber noch zu früh um zu sagen, wie lange das anhält und was das bedeutet. Die Touristen können aber trotzdem noch abends in ein Restaurant in Bangkok essen gehen. Wir geben ihnen dafür einen Brief mit, den sie vorzeigen können, falls sie in eine Kontrolle geraten und sagen ihnen, dass sie den Pass mitnehmen müssen.

Aber um 22 Uhr müssen sie zurück sein?
Ja. Doch auch das wird in Thailand nicht so ganz genau genommen. Ich schaute gestern vom Dach unseres Hotels auf die umliegenden Strassen. Da war sicher viel weniger los als sonst. Aber ausgestorben war die Stadt beileibe nicht.

Haben wegen der neuesten Krise Touristen bereits ihre Buchungen storniert?
Wir leben nun seit sechs Monaten mit den Protesten und der politischen Krise in Thailand. Daher sind wir uns daran gewöhnt. Die Auslastung liegt seither tiefer. Sie beträgt seit Ausbruch der neuesten Wirren bei rund 50 bis 60 Prozent. Üblicherweise waren es rund 80 Prozent. Seit dem Putsch erhielten wir nun nochmals vereinzelte neue Annullationen. Dennoch: Wir haben momentan 600 Gäste im Hotel.

Anzeige

Wer sagt den Urlaub denn ab?
Es sind vorwiegend Leute, die zum ersten Mal nach Thailand reisen, die ihre Buchungen nun annullieren. Sie sind sicherlich verunsichert. Kenner des Landes wissen dagegen, dass die Krise friedlich ablaufen wird. Sie kommen wie geplant. Und auch ich bin überzeugt: Wir werden auch diese Krise ohne Probleme überstehen.

* Der Westschweizer Pierre-André Pelletier studierte das Hotelfach an der Ecole hôtelière de Lausanne. Seit zwanzig Jahren lebt er in Thailand. Er führt heute das Luxushotel Amari Watergate in Bangkok.